Gigantisch und poetisch
Bill Violas „Engel“ verzaubern im Gasometer

Als wohl eines der größten Werke in der Geschichte der Video-Kunst füllt eine Installation des US-Künstlers Bill Viola riesige Leinwände im ehemaligen Gasometer von Oberhausen. "Five Angels for the Millennium" nannte der 52-jährige Pionier unter den Video-Artisten das monumentale Werk, für das Techniker in schwindelnder Höhe des ausgedienten Gas-Tanks fünf Projektionsflächen von jeweils der Größe eines Einfamilienhauses aufgespannt haben.

HB/dpa OBERHAUSEN. Die "Fünf Engel" sind von diesem Samstag an (bis 5. Oktober) im Rahmen des Kulturfestes RuhrTriennale zu betrachten.

Die "Geschichte" der Video-Installation ist denkbar einfach: Ein mit lockerem Hemd bekleideter Mann springt in einen Swimmingpool, Kameras über und unter Wasser nehmen diese dynamische Bewegung, das Perlen von Millionen Luftblasen und Spritzen des Wassers auf.

Die zu meditativ-dumpfem Wasserrauschen und Zikadenzirpen zeitversetzt projizierten Endlos-Schleifen geben diesen Sprung im "Rückwärtsgang" wieder, das Geschehen wird surreal, ungeheuer malerisch und poetisch. Den "größten lebenden Maler, der nie einen Pinsel geführt hat" nannte der Frankfurter Museumsmann Jean-Christoph Amman den prominenten Video-Pionier einmal.

Nichts taugen Violas Arbeiten für die Fans zappelnder Video-Clips und schneller Bilderströme: "Entschleunigung" ist eines der künstlerischen Grundprinzipien des seit 30 Jahren die ästhetischen und technischen Möglichkeiten der Video-Kunst auslotenden Kaliforniers. Seine oft an die Renaissance-Malerei erinnernden Video- Arbeiten waren in vielen Museen der Welt, auf der documenta Kassel oder der Kunstbiennale Venedig zu sehen.

Wie galaktische Nebel in tiefem Dunkelblau erscheinen so die Wolken langsam zerplatzender Luftblasen. Das weiße Hemd des Tauchers erinnert in der Tat an die Flügel der Engel, Boten zwischen Diesseits und Jenseits in allen Kulturen, wie der am Zen-Buddhismus orientierte Künstler den staunenden Journalisten erklärt. Und die gewaltigen Dimensionen des Werkes in dem über 100 Meter hohen Stahlkoloss tun ein übriges, um dem Betrachter "eine kosmische Erfahrung" zu vermitteln. Diese hat wohl nicht nur Gerard Mortier, Intendant der RuhrTriennale, nach eigenen Worten empfunden.

Erstaunt stellt der Besucher des Gasometers fest, dass er sich selbst vom zunächst ungeduldigen Betrachter der scheinbar quälend langsamen Bildsequenzen in luftiger 60-Meter-Höhe zum staunenden, winzigen Teil des Kunstwerkes aus Bewegung, Ton und leerem Raum wandelt.

Öffnungszeiten: Täglich von 10.00 bis 20.00 Uhr, Fr. bis 22.00 Uhr.

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