Gigantisches Personalaufgebot
Olympische Sicherheitsringe

Die Delegation des US-Olympiasenders NBC erlebte eine besondere Sicherheitsdemonstration über den Wolken von Salt Lake City. Zudem völlig unplanmäßig. Als zehn Minuten nach dem Start das Funkgerät ihres Gulfstream Jets ausgefallen war, reagierten Flugaufsichtsbehörde und Luftwaffe sofort.

SALT LAKE CITY. "Es dauerte keine 45 Sekunden", berichtete NBC-Sportchef Dick Ebersol, "und schon waren zwei mit Raketen bewaffnete F-16 an unseren Tragflächen." Die beiden Kampfflugzeuge eskortierten den Business-Jet zum nächsten Flugplatz. Erhöhte Alarmbereitschaft im Zeichen der Ringe.

"Bei unserem Treffen bildete die Sicherheit natürlich einen Schwerpunkt", meinte Dick Ebersol, Herr der olympischen Fernsehrechte. "Aber nichts ist besser, als das System in Salt Lake City in Aktion zu sehen. Die schnelle Reaktion der Air Force war beeindruckend." Derartige Lobreden sind natürlich ganz nach dem Geschmack von Robert Flowers - dem eigentlichen Herrn der Ringe. In seinem Büro hängen zahlreiche Urkunden, darunter das Diplom der FBI-Akademie. Doch mehr Eindruck macht der Briefbeschwerer. Eine in Glas geschmolzene Tarantel. "Das ist eine ganz besondere Erinnerung", lacht Flowers, "bei einem Einsatz sitze ich im Auto und spüre unter meiner Hose ein Kribbeln. Beinahe hätte ich einen Unfall gebaut."

Jetzt hat er ein stolzes Souvenir und eine Geschichte, die jeden Besucher unterhält. Viel lieber erzählt Flowers von der Riesenspinne als von seinem Job. Was damit zu tun hat, dass der redselige Vorsitzende des Utah Olympic Public Safety Command dann mit vielen Worten bedacht ist, wenig zu verraten. Ein Balanceakt für den Amerikaner, der das gigantische Sicherheitskonzept für die Winterspiele in Salt Lake City kontrolliert. An diesem Donnerstag sind es noch 64 Tage bis zur Eröffnungsfeier im Rice-Eccles Stadium. Dass dann unter den 52 000 Zuschauern auch Präsident Bush weilen wird, macht die Aufgabe nicht einfacher. "Aber", meint Flowers, "wir hatten drei Jahre Zeit, einen großartigen Sicherheitsplan zu entwerfen. Wir können ihn leider nur nicht mitteilen."

7 000 Soldaten, 5 000 Polizisten, 2 000 Mitglieder von Utahs National Guard

Das Aufgebot ist gigantisch: 7 000 Soldaten, 5 000 Polizisten, 2 000 Mitglieder von Utahs National Guard. Auch von 3 000 - meist undercover arbeitenden - Agenten des FBI und CIA ist die Rede. Dazu kommt ein perfektes elektronisches Überwachungssystem. Salt Lake City als Festung? "Es können dennoch heitere Spiele werden", entgegnet Flowers, "die Präsenz der Sicherheitskräfte wird nicht erdrückend wirken." Der Rest ist sein Geheimnis.

Offen spricht man dagegen vom olympischen Budget. Mit 1,9 Milliarden Dollar wird Olympia in Salt Lake City gleich sechsmal teurer als in Lake Placid 1980 sein. Jetzt putzt sich die ansonsten verschlafene Metropole am Fuße der Rocky Mountains mächtig heraus. Bauarbeiter bestimmen das Straßenbild. Bohrer dröhnen, Lastwagen fahren den Schutt davon. The Games must go on. Da sind sich hier auf der Großbaustelle alle einig. "Die Olympischen Spiele bringen Nationen zusammen und tragen so dazu bei, den Terror zu bekämpfen", sagt der US-Bobfahrer Joe Sisson, "wir sollten sie auf jeden Fall durchführen." Hier im Olympic Park trainieren Sisson und seine Teamkameraden hochmotiviert für den olympischen Ernstfall. Und zwischendurch dürfen auch Touristen ran. Sie zahlen 200 Dollar für die 60 Sekunden-Fahrt auf der angeblich schnellsten Bahn der Welt. Die PR-Lawine rollt. Olympia zum Anfassen.

3 500 Athleten und Offiziellen sowie der eine Million Touristen

Mitt Romney können ausländische Journalisten ebenfalls einmal pro Woche hautnah erleben. Der Chef des Organisationskomitees (SLOC) hält dann eine Pressekonferenz zu aktuellen Themen ab. Man kann es auch eine Sprechstunde nennen, denn außer Romney kommen nur wenige zu Wort. Der eloquente Mormone ist in Utah eine Art Messias, da er bereits den Korruptionsskandal und die folgende Finanzkrise geschickt bewältigte.

Jetzt geht es um die Sicherheit der 3 500 Athleten und Offiziellen sowie der eine Million Touristen, die Salt Lake City zwischen dem 8. und 24. Februar ansteuern werden. Nach den Terroranschlägen des 11. September wurde der Etat für den neuen Sicherheitsplan um 40 Millionen auf 310 Millionen Dollar aufgestockt. Das ist dreimal so viel, wie die US-Regierung für die Sommerspiele 1996 in Atlanta zur Verfügung gestellt hatte.

"Die Welt braucht diese Spiele", unterstrich IOC-Präsident Jacques Rogge, "sie sind eine Antwort auf Gewalt." Trotz Krieg, Rezession und Angst vor neuen Terroranschlägen verläuft der Kartenverkauf nach offiziellen Angaben planmäßig. Bislang wurden Tickets im Wert von 170 Millionen Dollar verkauft - das entspricht 85 Prozent des Kontingents. Stolz verkündete der OK-Chef Romney, dass erst 20 Tickets zurückgegeben wurden. Aber auch er weiß selbstverständlich nicht, was die nächsten Tage bringen werden. Die Angst der US-Bürger vor Attentaten und Milzbrand-Anschlägen ist groß. Und trotz Metalldetektoren, Überwachungskameras und Flugverbot kann es bei einer Massenveranstaltung keine hundertprozentige Sicherheit geben. Erst recht nicht gegen einen unsichtbaren Feind. "Was auch immer passieren sollte", beruhigt Robert Flowers, "wir haben die richtige Antwort parat." Dann fügt er an: "Wenn eine Tragödie wie am 11. September in Deutschland passiert wäre und nun Garmisch-Partenkirchen die Spiele hätte: Ich würde als Besucher hinfliegen und meine Solidarität zeigen."

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