Gewinnprognose drastisch reduziert – Analysten sehen gesamte Branche im Sog der flauen Konjunktur
Gewinnwarnung von BASF belastet Chemietitel

Mit einer Gewinnwarnung für das zweite Quartal hat BASF die Hoffnungen auf eine rasche Wiederbelebung der Chemiekonjunktur zunichte gemacht. Auch Bayer prüft jetzt die Prognosen.

bef/agr DÜSSELDORF. Die konjunkturelle Eintrübung macht vor der Chemie nicht halt. Gestern hat BASF, Europas größter Chemiekonzern, seine Gewinnprognose für das zweite Quartal 2001 deutlich zurückgenommen. In diesem Quartal sei keine Ergebnissteigerung zu erwarten, sagte Vorstandschef Jürgen Strube. Auch das mittelfristige Ertragsziel sei nur mit größten Anstrengungen zu erreichen. Noch Ende März hatte BASF ein deutliches Gewinnplus angekündigt.

Strube führte als Begründung für die Gewinnstagnation Probleme an, die nach Einschätzung von Analysten auch die meisten anderen Chemiekonzerne treffen: die anhaltend flaue US-Konjunktur, den Rückgang der Geschäfte in Europa und Asien sowie die Belastung durch den hohen Ölpreis. Deshalb interpretierten die Aktienmärkte die Warnung der BASF AG als Hiobsbotschaft für die gesamte europäische Chemie. Die BASF-Aktie verlor bis zum Abend rund 2 %, das Bayer-Papier sogar mehr als 4 %. Auch Celanese und andere europäische Chemiewerte wie Clariant (Schweiz) oder DSM und Akzo Nobel (beide Niederlande) standen unter Druck.

Analysten erwarten, dass noch weitere europäische Chemiefirmen ihre Prognosen für 2001 senken werden. Die Leverkusener Bayer AG hat für die nächsten Tage eine aktuelle Gewinnprognose angekündigt. Sie analysiert derzeit die Mai-Zahlen. Immerhin erzielt sie ein Drittel des Umsatzes in den USA. Schon seit der Hauptversammlung Anfang Mai ist bei Bayer nicht mehr von zweistelligen Wachstumsraten, sondern nur noch vom Übertreffen des operativen Rekordergebnisses 2000 die Rede. Die Chemiekonzerne Degussa und Henkel sehen keinen Anlass, ihre - ohnehin nicht sehr konkreten - Prognosen zu ändern.

"Von den konjunkturellen Problemen werden alle Konzerne der Branche betroffen sein", sagt Commerzbank-Analyst Michael Vara. Das Chemie-Wachstum sei zuletzt aus Europa und Asien gekommen. Nun zeigten sich diese Regionen im Sog der US-Konjunktur wesentlich schwächer als noch im Frühjahr erwartet. Bisher hatte die europäische Chemie auf eine Erholung im zweiten Halbjahr gesetzt. Nun gehen immer mehr Firmen und Analysten davon aus, dass ein Aufschwung frühestens im ersten Halbjahr 2002 einsetzt. Der Chemie-Verband VCI wird sich erst am 4. Juli zur Branchenlage äußern. Vieles spricht dafür, dass auch er seine Prognosen - plus 2 % Produktion, plus 5 % Umsatz - revidiert.

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