Gipfeltreffen in Paris
Nahost-Gipfel: Noch keine Vereinbarung geschlossen

Barak und Arafat konnten sich in Paris auf ein Ergebnis einigen. Die Vereinbarung wurde allerdings noch nicht unterzeichnet.

ap PARIS/JERUSALEM. Über das Ergebnis des Nahost-Gipfels in Paris herrschte am frühen Donnerstagmorgen Unklarheit. In einem Verhandlungsmarathon unter Vermittlung von US-Außenministerin Madeleine Albright stimmte der israelische Ministerpräsident Ehud Barak nach Angaben aus israelischen und palästinensischen Delegationskreisen einem Rückzug der Streitkräfte seines Landes aus den palästinensischen Autonomiegebieten zu. Arafat sei im Gegenzug bereit, seine Anhänger anzuweisen, sich von den Orten der jüngsten Unruhen fernzuhalten, hieß es. Aus israelischen Regierungskreisen verlautete jedoch, Israel wolle zunächst das Ergebnis der Zugeständnisse Arafats abwarten, bevor die Soldaten abgezogen würden.

Ein ranghohes Mitglied der US-Delegation mahnte, noch sei keine Vereinbarung abgeschlossen worden. Albright werde am Morgen nach Scharm el Scheich am Roten Meer fliegen, um sich mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak zu treffen, sagte der US-Vertreter. Barak flog nach Ende des Gipfels in Paris nach Hause, er werde nicht nach Ägypten reisen. Auch Arafat werde möglicherweise nicht dorthin kommen. Die Gespräche sollten ursprünglich am (heutigen) Donnerstag in dem ägyptischen Badeort in Anwesenheit von Präsident Mubarak fortgesetzt werden.

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac erklärte hingegen in Paris, die erzielte Vereinbarung sei ein bedeutender Schritt, der eine Rückkehr zur Ruhe in den Autonomiegebieten und in Jerusalem gestatten könne. In grundlegenden Fragen seien Fortschritte erzielt worden. Die Unruhen haben seit Freitag vergangener Woche 64 Menschenleben gefordert. Mehr als 1 800 Menschen wurden verletzt, die meisten von ihnen Palästinenser. Allein am Mittwoch kamen sieben Palästinenser ums Leben, darunter auch ein 13-jähriger Junge.



Israel verweigert internationale Untersuchung

Die Gespräche zwischen Barak, Arafat und Albright in Paris dauerten bis zum frühen Morgen. Kurz vor Mitternacht trafen die drei Politiker im Elysee-Palast Staatspräsident Chirac und UN-Generalsekretär Kofi Annan. Ein Streitpunkt bei dem Verhandlungsmarathon in Paris war die Forderung Arafats nach einer internationalen Untersuchungskommission. Am Abend verließ Arafat die Gespräche kurzfristig. Sein Berater Nabil Schaath erklärte, Arafat sei über die Weigerung Israels und der USA verärgert gewesen, eine internationale Untersuchung der Unruhen zuzulassen. Außenministerin Albright habe Arafat aber überredet, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Nähere Einzelheiten nannte Schaath nicht. Annan erklärte sich nach UN-Angaben bereit, gemeinsam mit den USA eine für beide Seiten akzeptable Lösung für eine Untersuchung auszuarbeiten.

In New York verlangten unterdessen die Vertreter zahlreicher arabischer Staaten auf einer Sondersitzung des Weltsicherheitsrats den sofortigen Rückzug der israelischen Truppen aus den palästinensischen Autonomiegebieten. Ferner forderten sie den Ostteil Jerusalems als Hauptstadt eines palästinensischen Staats. Mehrere Botschafter arabischer Staaten warfen Israel vor, die Unruhen mit dem Besuch des rechtsgerichteten Politikers Ariel Scharon auf dem Tempelberg provoziert zu haben.



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