Gigantischer Nachholbedarf
Bauindustrie schrumpft und baut Stellen ab

Trotz Hoffnungen auf ein Ende der Talfahrt erwartet die deutsche Bauindustrie auch noch in diesem Jahr schrumpfende Umsätze und weiteren Stellenabbau. Nach Schätzungen von Hauptverbandspräsident Ignaz Walter vom Donnerstag werden 2002 die Umsätze um 2 bis 3 % zurückgehen und bis zu 60 000 Arbeitsplätze wegfallen.

Reuters BERLIN. Es gebe aber berechtigte Hoffnung, dass zumindest im Westen das Schlimmste überstanden sei. Für die Lage der Bauwirtschaft machte Verbandschef Ignaz Walter vor allem die Sparpolitik der Bundesregierung verantwortlich. Es sei aber möglich, dass die Politik im Wahljahr zusätzliche Investitionen mobilisiere.

"Wir haben beim Bau einen gigantischen Nachholbedarf", sagte Walter weiter. Daher müsse die Politik auch angesichts steigender Arbeitslosenzahlen jetzt handeln. Schließlich sei die Bauwirtschaft der wichtigste Einzelwirtschaftszweig in Deutschland, betonte Walter. "Die ruhige Hand nützt nichts mehr, denn aus der ruhigen Hand wird eine lahme Hand", sagte Walter in Anspielung auf Aussagen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der sich gegen Konjunkturprogramme ausgesprochen hatte. "Wenn der Bau nur einigermaßen normal gelaufen wäre, hätten wir 2001 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 oder 1,8 % statt 0,7 % gehabt."

Die Baunachfrage sei in den drei Bereichen Wohnungsbau, Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau weiter rückläufig. "Der Wohnungsbau ist praktisch tot." In diesem Jahr erwartet der Verband hier im Westen einen Rückgang von mindestens 5 %, während er im Osten sogar zweistellig ausfallen werde. Im Jahr 2001 waren die Umsätze der Branche insgesamt etwa um 7 % gesunken.

Die Hoffnung auf eine allmähliche Belebung der Baunachfrage richte sich auf den Wirtschaftsbau und öffentliche Aufträge. Zumindest in Westdeutschland könne die Branche das Schlimmste hinter sich haben. Insgesamt erwartet Walter aber 2002 den Abbau von 40 000 bis 60 000 Stellen in West und Ost. Im Jahr 2001 waren im Vergleich zum Vorjahr dem Verband zufolge noch 90 000 Stellen abgebaut worden. Damit sei die Zahl der Bauarbeiter mit 960 000 erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik unter eine Million gesunken.

Kaum Spielräume für Lohnrunde

Da die Preise im Bau immer noch eher rückläufig seien, gebe es auch für die Lohnrunde kaum Spielräume. Forderungen von 7 % mehr Lohn wie in der Metallindustrie wären für den Bau eine Katastrophe, hieß es. Die Industriegewerkschaft BAU war bereits von dieser Forderung abgerückt und hatte eine moderate Lohnrunde in Aussicht gestellt.

Um den Bau und damit auch die Gesamtwirtschaft aus der Krise zu führen, müsse die öffentliche Hand aber endlich mehr investieren, verlangte Walter. Bisher sei auch in jedem Wahljahr die Baunachfrage gestiegen. In der Bundesregierung gibt es Überlegungen, Infrastruktur-Investitionen vorzuziehen.

Bislang hätten besonders Bundesfinanzminister Hans Eichel und Arbeitsminister Walter Riester (beide SPD) eine verheerende Politik gemacht, sagte Walter. Die ständige Reglementierung der Wirtschaft durch Riesters Gesetze wie etwa beim Betriebsverfassungsgesetz oder der Teilzeitarbeit nehme der Wirtschaft die Luft zum atmen. "Wär' doch der Riester Fliesenleger geblieben, dann wären vielleicht hier und da mal ein paar Fliesen von der Wand gefallen, aber die Wirtschaft hätte er nicht so in die Ecke gebracht." Scharf kritisierte Walter das geplante Gesetz gegen Schwarzarbeit vor allem auf dem Bau, bei dem ein Generalunternehmer für Gesetzesverstöße der Subunternehmen mithaften soll. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie halte das geplante Gesetz für verfassungswidrig und werde dagegen auch gerichtlich vorgehen, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Knipper.

Walter kritisierte weiter, die Sparpolitik von Finanzminister Eichel würde in einem Unternehmen zur Pleite führen. Statt nur zu sparen, müsse auch investiert werden, um aus der Krise zu kommen. "Wenn die so weitermachen, dann müssen die Straßen und Brücken neu gebaut werden, die man jetzt noch sanieren kann." Auf diesen Zwang zu Investitionen gründe sich auch seine Hoffnung auf zusätzliche Impulse in diesem Jahr.

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