Gezielt locken Osteuropäer mit niedrigen Abgaben Auslandsinvestoren an
Slowakei punktet mit Steuersenkung

Die Beitrittsländer in Mittel- und Osteuropa wissen sehr gut, wie man Direktinvestoren anlockt und den Außenhandel ankurbelt. Nationale Investitionsagenturen arbeiten auf hohem Niveau, junge und westerfahrene Politiker wie der slowakische Wirtschaftsminister Pavol Rusko sind ständig auf Werbetour. Doch das schlagkräftigste Argument zielt direkt auf die Firmenkassen: Steuersätze, von denen Unternehmen im Westen nur träumen.

WARSCHAU. Geradezu idealtypisch gelang es der Slowakei, mit einer radikalen Steuerreform das Image des Landes umzukrempeln. Seit dem 1. Januar gilt ein einheitlicher Satz von 19 % für die Körperschaft-, Einkommen- und Mehrwertsteuer. Zuvor hatten die baltischen Staaten ihre Steuersysteme radikal vereinfacht. Estland befreite gar alle Gewinne, die im Land reinvestiert werden, von der Steuer. Der Erfolg dieser Politik zeigte sich zuletzt bei der Entscheidung des südkoreanischen Autoherstellers Hyundai, seine erste europäische Produktionsstätte in der Slowakei anzusiedeln. Aber auch Polen, Ungarn und Tschechien kommt zugute, dass die Autokonzerne diese Region verstärkt ins Visier nehmen. Schon ist die Rede von einem "Detroit des Ostens".

Kein Wunder, dass im Westen die Sorge vor der weiteren Abwanderung der industriellen Fertigung wächst. Immerhin rechnen 84 % der Deutschen damit, dass noch mehr Unternehmen und Investoren nach Ost- und Mitteleuropa abwandern. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Leipziger Institut für Marktforschung im Auftrag der "Leipziger Volkszeitung".

Allerdings gehen auch die EU- Beitrittsländer mitunter wenig zimperlich mit dem Gemeinschaftsrecht um, wenn sie den Westeuropäern und zunehmen auch ihren Nachbarn in Zentraleuropa Investoren abjagen wollen. Angesichts der komplexen Materie ist ein eindeutiges Urteil aber oft nicht möglich, ob eine konkrete Vergünstigung, die ausländischen Investoren in den EU-Beitrittsländern geboten wird, dem dem Gemeinschaftsrecht entspricht. Auf der einen Seite wurden die Steuervergünstigungen, die von der Brüsseler Kommission offen als wettbewerbsverzerrend kritisiert wurden, weitgehend abgebaut.

Aber es gibt auch andere Möglichkeiten. So habe die slowakische Regierung Hyundai ein passendes Grundstück für die Autofabrik kostenlos zur Verfügung gestellt, heißt es in Bratislava. Weit verbreitet ist es auch, Verkehrsverbindungen zu den Werkshallen ausländischer Investoren durch den gastgebenden Staat zu finanzieren.

Dabei handeln die Regierungen dieser Länder oft nach einer einfachen Devise, klagen westeuropäische Diplomaten: Erst einmal holen wir den Investor ins Land, mit Brüssel können wir uns dann immer noch herumschlagen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%