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Giftpillen an Wall Street

Börsentrends aus den USA: Das Gewinnwachstum schwächt sich ab

Unternehmensgewinne, Wachstumsaktien und Börsengänge - einige Trends aus den USA müssen nachdenklich stimmen. Dass die Aktienmärkte seit Monaten mehr schlecht als recht laufen, daran haben wir uns ja schon gewöhnt. Das wichtigste Aktienbarometer der Welt, der Dow-Jones-Index, kommt seit Monaten nicht so recht von der Stelle. Und der interessanteste Indikator für Wachstumsaktien, der Nasdaq-Sammelindex, erlebt in diesen Wochen eine Stunde der Wahrheit nach der anderen. Investoren sieben gnadenlos aus, was sie zuvor bedenkenlos eingekauft haben. Die Story eines Unternehmens steht nicht mehr im Vordergrund, auch die Wachstumsraten werden plötzlich vernachlässigt. Nun zählt, wie schnell aus den Verlusten der einst hoch gehandelten Börsenneulinge Gewinne werden könnten.



Ohne Frage ist dies eine sinnvolle und begrüßenswerte Entwicklung. Die Börse orientiert sich nicht mehr so stark an Wünschen und Phantasien, sondern am Machbaren. Letztlich liegt der Zweck des Wirtschaftens ja auch nicht darin, Verluste zu maximieren, sondern Gewinne zu erzielen - und das nicht irgendwann, sondern möglichst schnell. An den Ergebnissen in dieser Hinsicht sollte sich dann langfristig auch der Börsenkurs orientieren. Weil viele Börsenlieblinge der letzten Jahre hier die erwarteten Schwächen besitzen und dies auch munter zeigen, sind deren Kurse zu Recht auf den Boden zurückgeholt worden.



Kritischer als noch vor einigen Monaten sieht es nun auch in der "alten Wirtschaft" der USA aus. Den einen oder anderen mögen einige der jüngsten Konjunkturdaten schon irritieren. Eine Bestätigung haben derlei Prognosen für eine Wachstumsverlangsamung nun in den Daten gefunden, die von den Unternehmen für das vierte Quartal erwartet oder von Analysten prognostiziert werden. Das Gewinnwachstum der 500 wichtigsten Unternehmen in den USA lag in den letzten 15 Monaten immer bei 20% oder mehr. Im laufenden Quartal könnten es nur noch rund 13% sein. Das ist eine weitere Verschlechterung gegenüber dem, was noch vor ein paar Wochen als Konsens gegolten. Damals lagen die Vorhersagen immerhin bei über 15%. Keineswegs ermutigend für die Börse ist dies unter dem Strich, auch wenn die wichtigsten Gründe dafür längst bekannt sind. Einerseits wirkt sich nun wohl der hohe Ölpreis aus, andererseits macht sich bei US-Unternehmen mit hohem Auslandsanteil der starke US-Dollar bemerkbar. Probleme der Internet-Wirtschaft kommen hinzu. Eine Trendwende ist all bei diesen Negativ-Faktoren noch nicht in Sicht.



Wenig Mut machen darüber hinaus die Nachrichten aus dem Umfeld möglicher Börsenneulinge. Etliche haben ihren Börsengang erst mal abgeblasen, nachdem in diesem Jahr doch viele Anleger Nieten gezogen haben und nun zunächst kein oder weniger Geld für diese Zockerei abzweigen wollen. Nur wirklich hervorragende Unternehmen mit einer guten Story haben derzeit überhaupt noch eine gute Chance, in den USA neues Geld einzusammeln.



Fazit: Nicht gerade ermutigende Trends an der Leitbörse der Welt. Europa-Fans können da nur hoffen, dass sich die heimischen Plätze von der Wall Street abkoppeln. Ob es ihnen gelingt, wird sich vielleicht bereits im November und Dezember zeigen.

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