"Gift-Gipfel" in Madrid
Bayern kämpft gegen Real um letzte Titelchance

Alles oder nichts! 322 Tage nach dem Mailänder Champions-League-Triumph gerät bereits das Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid für den wankenden Fußball-Giganten Bayern München wieder zu einem echten Endspiel.

dpa MADRID. "Wenn man wie wir aus zwei Wettbewerben 'raus ist, ist das jetzt das Spiel des Jahres. Es ist unsere letzte Chance, in dieser Saison einen Titel zu gewinnen. Denn Meister werden wir nicht mehr", verdeutlichte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge den finalen Charakter der von heftigen Emotionen angeheizten Partie am Mittwochabend (20.45 Uhr/live RTL und Premiere).

Starke Nerven und totale Hingabe sind vor über 70 000 Zuschauern im Bernabeu-Stadion gefragt wie nie zuvor in dieser Saison. Zumal die Atmosphäre zwischen den Dauer-Rivalen der vergangenen Jahre nach dem 2:1-Hinspielsieg der Bayern vergiftet ist. "Maul stopfen" (Weltfußballer Luis Figo) und "Stunde der Wahrheit" (Weltmeister Zinedine Zidane) tönten die Real-Stars im Vorfeld. In Spaniens Medien durfte das frühere Real-Idol Hugo Sanchez Nationaltorhüter Oliver Kahn als einen "Provokateur im Stile eines Clowns" beschimpfen.

Trainer Ottmar Hitzfeld bewertete die scharfen Töne aus Madrid als Beleg dafür, dass die Nerven beim Gegner blank liegen. "Es ist die große Nervosität, die in Madrid herrscht. Bayern München ist der Angstgegner", befand der 53-Jährige am Tag vor der Abrechnung.



Mit Glücksbringern nach Madrid

Angespannt, aber kampfeslustig bestiegen die Bayern-Profis am Dienstagvormittag den FC-Bayern-Airbus nach Madrid, bestückt mit kleinen Glücksbringern, die ein Schornsteinfeger ihnen am Flughafen überbrachte. "Auf geht's Jungs", prangte als Schriftzug über dem Eincheck-Schalter. "Wir werden in jedem Fall da sein", verspricht Kapitän Stefan Effenberg mit einem Siegerlächeln.

Seit 19 Spielen ist der Titelverteidiger in der Champions League ungeschlagen, seit vier Partien auswärts ohne Gegentor, und von den letzten sieben Spielen gegen Real gewannen die Münchner sechs. Aber Favorit sind die Bayern trotz dieser eindrucksvollen Zahlen gegen die teuerste, namhafteste und spielerisch stärkste Vereinsmannschaft der Welt dennoch nicht. "Wir führen 2:1, aber es wird sehr schwer. Es wird ein großes Spiel, es wird ein gutes Spiel", meint Rummenigge. "Die Mannschaft muss an die Schmerzgrenze gehen", fordert Hitzfeld.

Einigkeit besteht im Bayern-Lager, dass die Partie in Madrid die höchste Hürde auf dem Weg zum erneuten Gewinn der Champions League darstellt - und nicht ein mögliches Halbfinale gegen Panathinaikos Athen oder FC Barcelona oder das wirkliche Endspiel am 15. Mai in Glasgow. "Ich halte Madrid für die stärkste Mannschaft. Wenn wir Real überstehen, haben wir wirklich die Chance, den Titel zu verteidigen", sagt Vereinspräsident Franz Beckenbauer.

Die Taktik ist klar: Real muss gewinnen, wobei den "Königlichen" schon ein 1:0 reicht. Die "kaiserlichen" Bayern, die ohne die Nationalspieler Mehmet Scholl und Carsten Jancker sowie den gesperrten Niko Kovac auskommen müssen, werden auf ihr gefürchtetes Abwehr-Kollektiv vertrauen und im Angriff auf Konter über Giovane Elber und die schnellen Roque Santa Cruz sowie Hasan Salihamidzic. "Das werden 90 Minuten offener Kampf. Am Ende gewinnt der mit den besten Nerven", prophezeit Nationalspieler Jens Jeremies.

Eine Schlüsselrolle kommt wieder Stefan Effenberg zu, der wenige Wochen vor seiner Ausmusterung in München seine Erfolgsgeschichte gegen Real Madrid fortschreiben will. Bei der einzigen Niederlage im Halbfinal-Hinspiel vor zwei Jahren fehlte der Kapitän - die Bayern verloren in Madrid sang- und klanglos mit 0:2. Effenberg freut sich auf den alles entscheidenden Schlagabtausch. "Der Gegner, das Stadion - das ist das absolute Highlight", schwärmt der 33-Jährige.

Weltmeister Bixente Lizarazu soll wieder einmal Luis Figo an die Kette legen, sofern der wiedergenesene Portugiese von Anfang an zum Einsatz kommt. "Terrier" Jeremies und Jungstar Owen Hargreaves haben den Auftrag, Superstar Zidane im Mittelfeld den Raum zum Zaubern zu nehmen. Und Salihamidzic soll auf der Außenbahn den enormen Vorwärtsdrang des Brasilianers Roberto Carlos stoppen. Für den formschwachen Willy Sagnol dürfte Hitzfeld darüber hinaus Samuel Kuffour auf die rechte Verteidiger-Position beordern.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Real Madrid: César - Salgado, Hierro, Pavón, Roberto Carlos - Makelele, Helguera - Figo (Morientes), Zidane, Solari - Raúl

FC Bayern München: Kahn - Kuffour, Linke, Robert Kovac, Lizarazu - Hargreaves, Effenberg, Jeremies - Salihamidzic, Elber, Santa Cruz

Schiedsrichter: Braschi (Italien)

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