Gipshersteller Knauf hat es sich in Polen gemütlich gemacht
„Im Prinzip ist bei uns alles machbar“

"Noch vor zehn Jahren war Polen ein Land des Zements", erzählt Jaroslaw Milewski schmunzelnd. Inzwischen werde verstärkt Gips zum Verputzen von Innen- und Außenwänden verwendet. "Gips atmet und erlaubt präziseres Arbeiten", schwärmt er. Überhaupt seien moderne Bau- und Dämmstoffe in Polen auf dem Vormarsch. Der gelernte Ingenieur ist heute Vertriebsdirektor der Knauf Sp.zo.o., einer Tochter der Knauf-Gruppe im bayerischen Iphofen.

BELHATOW. Es waren also vorrangig die Chancen eines großen, modernisierungsbedürftigen Marktes, die Knauf 1994 nach Polen gelockt haben. Inzwischen ist die Gruppe mit neun Unternehmen in dem Land aktiv. Dazu zählen Fabriken für Gips, Gipsplatten, Putzmaterial und Styroporelemente, sowie Vertriebs- und Transportunternehmen. Die Software kommt inzwischen von der deutschen SAP. Natürlich spielt auch die im Vergleich zu Deutschland billigeren Arbeitskräfte eine Rolle in der Strategie der Knaufgruppe, die heute 80 % ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaftet.

Wie in anderen Ländern sind die meisten polnischen Knauf-Fabriken neben großen Braunkohlekraftwerken angesiedelt, aus denen der Gips kommt. Dazu zählt der Standort Belhatow in Mittelpolen, der schon von weitem durch seine riesigen Abraumhalden auffällt. In der dortigen Fabrik, die mit modernsten Technologien arbeitet, stellen gut 100 Beschäftigte Gipskartonplatten her. Auf einem riesigen Förderband wandert der Gips vom Kraftwerk direkt in die Produktionshallen. Jaroslaw Milewski berichtet, dass der Betreiber in Belhatow demnächst ein weiteres Braunkohlekraftwerk bauen wolle.

Mit einem Anteil von etwa 60 % im Bereich Putz und Putzelemente ist Knauf inzwischen eindeutiger Marktführer in Polen. Bei Gipsplatten allein beträgt der Marktanteil 20 %. Nachdem Knauf das Unternehmen Norgips gekauft hat, gehört auch dessen riesiges Werk im oberschlesischen Oppeln zur Gruppe und wird der Fabrik in Belhatow zugeordnet. Allerdings soll Norgips als Marke im Niedrigpreissegment auf dem polnischen Markt erhalten bleiben.

Erzielte Knauf in seinen polnischen Gründerjahren Wachstumsraten von über 100 % jährlich, so liegt man inzwischen bei 5 bis 7 %. Für das gesamte Jahr 2003 peilt die Knauf Sp. z o.o. in Warschau als Holding aller Unternehmen der Gruppe in Polen einen Umsatz von 185 Mill. Zloty an. "Bislang haben wir alle Investitionen aus eigener Kraft finanziert", erklärt Milewski. "Wir wollen uns weiter entwickeln, auch die Mittel für den möglichen Bau eines weiteres Werks werden wir selbst aufbringen." Er setzt darauf, dass in Polen mit seiner Bevölkerung von fast 40 Millionen Menschen noch viele moderne Häuser gebaut oder bestehende renoviert werden müssen. Ohnehin bleiben die polnischen Knauf-Produkte weitgehend im Land und werden nur geringfügig exportiert. "Knauf ist halt überall", freut sich Milewski.

Lobend äußert er sich über Qualifikation und Leistungsbereitschaft seiner polnischen Landsleute als Mitarbeiter von Knauf. "Die sind flexibler als die Deutschen. Im Prinzip ist bei uns alles machbar." Allerdings gebe es auch Kommunikationsprobleme. Untereinander, so Milewski, spreche man kaum über Arbeitsabläufe, Produktqualität und Möglichkeiten zur Verbesserung. Diese Schwäche stamme wohl noch aus den alten sozialistischen Zeiten Polens, als Vorsicht oder gar Angst und Misstrauen das Verhalten vieler Bürger des Landes geprägt hätten.

Gefragt, wie denn der Umgang mit den Behörden sei, antwortet Milewski, dass sich manches zum Guten hin entwickelt habe. "Der Service auf den Ämtern ist besser geworden. Die Beamten sind freundlicher und hilfsbereiter. Aber oft fehlt es noch an Sachkenntnis und organisatorischer Professionalität."

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