Archiv
Gewinnwarnungssaison auf Hochtouren

Zahlreiche schlechte Nachrichten machten den Märkten zum Wochenschluss zu schaffen. Revidierte Gewinnerwartungen seitens der Zulieferindustrie der Telekommunikationsbranche belasteten die Stimmung. JDS Uniphase warnte bereits am Donnerstag nach Börsenschluss vor enttäuschenden Umsatzzahlen für das vierte Quartal. Nortel Networks schob am Freitag eine Gewinnwarnung hinterher. Zusätzlich sollen 10 000 Stellen gestrichen werden. Gerüchte kursieren, nach denen auch Microsoft die Planzahlen nicht erreichen werde.

Die jüngsten Daten zur Entwicklung der US-Industrieproduktion nahmen die Anleger mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf. Im Mai ist die Industrieproduktion in den USA um 0,8 Prozent zurückgegangen. Die Mehrheit der Experten hatte lediglich mit einem Rückgang um 0,4 Prozent gerechnet. Gleichzeitig wurden die Daten für April revidiert. Die Produktion ging in diesem Monat statt um die zunächst angenommenen 0,3 Prozent sogar um 0,6 Prozent zurück. Die Erkenntnis: Die US-Wirtschaft ist nach wie vor schwach auf der Brust. Die Hoffnung: Notenbank-Chef Alan Greenspan könnte zur sechsten Zinssenkung dieses Jahres schreiten.

Zu den größten Dow Jones-Verlierern zählten zum Wochenschluss die Aktien von Procter & Gamble und McDonald´s. Beide Konzerne litten unter Spekulationen, nach denen auch hier bald Gewinnwarnungen ausgesprochen werden könnten. Und so war es dann auch. McDonald´s wird statt eines Gewinnes von 39 Cents pro Aktie lediglich einen Überschuss von höchstens 35 Cents pro Aktie erzielt. Die weltgrößte Fast-Food-Restaurantkette leidet unter dem gesunkenen Vertrauen der europäischen Konsumenten, was den Verzehr von Fleisch angeht.

Procter&Gamble gab bekannt, den Konzern in Kürze umzustrukturieren. Der weltgrößte Drogeriewarenhersteller wird im laufenden Quartal eine Sonderbelastung in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar vornehmen. Erfolglose Marken sollen abgestoßen werden, was mit 900 Millionen Dollar statt wie zuvor angekündigt mit 400 bis 800 Millionen Dollar zu Buche schlagen dürfte. Wie bereits im März angekündigt, wird Procter&Gamble rund neun Prozent der Belegschaft entlassen. Das Unternehmen bleibt bei seiner Gewinnprognose von 58 bis 60 Cents pro Aktie für das laufende Quartal. Für das zweite Halbjahr rechnet Procter&Gamble mit einem Gewinnanstieg.

Doch der Aktie nützte das am Freitag nichts. Das Papier verlor fast drei Prozent.

Unter Beschuss stand am Freitag auch erneut der Sektor der Netzwerkausrüster. Denn vor allem diesen Unternehmen macht die schwierige Lage der US-Wirtschaft zu schaffen. Nortel Networks, der weltgrößte Telekomausrüster sprach eine Gewinnwarnung aus und wird 10 000 weitere Stellen streichen. Im April hatte das Unternehmen bereits angekündigt, 20 000 Arbeitsplätze abzubauen. Bis September sollen die jüngsten Umstrukturierungsmaßnahmen beendet sein. Laut Nortel seien von Telefongesellschaften vor der zweiten Jahreshälfte 2002 keine großen Investitionen zu erwarten.

Das Papier von JDS Uniphase, dem größten Hersteller von Komponenten für die Glasfaserindustrie, und die Aktie von Konkurrent Ciena führten die Verliererliste der Nasdaq-Werte an. Beide Papiere zogen auch die Aktie von Broadcom in die Verlustzone. Die Credit Suisse First Boston stufte den Nortel-Konkurrenten Lucent Technologies von "kaufen" auf "halten" ab. Das finanziell angeschlagene Unternehmen hatte bereits in den vergangenen Tagen unter schlechten Nachrichten zu leiden. Corning notierte ebenfalls schwächer.

Doch Gewinner gab es am Freitag auch. Eine Branche, die sich gegen den Trend behaupten konnte, war der Ölsektor. Exxon Mobil und Chevron legten zu. Die Aussichten, dass die Ölpreise nicht weiter sinken werden, machten die Aktien des Sektors zu gefragten Papieren.

Und nicht zu vergessen: Am Freitag war Hexensabbat. Denn am dritten Freitag vor dem Ende jeden Quartals laufen sowohl die Optionen auf Aktien sowie auf Indizes und Futures aus. Die Folge: Durch die gleichzeitig freiwerden Geldreserven handelt es sich am Tag des Hexensabbats meist um sehr volatile Handelstage. Um dies zu entzerren, hat sich die Börsenbehörde entschieden, das Auslaufen der verschiedenen Optionsscheine über den Tag zu verteilen und die Fälligkeitszeitpunkte nicht alle auf den gleichen Zeitpunkt zu legen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%