Gewinnwarnung drückt Kurse der Technologiebranche
IT-Berater Cap Gemini streicht weltweit 2 700 Arbeitsplätze

Die Krise der Technologiebranche hat jetzt offenbar auch die Berater für Informationstechnologie (IT) erreicht. Das System- und Beratungshaus Cap Gemini Ernst & Young S.A. hat seine Umsatz- und Ertragsaussichten für das laufende Jahr drastisch zurückgenommen und die Entlassung von 2 700 der derzeit etwa 60 000 Beschäftigten angekündigt. Das Pariser Unternehmen schätzt den Umsatz im Geschäftsjahr 2001 nur noch auf 9 Mrd. Euro - zu Jahresbeginn hatte sich die Gruppe 9,6 Mrd. Euro vorgenommen.

PARIS. "Wir nehmen unsere Zielsetzungen normalerweise sehr ernst", kommentierte Vorstandsmitglied Pierre Hessler, "aber in den letzten vier bis fünf Wochen sind einige Dinge passiert, die wird nicht ignorieren konnten." Große Kunden hätten eine Anzahl wichtiger Projekte verschoben, einige gar ganz abgesagt, teilte Cap Gemini mit.

Schmerzlicher noch als die Honorarflaute ist für das Unternehmen, dass seit der Übernahme der Beratersparte des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young LLP die Ertragskraft von Cap Gemini stark nachgelassen hat. Der Firmenteil sollte die Präsenz von Cap Gemini in den USA verstärken.

Nun wirkt sich allerdings auch die schwache Konjunktur in den USA stark auf den französischen IT-Berater aus. Die operative Marge betrug im ersten Halbjahr 6 %; für den Rest des Jahres veranschlagt Cap Gemini einen Wert von bis zu 9 %, "wenn es nicht mehr zu einer bedeutenden Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfeldes kommt." Bisher erwartete das Unternehmen für das Gesamtjahr 10 % operative Marge. Dieses Ziel ist nach Einschätzung von Branchenbeobachtern kaum noch zu erreichen.

Angesichts dieser Enttäuschung ging der Kurs der Aktie an der Pariser Börse gestern auf Talfahrt. Das Papier verlor zeitweise mehr als ein Fünftel seines Wertes und zog andere Werte der Branche mit sich. Auch Deutschlands führender Softwarehersteller SAP geriet ins Trudeln. Mehrere Analysten revidierten ihre Empfehlungen für Cap Gemini. "Wir haben das erwartet, aber nicht in dem Umfang", äußerte ein Analyst des Pariser Brokers ETC, der nun ausdrücklich zum Verkauf der Aktie rät.

Vom Auftragsrückgang sind laut Cap Gemini besonders die Beratung von Finanzdienstleistern in den USA und den Beneluxländern, des High-Tech-Sektors in Amerika und Skandinavien sowie des produzierenden Gewerbes in den Vereinigten Staaten betroffen. Zudem habe die Krise in der Telekommunikation die Einnahmen der Gruppe in vielen Ländern geschmälert.

Hessler sieht dennoch den Erwerb der technologielastigen Beratersparte von Ernst & Young nicht als Fehler an. "Die Veränderungen der Wirtschaft durch die New Economy werden kommen", meint er. "Und dann sind wir sehr gut positioniert." Allerdings rechne er persönlich in diesem Jahr nicht mehr mit einem Aufschwung jener Sektoren der Wirtschaft, in denen seine Gruppe besonders stark ist.

Ein Viertel der Erlösminderung um 600 Mill. Euro geht aber auch auf die Dekonsolidierung des Joint Ventures Synergis mit dem deutschen Energiekonzern Veba AG zurück. Nach der Fusion der Veba mit Viag zur Eon AG sei der Anteil von Cap Gemini an Synergis auf 25 % gesunken. "Aber wir haben in Deutschland weiterhin solide zweistellige Wachstumsraten und sind auf der Suche nach Zukäufen, die zu uns passen", sagt Hessler.

Für die Gruppe kündigte Cap Gemini "Maßnahmen zum Schutz unserer Ertragskraft" an, unter anderem eine allgemeine Straffung der Strukturen. Das Management will gut 5 % der Belegschaft entlassen, vor allem in den USA, England, in Skandinavien sowie in den Teams, die Telefonkonzerne beraten. Für die damit verbundenen Aufwendungen bildet Cap Gemini schon im ersten Halbjahr 85 Mill. Euro Rückstellungen. Rund 30 Mill. Euro davon sind vom Erlös aus Spartenverkäufen gedeckt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%