Gewinnwarnung überschattet Hauptversammlung – Scharfe Kritik an Pilotenvereinigung
Aktionäre stützen Kurs der Lufthansa

Die Lufthansa beschleunigt die Prüfung ihrer Konzernstrukturen. Auch die Rentabilität einzelner Verbindungen wird nun hinterfragt. Die Börse ließ sich davon nicht beeindrucken, der Aktienkurs sackte weiter ab.

hz KÖLN. Lufthansa-Chef Jürgen Weber stemmt sich gegen den wachsenden Kostendruck auf die Fluggesellschaft. Eine Woche nach der drastischen Gewinnwarnung der Airline kündigte Weber auf der Hauptversammlung als erste Konsequenz an, alle Konzernteile auf Effizienzsteigerungen hin zu überprüfen. Dies sei Ziel des Konzernprogramms D-Check: "Wir werden einige Projekte des Programms beschleunigt anpacken", sagte Weber. Ebenso werde die Rentabilität einzelner Flugverbindungen unter die Lupe genommen. Das Programm soll das Ergebnis steigern und in den nächsten drei Jahren einen zusätzlichen Cash-flow von 1 Mrd. Euro liefern.

Der Konzernchef versicherte, es würden Maßnahmen und Strategien entwickelt, um die Wettbewerbsfähigkeit und Ertragskraft der Lufthansa trotz des nunmehr deutlich steigenden Kostendrucks weiter zu stärken. Details nannte er jedoch nicht. Die nach der Gewinnwarnung stark unter Druck geratene Aktie gab gestern weiter nach.



Generelle Aktionärsschelte blieb auf der Hauptversammlung jedoch aus. Die zweitgrößte Fluggesellschaft Europas musste jüngst ihre Gewinnprognose unter anderem mit Verweis auf den hohen Abschluss der Piloten und der nachlassenden Weltwirtschaft drastisch um 25 bis 30 % auf 700 bis 750 Mill. Euro reduzieren. Die Mehrheit der versammelten Anleger stellte sich auf die Seite der Konzernspitze und kritisierte das Verhalten der Piloten teilweise in scharfen Worten. Ulrich Hocker von der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz warf dem Cockpit-Personal "Erpressung" vor.



Auch der Lufthansa-Vorstandschef ging mit den Piloten hart ins Gericht. "Mir hat die Unerbittlichkeit, mit der hier ohne Rücksicht auf andere Beschäftigtengruppen agiert wurde, sehr zu denken gegeben. Ich sehe die stabilisierende Kraft der Tarifautonomie in höchstem Maße gefährdet, sollte die egozentrische Durchsetzung partikularer Interessen mit solchen Mitteln Schule machen."



Die Piloten hatten mehrfach tagelang die Arbeit niedergelegt und damit den Flugverkehr der Airline weit gehend lahm gelegt. Daraufhin hatten sich Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) in zähen Schlichtungs-Verhandlungen geeinigt. Der Kompromiss sieht Einkommenserhöhungen für das Cockpit-Personal von rund 28% im laufenden Jahr vor.



Weber wandte sich allerdings gegen den Eindruck, der Konzern sei dadurch in eine ernsthafte Krise gerutscht. "Der Vorstand will die Kontinuität des Erfolgs", sagte der Konzernchef. Eine Gewinnwarnung auszusprechen, sei ein unerfreulicher Schritt, sagte Weber. Jedoch habe der Konzern mit der reduzierten Einschätzung "nicht tief" gestapelt. Vielmehr habe er eine "realistische Prognose" des weiteren Geschäftsverlaufs abgegeben. Das Unternehmen sei richtig positioniert, "wirtschaftlich gesund" und nehme nach wie vor eine internationale Spitzenstellung ein.



Kritik übte Weber auch an der Deutschen Flugsicherung. Seit der Umstellung auf eine neue Luftraumstruktur Mitte April sorge die Flugsicherung für die größten Verspätungen in Europa. Die Airline koste dies derzeit täglich eine halbe Million Euro.

Lufthansa

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