Gewinnrückgang im ersten Halbjahr
Deutsche Bank ist wieder an der Commerzbank interessiert

Die Deutsche Bank AG schließt nach den Worten ihres Vorstandssprechers Rolf Breuer die Wiederaufnahme der Gespräche mit der Commerzbank über eine Fusion der beiden Häuser oder eine Zusammenlegung von Teilbereichen nicht aus.

rtr/dpa/ap FRANKFURT. Das Zusammengehen von Allianz und Dresdner Bank habe die Bankenlandschaften in Deutschland verändert, sagte Breuer am Mittwoch bei der Präsentation der Halbjahres-Bilanz in Frankfurt. Dies könne dazu führen, dass alte Gespräche unter neuer Überschrift wieder aufgenommen werden könnten. "Ich schließe die Commerzbank dabei nicht aus", sagte Breuer. Es müsste nicht unbedingt von einer Vollfusion ausgegangen werden, doch könne er sich eine Partnerschaft in Teilbereichen vorstellen, die bis zu einer Fusion dieser einzelnen Bereiche gehen könnte.

Die Commerzbank-Aktie hat nach der Äußerung Breuers mehr als 3 % zugelegt. Die Commerzbank selbst wollte Breuers Vorstoß nicht kommentieren. "Die Äußerungen von Herrn Breuer bleiben so stehen. Darüber hinaus kommentieren wir nichts", sagte Commerzbank-Sprecher Peter Pietsch.

Anteil an der Münchener Rück reduzieren

Zudem kündigte Breuer an, dass die Deutsche Bank ihren Anteil an Münchener Rück auf unter fünf Prozent reduzieren will. Dies sei Teil der Strategie der Bank, sagte Breuer. Die Deutsche Bank habe auch den Anteil an der Allianz bereits deutlich reduziert, dies sei mit den Anteilen der Münchener Rück ebenso möglich. Der Verkauf von 2,2 % an der Münchener Rück hatte der Deutschen Bank im zweiten Quartal 2001 einen zusätzlichen Ertrag von über einer Milliarde Euro eingebracht. Derzeit hält die Deutsche Bank noch 7,5 % an der Münchener Rück.

In diesem Jahr könnte die Deutsche Bank laut Breuer weniger verdienen als im vergangenen Jahr. "Ich erwarte nicht viel vom dritten Quartal, im vierten Quartal wird viel davon abhängen, wie sich das Kapitalmarktgeschäft entwickelt. Wenn sich der Markt im vierten Quartal nicht belebt, werden wir das Vorjahresergebnis verfehlen", sagte er. Unter anderem verwies Breuer darauf, dass der August der traditionelle Ferienmonat sei, der das Geschäft trübe. Die dritten Quartale liefen für Banken traditionsgemäß nicht gut.

Es gebe noch Pläne für viele Börsengänge, die nur verschoben worden seien. "Wenn sich der Markt nur ein bisschen dreht, wird es eine Menge Geschäft geben", stellte Breuer in Aussicht. Die Ergebnisprognose der Bank könne außerdem nicht von der Wirtschaftslage getrennt werden, die sich auch in Europa in den vergangenen Monaten verschlechtert habe. "Ich sehe keinen Wirtschaftsaufschwung im dritten Quartal, eher am Ende des vierten Quartals oder zu Beginn von 2002", sagte er.

Möglicherweise Stellenabbau bei der Deutschen Bank

Breuer sagte außerdem, dass Verlust bringende Wertpapierberatungsgeschäft der US-Bank-Tochter DB Alex Brown werde womöglich verkauft. Auf die Frage nach einem Stellenabbau in diesem Geschäftsbereich sagte er, die Sparte ringe noch immer um das passende Geschäftsmodell. Auch im Privatkundemngeschäft der Deutschen Bank selbst schließt Breuer einen Stellenabbau nicht aus. Auf die Frage nach Stellenstreichungen wollte Breuer vor der Presse zunächst keinen Kommentar abgeben, sagte dann aber: "Die Umstrukturierungen werden möglicherweise einen Stellenabbau mit sich bringen."

Gewinnrückgang im ersten Halbjahr

Im ersten Halbjahr hat die Deutsche Bank einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnet. Das Institut erzielte einen Gewinn nach Steuern von 2,451 Mrd. ? (4,779 Mrd. DM), im ersten Halbjahr 2000 waren es noch 3,777 Mrd. ?. Der Vorsteuergewinn verringerte sich von 4,885 Mrd. auf 3,086 Mrd. ?. Deutlich erhöhen musste das Institut die Risikovorsorge, die um 197,9 % auf 429 Mill. ? kletterte.

Der Provisionsüberschuss, der vor allem bei Börsengeschäften anfällt, ging um 7,6 % auf 5,530 Mrd. ? zurück. Der Zinsüberschuss stieg dagegen um 7,7 % auf 3,376 Mrd. ?. Das Handelsergebnis verbesserte sich um 17,9 % auf 4,532 Mrd. ?.

Das Ergebnis des zweiten Quartals 2001 sei zum einen geprägt durch den Verkauf von 2,2 % der Aktien an der Münchener Rück, der über eine Milliarde Euro in die Kassen der Deutschen Bank fließen ließ, teilte das Institut mit. Zugleich wurde das Ergebnis aber belastet von Marktwertanpassungen und Wertberichtigungen unter anderem im Bereich Immobilien in Höhe von 0,7 Mrd. ?.

Unterdessen berichtete die "Welt" die Deutsche Bank wolle ihre Unternehmensberatung DB Consulting Group schließen. Davon seien weltweit rund 450 Mitarbeiter betroffen. Allerdings würden weiterhin rund 100 Beschäftigte in Deutschland bankintern als Berater arbeiten, zitierte das Blatt einen Sprecher.

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