Gewinnmargen sollen verbessert werden
Jenoptik plant mit Vorstandswechsel auch Neuausrichtung

Ostdeutschlands größtes Technologie-Unternehmen Jenoptik steht mit dem Abgang des langjährigen Vorstandschef Lothar Späth auch vor einer Neuausrichtung.

Reuters ERFURT. Der Schwerpunkt der Investitionen werde künftig bei Entwicklung und Produktion optischer Geräte liegen, sagte Späth am Dienstag bei der Hauptversammlung in Erfurt. "Die Sparte Photonics wird ausgebaut", betonte er. Für die zweite Konzernsäule Clean Systems, dem Anlagenbau für die Halbleiterindustrie sowie dem Gebäudemanagement, suche man neue Finanzierungsmöglichkeiten. "Wir werden hier in immer stärkeren Partnerschaften arbeiten", kündigte Späth an. Die Sparte Clean Systems ist für mehr als 70 % der Umsätze verantwortlich, leidet aber unter der Schwäche der Halbleiterindustrie und damit einem Rückgang der Renditen. Photonics soll dieses Jahr bis zu 300 Mill. Euro an Umsätzen erzielen bei deutlich höheren Margen als im Anlagenbau. Späth deutete an, man werde die Photonics AG mit der Jenoptik-Holding verschmelzen und dann nur noch den Anlagenbau als strategische Tochtergesellschaft führen. Die Zusammenführung würde erhebliche Kosten sparen, sagte er.

Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth gibt mit der Hauptversammlung seinen Chefposten nach zwölf Jahren auf und soll Aufsichtsratschef werden. Späth hatte das Unternehmen nach dem Ende der DDR übernommen und vollkommen neu aufgebaut. Dabei hatte der Konzern den Betrieb im Osten weitgehend stillgelegt und eine Reihe von Unternehmen vor allem in Westdeutschland gekauft. So wird der Anlagenbau von M+W Zander aus Baden-Württemberg organisiert, an dem Jenoptik rund 73 % hält. In den vergangenen Jahren hatte sich Jenoptik von einigen Unternehmensbereichen wieder getrennt und konzentriert sich jetzt auf die Sparten Photonics und Clean Systems. Der Konzern hat weltweit rund 10 000 Mitarbeiter. Späth wurde mit langem Beifall von der Hauptversammlung verabschiedet.

Von Witzleben will Gewinnmargen weiter verbessern

Sein Nachfolger wird der langjährige Finanzvorstand Alexander von Witzleben. Er kündigte an, man werde weiter an einer Verbesserung der Gewinnmargen arbeiten. "Konsequent werden wir Geschäfte und Produkte, die eine zu geringe Marge aufweisen oder sogar Verluste gemacht haben, schließen oder in andere Organisationseinheiten überführen."

Er hatte im Gespräch mit Reuters ebenfalls darauf hingewiesen, dass der Anlagenbau von Clean Systems nicht mehr über Banken vorfinanziert werden könne. Man könne sich daher einen Investor in der Sparte vorstellen. Auch eine Kapitalerhöhung schloss von Witzleben nicht aus.

Die Sparte Clean Systems soll dieses Jahr einen Umsatz von 1,7 bis 1,9 Mrd. Euro erzielen. Allerdings wird die Gewinnmarge nur bei 1,8 bis 2,5 % liegen. Bei Photonics wird dagegen mit 9 bis 10 % gerechnet. Nach einem Gewinn- und Umsatzrückgang im vergangenen Jahr will Jenoptik 2003 wieder einen Umsatz von gut 2 Mrd. Euro und einen Überschuss zwischen 30 und gut 40 Mill. Euro erwirtschaften. Im zweiten Quartal wird Jenoptik voraussichtlich einen leichten Verlust ausweisen, da die Sparten Clean Systems und Photonics ein Ergebnis knapp unter Vorjahr erreichen werden, wie von Witzleben Reuters gesagt hatte.

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