Gewinnwarnung ist Alarmsignal für die Branche
Lufthansa erklärt den Krisenfall

Krieg, Konjunkturnöte und die Lungenkrankheit SARS verderben den Fluggesellschaften das Geschäft. Mit einer Gewinnwarnung am späten Dienstagabend verschreckte die Deutsche Lufthansa AG die Analysten und schickte den Dax am Mittwoch zunächst auf Talfahrt. Einschätzungen von Bankern, die für das erste Quartal mit einem Verlust von 300 bis 350 Mill. Euro rechnen, kommentierte der Konzern nicht.

DÜSSELDORF. Aus Unternehmenskreisen erfuhr das Handelsblatt aber, dass "die Größenordnung schon stimmt". Nach Brancheneinschätzungen ist die Warnung der Lufthansa ein Alarmsignal. "Wenn Lufthansa leidet, dann geht es den anderen erst recht schlecht", sagte der Generalsekretär des Verbandes der europäischen Fluggesellschaften AEA, Ulrich Schulte- Strathaus. Noch düsterer sieht die Lage nach Angaben des internationalen Verbands Iata in Asien aus.

Die Lufthansa hatte auch am Mittwoch keine guten Botschaften mitzuteilen: Die Auslastung der Maschinen ist im März gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres nach Unternehmensangaben um 5,4 Prozentpunkte auf 70,9 % zurückgegangen. Zwar gab es 3,3 % mehr Passagiere als im März 2002, doch damals steckten die Airlines nach den Attentaten des 11. September 2001 ohnehin im Tief. In der Hoffnung auf Normalisierung hatte Lufthansa im Winter das Angebot aufgestockt. Nun werde es im Sommerflugplan, der seit dem 30. März gilt, wieder reduziert. Man habe 55 Maschinen aus dem Verkehr gezogen.

Mit Einschränkungen müssen die Mitarbeiter der Gesellschaft rechnen. Der Vorstand will gemeinsam mit den Betriebsräten den "Krisenfall" feststellen. Vom 15. April an sollen alle Mitarbeiter der Lufthansa-Passage im Flughafen-Dienst wöchentlich eineinhalb Stunden weniger arbeiten - bei entsprechend niedrigerem Gehalt. Betroffen seien davon auch die Stabsfunktionen in der Konzernzentrale. Diese "Flexibilisierungsregel" sei in der letzten Tarifrunde vereinbart worden, heißt es in einer Mitteilung.

Für das von dieser Regel nicht betroffene Kabinenpersonal will Lufthansa beim Arbeitsamt Kurzarbeit beantragen. Mit den Piloten sollten "umgehend Verhandlungen zur Bewältigung der Krise aufgenommen werden". Der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit (VC), Georg Fongern, äußerte sich zurückhaltend. Er will mit dem Unternehmen über Teilzeitarbeit der Piloten diskutieren, sich aber nur auf befristete Maßnahmen einlassen. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer sagte, man wolle die Sparziele zumindest im ersten Schritt ohne betriebsbedingte Kündigungen erreichen.

Überraschung und Enttäuschung hat die Gewinnwarnung der Lufthansa bei den Analysten ausgelöst. Uwe Weinreich von der Hypo-Vereinsbank hatte mit einem operativen Verlust im ersten Quartal 2003 von maximal 120 Mill. Euro gerechnet. Er führt die höheren Verluste auf das schlecht laufende Europa-Geschäft zurück. Neben der schwachen Konjunktur machten der Lufthansa im Kontinentalverkehr zunehmend die Billigflieger zu schaffen, bestätigte die Sprecherin. Ein Maßnahmenpaket "Kont 30" solle die Profitabilität erhöhen und Stückkosten senken. Wirkungen erhofft sich Analyst Weinreich frühestens 2004.

Auch Nils Machemehl von M.M. Warburg erwartet noch ein zweites schlechtes Quartal für die deutsche Airline. Hans Huff von der Bankgesellschaft Berlin zeigte sich ebenfalls überrascht von der Höhe der Verluste, wollte aber - im Gegensatz zu anderen Banken - das Kursziel "um die 11 Euro" nicht revidieren. "Wir erwarten auch bei anderen großen Airlines hohe Verluste im ersten Quartal", sagte er.

Bereits in den vergangenen Wochen hatten Air France und British Airways - neben Lufthansa die europäischen Top-Airlines - massive Sparmaßnahmen angekündigt. Bei der französischen Gesellschaft, zu 54 % in Staatseigentum, soll die für Mitte 2003 geplante Privatisierung wegen der instabilen Lage verschoben werden, sagte der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Dominique Busserau.

Krisenstimmung auch bei der niederländischen KLM, der Alitalia und der Schweizer Swiss. "Wir stecken in der schlimmsten Krise unserer Geschichte", sagte AEA-Funktionär Schulte-Strathaus. Gleichwohl bestehe bei allen europäischen Gesellschaften Einigkeit, keine allgemeinen Beihilfen von der EU zu fordern - anders als in den USA. Dort seien die Fluggesellschaften so angeschlagen, dass sie den Staat brauchten.

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