Gewinnmitnahmen
Rentenkurse geben deutlich nach

Ein schwacher Euro und festere Aktien haben am Dienstag viele Anleger dazu veranlasst, die jüngsten Kursgewinne bei den Renten einzustreichen.

Reuters FRANKFURT. Ein schwacher Euro und festere Aktien haben am Dienstag viele Anleger dazu veranlasst, die jüngsten Kursgewinne bei den Renten einzustreichen. Nachdem die Rentenpapiere kurz nach Handelsbeginn noch neue Höchststände markiert hatten, verloren sie im Tagesverlauf deutlich.

"Die Bonds sind überkauft und die Leute verbuchen ihre Gewinne", sagte Olivier Bonnefoy, Fondshändler von Fimat International in London. Auslöser der Kursverluste bei den Anleihen waren Analysten zufolge die festeren Aktienmärkte auf beiden Seiten des Atlantiks. Noch ist Analysten zufolge unklar, ob mit den Verlusten am Dienstag eine größere Korrektur wie von einigen erwartet am Rentenmarkt eingeläutet wurde.

Der richtungweisende Euro-Bund-Future notierte gegen 17.15 Uhr MESZ 43 Ticks leichter mit 110,35 Punkten, nachdem das Papier am Vormittag noch auf ein Kontrakthoch von 111,08 Punkten geklettert war. Die zehnjährige Bundesanleihe notierte 42 Basispunkte im Minus mit 103,02 Prozent, ihre Rendite stieg dabei auf 4,612 Prozent.

Händler bezeichneten die Kursverluste als Korrektur der kräftigen Rally der vergangenen Tage. "Der Markt war doch etwas heißgelaufen", sagte ein Händler. Möglicherweise könne sich diese Korrektur fortsetzen, allerdings sei die Situation noch unsicher. Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt sieht allerdings weiter ein freundliches Umfeld für die Anleihen. "Ich wäre vorsichtig, jetzt eine große Korrektur zu erwarten", sagte der Rentenstratege. Besonders das zuletzt eingetrübte Konjunkturbild in den USA habe dem niedrigen Zinsniveau eine gewisse Berechtigung gegeben.

Hauptimpulsgeber für den Rentenmarkt waren am Dienstag einmal mehr die Aktien. Der Dax legte nach einem Fünf-Jahres-Tief zur Eröffnung später um mehr als sechs Prozent zu. Der US-Index Dow Jones gewann gut 3,6 Prozent, die technologielastige Nasdaq vier Prozent. Die US-Staatsanleihen verzeichneten deshalb kräftige Kursverluste.

Die europäischen Festverzinslichen drehten Händlern zufolge deutlich ins Minus, nachdem der Euro unter die Marke von 0,97 Dollar gefallen war. Ein Euro kostete zuletzt 0,9642/49 Dollar. Auf Grund von Spekulationen um eine baldige Zinssenkung in den USA hätten Investoren zunehmend Gelder in die US-Währung umgeschichtet, hieß es im Markt.

Im Markt gab es außerdem Gerüchte, dass Hedge-Fonds in großem Umfang Schatz-Futures verkauften, um sich mit Futures auf den Deutschen Aktienindex einzudecken. Damit könnte sich nach Ansicht von Sartoris ein Ende der Talfahrt an den Aktienmärkte abzeichnen. Auch ein deutscher Rentenhändler sagte, offenbar betrachteten die Investoren die Aktienkurse als günstiges Einstiegsniveau.

Der Bobl-Future notierte 38 Ticks tiefer bei 108,30 (Tageshoch: 108,85) Zählern und der Schatz-Future verlor 21 Ticks auf 104,39 (104,67) Stellen. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern erwarten immer mehr Anleger wegen schwacher Konjunkturdaten Senkungen der Leitzinsen sowohl in den USA als auch in der Euro-Zone. Auch eine zunehmende Zahl von Analysten prognostiziert eine Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed.

Von den am Mittwoch anstehenden Juli-Daten zum deutschen Arbeitsmarkt und den Juni-Zahlen zum Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe erwarten Analysten wenig Einfluss auf den Rentenmarkt. Das Hauptaugenmerk bleibe auf die Aktienmärkte gerichtet, sagte ein Händler.

Die börsennotierten öffentlichen Anleihen gaben im Kassa-Vergleich deutlich nach. 78 Papiere verloren bis zu 0,42 Prozentpunkte. Die Umlaufrendite stieg auf 4,41 (4,37) Prozent. Die Bundesbank verkaufte zum Marktausgleich Anleihen im Wert von 0,1 (Verkäufe am Montag: 36,7) Millionen Euro. Der Rex-Rentenindex sank um 0,16 Prozent auf 114,9385 Zähler.

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