Gewinnrückgang bei US-Instituten schwächt sich ab
Trübe Aussichten für deutsche Banken

Das dritte Quartal wird für die deutschen Banken erwartungsgemäß ein Schwieriges. Analysten rechnen mit deutlich geringeren Gewinnen als noch Ende Juni. Bei den US-Banken hat sich der Gewinnrückgang in den Monaten Juli bis September allerdings verlangsamt. Die Personaleinschnitte werden erst Ende 2002 positive Effekte zeigen.

FRANKFURT/M. Die Hypo-Verenisbank legt am morgigen Donnerstag als erste der deutschen Großbanken ihre Neun-Monats-Zahlen vor. Am 1. November folgen die Deutsche Bank, Anfang November schließlich die Commerzbank. Die Aussichten sind nicht gut und die Erwartungen hängen tief. Das gilt nicht nur für die Hypo-Vereinsbank, für die Analysten sogar einen Verlust im vierten Quartal in Erwägung ziehen, sondern für die deutschen Großbanken im allgemeinen. Die Chefs der Deutschen Bank, der Commerzbank und auch der Hypo-Vereinsbank haben bereits angedeutet, dass vom dritten Quartal keine Wunder zu erwarten sind. Klaus-Peter Müller von der Commerzbank hat gar einen Verlust in Aussicht gestellt. Und auch das vierte Quartal dürfte kaum Besserung bringen. Eine Gewinnwarnung, wie aktuell von ABN Amro, ist trotz allen Gerüchten zum Trotz von der Deutschen Bank wohl nicht zu erwarten.

Einen leichten Hinweis für die Entwicklung der deutschen Häuser im dritten Quartal könnten auch die großen US-Institute liefern, die ihre Neun-Monats-Zahlen bereits vorgelegt haben. Hier zeigen sich geringere Ergebnisrückgänge als noch in den Monaten April bis Juni. Im Durchschnitt sanken die Gewinn von Merrill Lynch, Goldman Sachs und Morgan Stanley im dritten Quartal um rund 20 %. Ausreißer war JP Morgan Chase die einen Ergebnisanstieg um 19 % auswiesen. Bei Morgan Stanley sind allerdings die Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September nicht berücksichtigt, denn das Institut schließt die Bücher für diesen Zeitraum am 31. August. Im zweiten Quartal betrug der durchschnittliche Verlust der vier großen US-Banken knapp 37 %.

Für die Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank verlief das zweite Quartal noch schlimmer: Die Münchener verzeichneten einen Quartalsverlust von 73 %, die Frankfurter von 44 %. Der Branchenprimus, die Deutsche Bank, verbuchte dank Sonderfaktoren ein Gewinnplus im zweiten Quartal von 39 %.

Einem ernsthaften Vergleich mit den US-Instituten hält aber nur die Deutsche Bank statt, die den Amerikanern vom Geschäftmodell am nächsten kommt. Analysten von Sal. Oppenheim sehen im Vergleich zu Morgan Stanley und Lehmann Brothers vor allem auf der Kostenseite Nachholbedarf für die Deutsche Bank. Bei den Amerikaner trägt vor allem der stärkere Einsatz von Aktienoption bei der Entlohnung zur Entspannung der Kostensituation bei. Enttäuschende Zahlen der Deutschen Bank am 1. November erwartet Sal. Oppenheim nicht. Dafür seien die Erwartungen bereits zu konservativ.

Drastischer Gewinnrückgang erwartet

Doch ist von einem drastischen Gewinnrückgang auszugehen. Merck Finck & Co. erwarten für den Branchenprimus einen Gewinn nach Steuern von 240 Mill. Euro im dritten Quartal. Im von Beteiligungsverkäufen geschönt zweiten Quartal standen noch 1,4 Mrd. Euro zu Buche.

Positive Überraschungen könnten im Rentenhandel stecken. Dies erwarten zumindest Analysten von Goldman Sachs. Bis zum Ende des Jahres würden weitere Zinsenkungen die Anleihemärkte beleben, wovon vor allem die Deutsche Bank und BNP profitieren würden, heißt es. Bereits in den ersten beiden Quartalen hat die Deutsche Bank ihre starke Position im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren genutzt.

Für die Hypo-Vereinsbank rechnen Analysten mit einem Gewinneinbruch um rund 60 %, was einem Gewinn nach Steuern von rund 52 Mill. Euro entsprechen würde. Es wird mit einem kräftihen Anstieg der Risikovorsorge gerechnet.

Auch der bereits angekündigten Stellenabbau zur Einsparung von Kosten wird die Ergebnisse in den kommenden Quartalen nur bedingt positiv beeinflussen. Zunächst wird es durch Abfindungszahlungen und andere Aufwendungen für die Mitarbeiter zu einer Belastung der Ertragslage kommen. Positive Auswirkungen werden nach Ansicht von Experten erst in rund einem Jahr zu spüren sein. Bei der Hypo-Vereinsbank werden weitere Stellenstreichungen erwartet, und auch Deustche-Bank-Chef Rolf- E. Breuer schließt dies nciht mehr aus. Bislang haben die Münchener rund 7 000 Stellen gestrichen, die Commerzbank inklusive freien Planstellen durch den Einstellungsstop 5 100 und die Deutsche Bank 2 600.

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