Gift für Konjunktur
Teures Öl kostet viele Arbeitsplätze

Teures Öl hatte kaum ein Volkswirt auf der Rechnung. Der Internationale Währungsfonds legte seinen Wachstumsprognosen einen Durchschnittspreis von 20 $ pro Barrel (159 Liter) zu Grunde, der Sachverständigenrat ging von 22 bis 25 $ aus.

ost DÜSSELDORF. Die Eskalation in Israel und die Angst vor einem Krieg im Irak haben den Ölpreis inzwischen über beide Marken klettern lassen - am Ostermontag kostete ein Barrel Rohöl 26,06 $. An den Terminmärkten zogen die Preise sogar noch deutlicher an: Ein Barrel, das im Mai geliefert wird, kostete gestern 27,40 $, ein Plus von 4,1 %. Halten sich die Preise auf diesem Niveau oder steigen sie weiter, könnten die derzeitigen Wachstumsprognosen zur Makulatur werden. "Die Ölpreise dämpfen ohne Zweifel den Aufschwung", sagt Mary Davis, Volkswirtin bei Credit Swiss First Boston. Allerdings: Die derzeitige Höhe genüge nicht, "um die Erholung zum Entgleisen zu bringen".

Gleich aus mehreren Gründen sind höhere Ölpreise Gift für die Konjunktur. Sie treiben die Inflation und rauben den Verbrauchern Kaufkraft. Die Gewinne der Unternehmen kommen ebenfalls unter Druck - vor allem, wenn sie wegen schwacher Nachfrage und Überkapazitäten höhere Einkaufspreise nicht an die Kundschaft weiter geben können. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Gewerkschaften wegen drohender Inflation noch hartnäckiger verhandeln - Gewinne und Inflation käme an einer zweiten Front unter Feuer. Die Zentralbanken müssten die Leitzinsen hoch schrauben.

Volkswirte: Öl nur kurzfristig teuer

Ein Albtraum-Szenario für die Wachstumsaussichten und den Arbeitsmarkt. In der Vergangenheit bezahlten viele Arbeitnehmer höhere Ölpreise mit ihrem Job - "auf den Arbeitsmarkt schlägt dies mit einiger Zeitverzögerung durch", sagt Andrew Oswald, Ökonomieprofessor an der britischen Warwick-Universität. 18 Monate nach starken Preisanstiegen klettere auch die Arbeitslosigkeit.

Einige Volkswirte geben sich aber gelassen. "Der Ölpreis war Ende 2001 auf einem niedrigen Niveau, das wir ohne den 11. September nie erreicht hätten", sagt Michael Hüther, Chefvolkswirt der DGZ Bank. -Deka Den derzeitige Anstieg korrigiere nur den Ausreißer nach den Anschlägen. "Die Lage ist nicht vergleichbar mit der Dramatik im Jahre 2000 und 2001."

Er bezweifelt, dass die Preise weiter steigen. "Die Argumente, die den Ölpreis derzeit treiben, sind kurzfristiger Natur". Das gelte auch für einen möglichen Krieg im Irak: Das Fördervolumen des Landes sei gering, ein US-Angriff hätte nur psychologische Effekte, die den Preis nur kurz treiben. Denn die OPEC-Staaten hätten kein Interesse an Preisen über 28 $. Dann lohne es sich für andere Länder, neue Felder zu erschließen. Manche Firma würde sich indessen freuen, wenn Hüther Unrecht behält - der Ölimporteur Wintershall zum Beispiel. Jeder zusätzliche Dollar pro Barrel puscht die Gewinne der BASF-Tochter um 60 Mill. Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%