Gewinnwarnung von National Semiconducter
Trüber Handelsstart an der Wall Street erwartet

Ciscos enttäuschende Quartalszahlen dürften zur Wochenmitte die Märkte belasten. Vor allem Werte des Glasfasersektors notierten vorbörslich schwächer. Eine Gewinnwarnung bei National Semiconductor setzt den Chipsektor unter Druck. Die Futures deuten auf einen leichten Handelsstart. Während der S&P 500 Future rund zehn Punkte im Minus liegt, verliert der Eröffnungsindikator der Nasdaq fast 50 Punkte.

HB NEW YORK. Die Hoffnung auf eine Senkung der Leitzinsen auf der nächsten Notenbanksitzung am kommenden Dienstag kann die Stimmung der Marktteilnehmer am Morgen nicht heben. Nach der hohen Arbeitslosenquote, steigender Arbeitsstückkosten und sinkender Produktivitätsdaten hält eine Vielzahl von Experten einen Zinsschritt für angemessen und wahrscheinlich. Bereits durch vier Zinssenkungen in diesem Jahr versuchte Notenbankchef Alan Greenspan die drohende Rezession abzuwenden. Nachdem er durch aggressive Zinserhöhungen im vergangen Jahr eine Überhitzung der US-Wirtschaft und die drohende Inflation abwenden konnte. Das Ergebnis ist sichtbar. Neben der Zahl der Arbeitslosen stieg auch die Höhe der Lagerbestände, der Aktienmarkt musste Einbrüche hinnehmen. Nun könnten die Zinsen erneut um 50 Basispunkte auf mittlerweile 4 % reduzieren werden.

Cisco, der weltgrößte Netzwerkausrüster, konnte die Analystenerwartungen im dritten Quartal zwar mit einem Gewinn von drei Cents pro Aktie um einen Cent schlagen. Doch ist das Ergebnis überaus enttäuschend. Erstmals seit dem Börsengang im Jahr 1999 muss der Netzwerkkonzern einen Umsatzrückgang hinnehmen. Unternehmenschef John Chambers hält an den Prognosen für das vierte Quartal fest. Der Umsatz werde im laufenden Quartal auf Vorquartalsniveau liegen oder bis zu 10 % nachlassen. Artverwandte Werte wie Glasfaserkomponenten-Hersteller Ciena, Telefonzubehörhersteller Lucent oder auch Konkurrent Juniper Netzworks notieren vor Handelsstart schwächer.

Chipsektor unter Druck

Eine Gewinnwarnung von National Semiconducter könnte heute den Chipsektor unter Druck setzten. Der Chiphersteller, der hauptsächlich Halbleiter für Mobiltelefone produziert, wird im vierten Quartal statt des prognostizierten Gewinns von vier Cent einen Verlust von vier Cents pro Aktie ausweisen. Der Umsatz wird statt 431 Mill. $ höchstens 400 Mill. $ betragen. Um sinkenden Gewinnen entgegen zu wirken, will National Arbeitskosten reduzieren. Das Unternehmen wird 1 100 Arbeitsplätze streichen. Texas Instruments, Motorola und Intel büßen vorbörslich ebenfalls an Wert ein.

Auch der Softwaresektor wird am Morgen nicht für den nötigen Ausgleich sorgen. Microsoft wird die neue Windows XP Version offiziell erst Ende Oktober in den Handel bringen. Spekulationen waren in den vergangenen Wochen laut geworden, nach denen der Softwaregigant die Markteinführung des neuen Betriebssystems von August auf Oktober verschieben könnte. Die neueste Version gilt als größter Update seit der Veröffentlichung von Windows 95 im August 1995. Microsoft plant, Windows XP mit der bislang größten Werbekampagne einzuführen. Ärgerlich ist jedoch, dass Microsoft durch die verspätete Markteinführung die umsatzstarken "back-to school-sales" verpassen wird. Traditionell sind die Umsätze im August für Büro- und Computerartikel nach dem Ende der Schulferien besonders hoch.

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