Gewinnwarnungen trüben Aussichten – Weitere negative Meldungen für diese Woche erwartet – Zinssenkung keine Soforthilfe
An der Wall Street schwindet die Hoffnung

Für diese Woche befürchten Marktstrategen in den USA weitere negative Unternehmensmeldungen. Die High-Tech-Konzerne 3Com und Palm legen morgen ihre Quartalszahlen vor. Die Hoffnung auf eine rasche Erholung der US-Wirtschaft hat sich inzwischen zerschlagen.

NEW YORK. "Wer Aktien kaufen will, kann sich im augenblicklichen Umfeld Zeit lassen. Es besteht kein Grund zur Eile", sagt Marktstratege Tom van Leuven von der US-Bank JP Morgan Chase. Der Grund: "Die Gewinnsituation der Unternehmen wird sich wohl erst im Jahr 2002 grundlegend bessern", meint van Leuven.

Was die Strategen von JP Morgan Chase sagen, hat an der Wall Street Gewicht. Denn die Research-Gruppe lag mit ihren Prognosen zuletzt meist besser als die Konkurrenz. Eine Serie neuer Gewinnwarnungen, darunter auch der Pharma-Riese Merck, und neue Ergebnis-Enttäuschungen, wie etwa beim Chip-Hersteller Micron Technology, stimmen auch andere Wall-Street-Analysten wenig optimistisch. "Die Warnung von Merck hat jetzt auch den Blue-Chip-Sektor angegriffen. Das dürfte nicht die letzte schlechte Nachricht sein", sagt Chefstratege Alan Ackerman vom Brokerhaus Fahnestock & Co, "wir schwimmen weiter in einem Meer von Unsicherheit."



Für diese Woche befürchten Experten erneute Gewinnwarnungen. Die High-Tech-Unternehmen Palm und 3Com geben am Dienstag ihre Quartalsergebnisse bekannt. Am Donnerstag soll der Paketdienst Federal Express seine Zahlen vorlegen, der unter der lahmenden Wirtschaft leidet. Hoffnungen richten sich indes auf den Hersteller von Cornflakes und Nesquik-Kaltgetränken, General Mills, der am Mittwoch seine Zahlen bekannt gibt.



Die Meldung, dass im persischen Golf stationierte US-Kriegsschiffe aus Sicherheitsgründen ihre Häfen verlassen haben, hatte zum Wochenschluss die Unsicherheiten noch verstärkt. Alle drei großen US-Börsenindizes sackten darauf hin ab. Im Wochenvergleich blieben sie nach einigen Zickzackbewegungen praktisch unverändert.



Die Hoffnung auf eine so genannte V-förmige Erholung der US-Wirtschaft hat sich in den vergangenen Wochen zerschlagen. "V-förmig" hätte geheißen, dass sich die Wirtschaft genau so rasch wieder erholt, wie sie eingebrochen ist. Doch die Serie von Gewinnwarnungen, verbunden mit wenig überzeugenden volkswirtschaftlichen Daten lassen derzeit eher einen sehr langsamen Umschwung erwarten.



Daran dürfte auch eine weitere Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) am kommenden Mittwoch nichts ändern. Ökonomen führen die gedämpfte Tendenz darauf zurück, dass der Einbruch der US-Wirtschaft diesmal nicht von den Konsumenten verursacht worden ist, sondern von den Unternehmen. Sie haben nach ihren Investitionen in neue Technologien Überkapazitäten aufgebaut und daher derzeit keinen Bedarf an neuen High-Tech- Ausrüstungen. Bestes Beispiel dafür ist die Telekom-Industrie: Weil während des Technologie-Booms an den Aktienmärkten Kapital so einfach zu bekommen war, wurden Glasfasernetze massiv ausgebaut. Bis jetzt werden jedoch nur 5 % der neuen Kabel-Kapazitäten genutzt.



"Niedrigere Zinsen bringen im Glasfaser-Bereich keine einzige neue Order ein", sagt Ökonom Steven Wietig von der Investmentbank Salomon Smith Barney. Der High-Tech-Sektor hat in der Boom-Phase die entscheidende Rolle gespielt. Jetzt sorgt seine Schwäche dafür, dass sich ein neuer Aufschwung verzögert.



Unterdessen werden Konsumenten vorsichtiger und nehmen nicht mehr ganz so bereitwillig neue Kredite auf, um sich ein Auto oder neue Möbel zu kaufen. Außerdem leiden Investmentbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley unter der Schwäche der Aktienmärkte.



Wo sollten Anleger in solch einem Umfeld investieren? "Konsumgüter, für die der Käufer normalerweise einen Kredit aufnehmen würden, sind jetzt weniger attraktiv", sagt Marktstratege Tom van Leuven. Er rät auch, Finanzwerte zu meiden. Besser seien Anbieter von Konsumgütern des täglichen Bedarfs, wie etwa Lebensmittel- oder Getränke-Konzerne, der Gesundheits-Sektor oder Energiewerte. Ölkonzerne etwa profitierten noch immer vom hohen Ölpreis, sie könnten positiv überraschen.



Alles in allem ein gedämpfter Ausblick. JP-Morgan-Stratege Tom van Leuven erwartet bis zum Jahresende eine Seitwärtsbewegung an den US-Börsen. Die Kurse dürften dann kaum über dem aktuellen Stand liegen, glaubt van Leuven.

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