Gewinnwarnungen belasten Kurse
Neuer Markt im Tiefenrausch

Der Kahlschlag bei den Technologie-Aktien geht weiter. Kurz vor Wochenende beschleunigte sich der Kurssturz am Neuen Markt. Gewinnwarnungen und regelrechte Angst unter den Anlegern trieben die Technologie-Indizies auf neue Tiefstände.

bue DÜSSELDORF. Der Nemax50 brach um knapp sieben Prozent ein und stürzte auf ein Rekordtief von 1188 Stellen und damit erstmals unter die Marke von 1200 Punkten. Der alle Werte umfassende Nemax-All-Share-Index fiel unter die Marke von 1300 Punkten auf ein Jahrestief von 1295 Zählern.

"Es ist einer absolutes Trauerspiel", sagte ein Händler. "Es gibt nur noch Verkäufer, das macht keinen Spaß mehr." Verschiedene Marktteilnehmer verwiesen angesichts massiver Verkäufe von institutionellen Anlegern auf möglicherweise weiter fallende Kurse in den kommenden Wochen. "Auch die 1000-Punkte-Marke könnte demnächst fallen", hieß es.

Nemax-50 - Intraday-Chart

Nach der Gewinnwarnung des britischen Elektronikkonzerns Marconi hatten am Donnerstag der Datenspeicherspezialist EMC und der Chiphersteller AMD ihre Ertragsprognosen revidiert. Grund genug für die Anleger, noch mehr Aktien aus dem gebeutelten Sektor abzustoßen.

"Dabei gehen sie zunehmend undifferenziert vor", kritisierte ein Frankfurter Händler am Freitag. Emsig verkauft werden nämlich auch Aktien, die sich allenfalls im Dunstkreis der Unternehmen mit den Hiobsbotschaften bewegen.

Seit Wochenbeginn hat der All-Share-Index knapp 14 % und der Nemax 50 rund 18 Prozent verloren. Händler sagten, unter anderem habe die Gewinnwarnung des US-Chipherstellers Advanced Micro Devices (AMD) auf die Stimmung am Markt gedrückt. Am Donnerstagabend hatte AMD mitgeteilt, im zweiten Quartal 2001 auf Grund des Preisdrucks auf dem PC-Markt nur noch mit einem Gewinn je Aktie von drei bis fünf Cent zu rechnen. Marktteilnehmer hatten zuletzt im Schnitt 27 Cent pro Aktie erwartet. An der Wall Street verloren die AMD-Titel knapp 20 Prozent ihres Wertes.

Am Neuen Markt fielen daraufhin die Chip-Werte wie Aixtron und ACG. Der Halbleiter-Hersteller Aixtron büßte drei Prozent auf 22,26 Euro ein. Der Chip-Broker ACG verlor sogar mehr als elf Prozent auf 11,30 Euro. Unter Abgabedruck standen ferner der Chip-Händler CE Consumer (minus 11,33 Prozent) sowie die Halbleiter-Hersteller Dialog Semiconductor (minus 7,38 Prozent) und Elmos Semiconductor (minus 3,16 Prozent).

Auch die Gewinnwarnung des Anlagenbauers Steag Hamatech habe zum Kursverfall am Markt beigetragen, sagte ein Börsianer. Die Steag-Aktie verlor bis zum Nachmittag über 17 Prozent auf 8,45 Euro. Zeitweise fielen die Papiere auf ein Jahrestief von 7,50 Euro. Das Unternehmen hatte am Morgen mitgeteilt, wegen der schwachen Branchensituation und des damit verbundenen Preisdrucks nicht mehr mit einem Gewinn im Gesamtjahr zu rechnen. Für das erste Halbjahr erwartet Steag nach vorläufigen Zahlen einen Verlust von 18 (Vorjahreszeitraum plus 11,9) Millionen Euro.

Als einziger Wert im Nemax50 verteuerten sich am Freitag die Titel des Steag-Konkurrenten Singulus. Sie legten 1,52 Prozent auf 23,35 Euro zu. Singulus-Vorstandsmitglied Reiner Seiler hatte der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, Singulus halte an seinen bisherigen Gewinnprognosen fest.

Insgesamt verloren im Nemax50 49 Aktien an Wert. Dabei markierten 21 Werte neue Jahrestiefstände. Am breiten Markt stürzten 282 von 329 gehandelten Titel ab. 99 Papiere fielen dabei auf den niedrigsten Stand des laufenden Jahres. Gegen den Markttrend stemmte sich unter anderem die Aktie der Curasan AG, die sich um 31,37 Prozent auf 9,59 Euro erhöhte. Der Antieg steht Händlern zufolge im Zusammenhang mit einer Meldung vom Vortag. Am Donnerstag hatte die Gesellschaft bekannt gegeben, das Knochenaufbaumaterial CERASORB sei ab sofort europaweit für die Anwendung im gesamten Skelett zertifiziert.

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