Gewinnwarnungen der Unternehmen häufen sich
Die Landung der US-Konjunktur wird härter als erwartet

In den USA jagt eine Gewinnwarnung die nächste. Die von Notenbank-Chef Alan Greenspan beabsichtigte sanfte Landung der US-Konjunktur könnte zu einer Bruchlandung werden: Statt langsam zu normalen Wachstumswerten zurückzukehren, zeichnet sich in der amerikanischen Wirtschaft in diesem Quartal eine abrupte Wende ab. Einige Marktbeobachter sprechen bereits vom freien Fall.

Die zu erwartenden schwachen Quartalsergebnisse sind auch das Ergebnis der Zinserhöhungen vom Anfang des Jahres, die neun bis zwölf Monate brauchen, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Was Greenspan damals nicht absehen konnte: Die Energiepreise haben sich innerhalb eines Jahres verdreifacht. Zudem stieg der Dollar stärker als erwartet und macht dem amerikanischen Export zu schaffen. Kein Wunder, dass unter diesen Umständen auch das Vertrauen der Verbraucher in Wirtschaft und Märkte sinkt. Erstaunt müssen Einzelhändler und Computerunternehmen feststellen, dass trotz Weihnachtszeit die Käufer fernbleiben.

Niemand scheint damit gerechnet zu haben, dass sich die Konjunktur so schnell abkühlen könnte. Im September hatten die Analysten der Wall Street zwar ihre Erwartungen - vor allem für die Technologiewerte - nach unten korrigiert. Doch ihre Schätzungen waren immer noch zu optimistisch; die Talfahrt ging weiter. Und sie macht auch nicht vor Werten der so genannten Alten Wirtschaft halt.

Keine guten Aussichten für die Börse

Während die meisten Marktteilnehmer weiterhin an Greenspans Theorie der sanften Landung festhalten, sehen andere bereits einen länger anhaltenden Abschwung voraus. Das Argument: Seit 1971 gab es keine Phase mit rückläufigem Ergebniswachstum, die nach weniger als sechs Quartalen vorbei war. Das würde bedeuten, den US-Unternehmen stehen noch mindestens vier Quartale mit schwächeren Ergebnissen bevor - keine guten Aussichten für die Börse. Mit einer Rally an der Wall Street zum Ende des Jahres rechnet ohnehin niemand mehr.

Das erste Quartal im kommenden Jahr wird sehr wahrscheinlich weitere Enttäuschungen bei den Ergebnissen bringen. Darüber sind sich die Experten einig. Doch eine Rezession ist unwahrscheinlich. Auch wenn die Gewinne nicht mehr so schnell wachsen wie zuvor: Sie sinken von einem hohen Niveau.

Zudem es gibt Anzeichen, dass sich die Lage in der zweiten Jahreshälfte verbessern könnte. Eine Verdreifachung der Energiepreise wird sich kaum wiederholen, und Alan Greenspan hat eine Zinssenkung bereits in Aussicht gestellt - Analysten erwarten sie bereits für Anfang nächsten Jahres. Das könnte der Wirtschaft wieder Auftrieb geben.

Und vielleicht wird auch der neue Präsident das Vertrauen der Amerikaner in ihre Wirtschaft stärken. Die Tatsache, dass nach dem Wahlkrimi jetzt zumindest der Präsident feststeht, ist zumindest ein Anfang.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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