Gipfel in Athen
Europa macht einen historischen Schritt

Die Europäische Union hat die größte Erweiterung ihrer Geschichte besiegelt. Zehn künftge Mitglieder haben ihre Beitrittsverträge unterschrieben.

Reuters ATHEN. Mit der Unterzeichnung der Beitrittsverträge mit zehn neuen Mitgliedern hat die Europäische Union (EU) die größte Erweiterung ihrer Geschichte besiegelt.

Bundeskanzler Gerhard Schröder würdigte die Erweiterung am Mittwoch in Athen als Überwindung der Teilung Europas. Die Deutschen seien besonders froh, dass die Teilung Europas endgültig überwunden ist, sagte Schröder, bevor er am Fuße der Akropolis gemeinsam mit Außenminister Joschka Fischer den EU-Erweiterungsvertrag für Deutschland unterschrieb. Der französische Präsident Jacques Chirac forderte, kleine Pioniergruppen besonders integrationswilliger Länder müssten künftig vorangehen, um Stillstand zu vermeiden. Gemeinsam mit Deutschland, Luxemburg und Belgien berät Frankreich derzeit über eine engere Zusammenarbeit in der Verteidigung.

Im Mai 2004 werden Polen, Ungarn, Slowenien, die Slowakei, Litauen, Tschechien, Estland, Lettland, Zypern und Malta EU-Mitglieder. Letzte Hürde ist die in sieben Beitrittsländern noch ausstehende Ratifizierung der Verträge. In den dann 25 Mitgliedstaaten der Union leben 450 Millionen Menschen.

Schröder erinnerte daran, dass Deutschland den Zweiten Weltkrieg begonnen habe und unter seinen Folgen besonders gelitten habe. "Europa ist für Deutschland und die Deutschen weit mehr als nur ein Markt", sagte der Bundeskanzler.

In freundliche Worte verpackte Ermahnungen gab Chirac den neuen Mitgliedern mit auf den Weg, die in Athen zum ersten Mal beratend mit am Tisch saßen. "Die Europäische Union ist mehr als nur ein großer Markt, gemeinsame Politiken, eine einheitliche Währung und Bewegungsfreiheit. Sie ist vor allem ein gemeinsames Ziel, gemeinsame Disziplin, feste Solidarität und natürlich der Blick auf die Europäische Familie", sagte Chirac. Er wiederholte damit praktisch in freundlichem Ton frühere scharfe Kritik an der Unterstützung der US-Position in der Irak-Krise durch zahlreiche Beitrittskandidaten.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi rief zur Dankbarkeit an die zehn neuen Mitglieder auf. Lange vor dem Fall der Berliner Mauer hätten sie bereits ihr Verlangen danach gezeigt, in Frieden und Demokratie mit den anderen Europäern zu leben. Die Erweiterung um die zehn Länder ebne zugleich den Weg für den für 2007 vorgesehenen Beitritt Bulgariens und Rumäniens. Über Verhandlungen mit der Türkei soll im kommenden Jahr entschieden werden.

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