Gewinnwarnung nach dem Abbruch der Fusionsgespräche mit Lucent
Alcatel verliert Milliarden

Nach dem Abbruch der Fusionsgespräche mit dem amerikanischen Konkurrenten Lucent hat der französische Telekomtechnikkonzern Alcatel vor sinkenden Gewinnen gewarnt.

abo/gil/hus PARIS/NEW YORK. Für den Zeitraum April bis Juni dieses Jahres werde Alcatel im Telekom-Bereich einen Quartalsverlust von rund 3 Mrd. Euro hinnehmen müssen, teilte der Konzern gestern mit. Dazu kündigte der Konzern massive Rationalisierungen an. Der Quartalsfehlbetrag wird jedoch womöglich noch durch Buchgewinne aus dem Verkauf von Randaktivitäten aufgebessert.

Den erwarteten hohen Verlust begründete Alcatel-Vorstandschef Serge Tchuruk mit Umstrukturierungen als Folge der Aufgabe der eigenen Handyfertigung. Trotz der schlechten Zahlen unterstrich der Alcatel-Chef seine Einschätzung, sein Unternehmen sei besser als die amerikanischen Konkurrenten in der Lage, mit dem gegenwärtigen Abschwung im Netztechnik-Geschäft fertig zu werden.



Die Gespräche über eine Fusion zwischen Alcatel und Lucent waren überraschend am späten Dienstagabend abgebrochen worden. Durch eine Fusion wäre der weltweit größte Telekomausrüster entstanden.



Analysten vermuteten am Mittwoch, dass nun Lucent in Einzelteile zerlegt und verkauft werden könnte. Selbst Alcatel, deren Aktien gestern deutlich nachgaben, könne Opfer einer Übernahme werden, vermuteten Analysten in Paris. Antonin Baudry vom Pariser Wertpapierhaus ETC hält den Abbruch der Gespräche mit Lucent zwar für eine gute Nachricht. Doch stufte er Alcatel von "halten" auf "reduzieren" zurück.



Die Fusionsverhandlungen waren offensichtlich an unterschiedlichen Auffassungen über die Führung des gemeinsamen Unternehmens gescheitert. Alcatel hätten 58 % und Lucent 42 % der Anteile gehört, doch wollte Lucent offensichtlich keine Dominanz der Franzosen im Vorstand akzeptieren.



Die Gespräche über einen Verkauf der profitablen Glasfasersparte von Lucent an Alcatel laufen Alcatel zufolge hingegen weiter. Alcatel-Chef Tchuruk betonte nach dem abrupten Ende der Fusionsverhandlungen, der Konzern sei nicht auf einen Zusammenschluss angewiesen. Es gehe nicht darum, die Präsenz in den USA um jeden Preis zu erhöhen.



Die Lucent-Aktie hatte nach Bekanntwerden des Gesprächsabbruchs im Börsenhandel kräftig zugelegt. Offenbar spielt hier eine Rolle, dass das Unternehmen jetzt amerikanisch bleibt. Institutionelle Anleger, die US-Aktienindizes nachbilden, müssen die Aktie nun doch nicht aus ihrem Portfolio abstoßen.



Dagegen brachen die Kurse der festverzinslichen Lucent-Anleihen ein. Mit dem Zusammenschluss hätte sich auch die Qualität der Lucent-Papiere verbessert. "Das hier ist eine große Enttäuschung", sagte Fondsmanager Mike Dineen von der Money Life Insurance Co. gegenüber Bloomberg.

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