Gewinnmitnahmen und ausgebliebene Zinssenkung sorgen für Verluste
Deutsche Aktien nach Höhenflug unter Druck

Nachdem sich die Hoffnungen auf eine schnelle Zinssenkung in der Eurozone erst einmal zerschlagen haben, fielen gestern die Kurse am deutschen Aktienmarkt. Die Anleger nahmen nach dem jüngsten Höhenflug Gewinne mit. Besonders hart traf es den Chemieriesen Bayer.

HB FRANKFURT/M. Die Börsianer hatten sich ja schon seit einigen Tagen immer wieder verwundert über die steigenden Aktienkurse die Augen gerieben. Nun war denn mit den Gewinnen auch erst einmal Schluss: Bereits vor dem Ende der Ratssitzung der Europäischen Notenbank rutschte der Deutsche Aktienindex (Dax) deutlich ins Minus. Als dann bekannt wurde, dass die Währungshüter die Leitzinsen wider Erwarten zunächst nicht senken würden, und die US-Auftragseingänge langlebiger Güter deutlich hinter den Schätzungen zurückblieben, färbte sich zwischenzeitlich der gesamte Kurszettel rot. Bis zum Handelsschluss sackte der Dax auf 4715,60 Punkte ab (-2,0 %).

"Eine Gegenbewegung war fällig", meinte Fidel Helmer von Hauck & Aufhäuser. Schließlich habe der Markt seit den Terroranschlägen im September in der Spitze 1300 Punkte gut gemacht. "In dem Tempo konnte es nicht weitergehen", gab Helmer zu bedenken. Auch andere Händler zeigten sich von der Kurskorrektur nicht überrascht und begründeten sie mit Gewinnmitnahmen und Absicherungsgeschäften. Die unveränderten Leitzinsen wurden hingegen nur als kurzfristige Belastung angesehen. Die Zinsphantasie bleibe schließlich grundsätzlich erhalten, hieß es. Zusammen mit der vorhandenen Liquidität der Publikumsfonds, dem niedrigen Ölpreis und den Inflationszahlen hält Helmer einen Dax bei 5000 Punkten in zwei Wochen für realistisch. Andere Marktteilnehmer sind da skeptischer. Die Dax-Delle nach den Terroranschlägen sei lediglich ausgebügelt worden, das konjunkturelle Umfeld aber habe sich nicht verbessert und rechtfertige daher keine höheren Kurse, lautet ihr Argument.

An der Spitze der Verlierer standen Bayer . Viel schwerer als die Preiszugeständnisse für das Milzbrandmedikament Ciprobay an die amerikanische Regierung wögen die Geschäftsaussichten, die der Konzern am Vortag einigen Analysten mitgeteilt habe, erklärte ein Händler. Danach breche das Ergebnis im Chemiesektor und dem Polymerbereich im dritten Quartal stärker ein als erwartet. Sein Haus habe daraufhin die Ergebnisschätzung für die Aktie noch einmal um 25 % nach unten korrigiert, fügte der Händler hinzu.

Die Hypo-Vereinsbank (-3,0 %) hatte Zahlen vorgelegt, die vom Markt mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurden. Börsianer werteten es als positiv, dass die Bank keinen Verlust auswies. Doch sei dies im Vorfeld der Zahlen bereits durchgesickert, woraufhin viele die Aktie gekauft hätten. Diese Investoren nähmen nun Gewinne mit.

In der zweiten Reihe stiegen Puma nach überraschend guten Geschäftszahlen und einer verbesserten Prognose für das Gesamtjahr um mehr als 16 %. Der MDax verlor 0,2 % auf 4196,38 Zähler. Die Regionalbörsen schlossen uneinheitlich.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%