GfK-Verbraucherumfrage
Deutsche rechnen nicht mit sinkenden Preisen

Die deutschen Verbraucher rechnen einer Umfrage zufolge nicht mit sinkenden Preisen. Damit deuten die Inflationserwartungen nach Ansicht von Experten derzeit nicht auf das Entstehen einer gefährlichen Deflation hin.

Reuters BERLIN. In der GfK-Verbraucherumfrage im Mai hätten weniger als zwei Prozent der Befragten angegeben, in den nächsten zwölf Monaten fallende Preise zu erwarten, sagte Rolf Bürkl, Konsumexperte der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), am Mittwoch. "Eine Deflationsgefahr sehen die Verbraucher selbst noch nicht."

Die Daten der GfK belegen allerdings auch, dass die Verbraucher einen langsameren Preisanstieg erwarten. Dies sei aber nicht verwunderlich, da die Menschen bei der Euro-Einführung den Preisanstieg stark überschätzt hätten, sagte Julian von Landesberger von der Hypo-Vereinsbank. Gernot Nerb vom Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) warnte vor den psychologischen Folgen der Deflationsdebatte: "Das zunehmende Gerede könnte schon den ein oder anderen Konsumenten verunsichern."

Weiter moderate Inflation erwartet

Die Inflationserwartungen spielen beim Phänomen der Deflation eine entscheidende Rolle. Da in einer Deflation die Menschen weiter sinkende Preise auf breiter Front erwarten, schieben sie Käufe auf und sorgen so mit niedrigerer Nachfrage für weiter zurückgehende Preise. Der von der GfK berechnete Indikator für die Inflationserwartungen sei im Mai zwar noch deutlicher unter seinen langjährigen Durchschnitt gesunken, allerdings seien ähnliche Werte schon früher - beispielsweise Mitte 2002 - gemessen worden. Die GfK befragt monatlich im Auftrag der EU-Kommission rund 2000 Personen zur allgemeinen und ihrer persönlichen wirtschaftlichen Lage sowie zu ihren Konsumabsichten. Der daraus berechnete Konsumklima-Indikator wird am Freitag veröffentlicht.

Der GfK zufolge ging ein knappes Viertel der Befragten in der jüngsten Umfrage von weitgehend unveränderten Preisen aus, ein weiteres Viertel erwartet einen etwas langsameren Preisanstieg als bisher. 36 % rechneten damit, dass die Preise etwa mit dem selben Tempo wie bislang steigen werden, und sechs Prozent gehen von einem stärkeren Preisanstieg als bislang aus. "Die Konsumenten sehen ein ruhiges, für sie günstiges Preisklima", fasste Bürkl die Umfrage-Ergebnisse zusammen.

Seit der Internationale Währungsfonds (IWF) das Risiko einer schädlichen und schwer zu bekämpfenden Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und zurückgehender Nachfrage für Deutschland als hoch bezeichnet hat, geht an den Finanzmärkten die Angst vor einer Deflation um. Die meisten Ökonomen, Zentralbanker und Politiker stufen die Gefahr allerdings als gering ein.

Von Landesberger betonte, dass einige Monate mit rückläufigen Preisen nicht mit einer Deflation verwechselt werden dürften. Zudem dürfe man die Deflationsgefahr nicht allein an der Veränderung der Inflationserwartungen festmachen, sondern müsse einbeziehen, wie die Verbraucher die bisherige Preisentwicklung einschätzten. Die Daten der EU-Kommission wiesen darauf hin, dass die Menschen nicht nur in Deutschland nach der Euro-Einführung den Preisanstieg überschätzt hätten und nun ihre Einschätzung anpassten. "Das spricht dagegen, dass der Rückgang der Inflationserwartungen in Deutschland etwas mit Deflation zu tun hat, und zeigt nur die Verunsicherung der Menschen durch die Euro-Einführung", sagte von Landesberger.

Nerb verwies darauf, dass der jüngste Rückgang der Preise in Deutschland vor allem Bereiche betroffen habe, die von den Kosten für Energie und damit dem zuletzt deutlich gesunkenen Ölpreis beeinflusst würden. "Es gibt keine Anzeichen, dass der Rückgang die große Breite (der Preise) erfasst hat", sagte Nerb. Im Mai waren die Verbraucherpreise nach vorläufigen Berechnungen zum April um 0,2 % gesunken, die Jahresteuerungsrate war mit 0,7 % so niedrig wie zuletzt im Oktober 1999.

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