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Gigabell-Schock von kurzer Dauer - Börsenzocker lauern auf Reibach

Nur zwei Handelstage nachdem der Vorstand die Zahlungsunfähigkeit eingestehen musste ist die Aktie wieder zum heißen Papier geworden.

dpa FRANKFURT/MAIN. Der Gigabell-Schock war nur von kurzer Dauer. Der Aktienkurs des Frankfurter Telekom-Spezialisten am Neuen Markt rauschte mehr als 70 % in den Keller; der Vorstand hatte am Freitag die Zahlungsunfähigkeit eingestanden. Nur zwei Handelstage später ist die Aktie der Gigabell AG jedoch wieder zum heißen Papier geworden. Abgebrühte Zocker spekulieren wieder auf den schnellen Reibach: Mehr als 17 % schossen Gigabell bis zum Dienstagmittag in die Höhe und notierten bei rund 4,40 Euro.

Einige optimistische Andeutungen der Gesellschaft reichten aus, um die Gier mancher Anleger zu wecken. "Zur Zeit liegen bereits neue Anfragen von Übernahme- oder Beteiligungsinteressenten vor", ließ der Gigabell-Vorstand am Montag verbreiten. Die dringen erwartete Finanzspritze einer britischen Investorengruppe blieb zwar aus. Dennoch gebe es "Aussicht auf Fortbestand." Eine Sprecherin der Firma legte am Dienstag nach: "Es gibt mehrere Optionen. Das ist eine ganz heiße Phase." Konkretes gab es allerdings nicht: "Es ist derzeit ganz schwierig, klare Aussagen zu treffen."

Dies ist bei Gigabell bereits seit Börsenstart im Sommer 1999 so. Nur wenige Wochen nach der Erstnotierung auf dem Kurszettel waren die ehrgeizigen Planzahlen des einstigen Schlagerkomponisten Daniel David auf dem Gigabell-Chefsessel Makulatur. "Die schwierige Marktlage war leider nicht abzusehen", hieß es anschließend.

Die Rechenpannen der Gigabell-Spitze ließen zwar den Aktienkurs kräftig einbrechen. Der Missmut der Profis und Kleinanleger währte allerdings nur kurz. Im Vertrauen auf "todsichere Geheimtipps" mancher Börsenbriefe und Anlegermagazine wurde wieder munter eingekauft. Darin war Gigabell noch im Frühjahr zur "Kursrakete mit Megapotenzial" erklärt worden. Bis rund 130 Euro schnellte die Aktie in die Höhe. Dass die Verluste der Firma inzwischen sogar den Umsatz übertrafen, wurde zwar veröffentlicht, wollte aber niemand wahrnehmen.

"Hoffentlich ist diese Pleite für viele ein heilsamer Schock", sagt der Börsenexperte Uwe Wulf von der DG Bank. Für den Sprecher des Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken steht fest, dass die mögliche Insolvenz der Frankfurter am Neuen Markt nur ein erster Warnschuss ist. "Man muss kein großer Rechner sein, um zu wissen, dass andere folgen." Von den mehr als 300 jungen Unternehmen, deren Börsenbewertung die eigenen Umsätze oft um ein Vielfaches übersteigt, könnten nicht alle erfolgreich sein. "Der Neue Markt ist halt ein Risikomarkt und keine Einbahnstraße mit Gewinngarantie."

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