Giro-Spitzenreiter Garzelli gedopt
Heppner erobert beim Giro das Rosa Trikot

Ein Jahr nach der größten Doping-Razzia in der Geschichte des Radsports ist der Giro d'Italia wieder von einem Doping-Skandal erschüttert worden. Der bisherige Spitzenreiter Stefano Garzelli und zwei weitere Profis wurden positiv auf Doping getestet, zwei mutmaßliche "Dopingsünder" von der Polizei verhaftet.

dpa ROM. Ein "Dealer" stellte sich den Ermittlern. "Am schwarzen Giro-Samstag" ging der 28-jährige Garzelli dennoch an den Start zur sechsten Etappe von Cuneo nach Varazze und wurde von Telekom-Fahrer Jens Heppner (Gera) von der Spitze verdrängt.

Der 37 Jahre alte Jens Heppner kam auf dem 6. Tagesabschnitt mit einer achtköpfigen Gruppe ins Ziel, die etwa fünf Minuten Vorsprung vor dem bisherigen Spitzenreiter Garzelli hatte. Heppner ist damit der erste Deutsche im Rosa Trikot des Gesamtführenden beim Giro nach 21 Jahren. Damals zog sich Gregor Braun dieses begehrte Jersey über.

Den Tagessieg am Samstag erkämpfte Giovanni Lombardi (Italien), Bert Grabsch (Wittenberg) wurde Dritter. Bis zur Analyse der B-Probe am kommenden Dienstag wolle er weiter fahren, erklärte der Giro-Sieger von 2000. Sollte er tatsächlich des Dopings überführt werden, kündigte Garzelli seinen Rücktritt an: "Wenn die B-Probe ebenfalls positiv ist, höre ich auf. Ich bin unschuldig."

Für den italienischen Radklassiker wäre eine Disqualifikation des Spitzenreiters ein schwerer Schlag. Mit Marco Pantani 1999 und Dario Frigo 2001 wurden in den letzten drei Jahren bereits zwei Giro-Spitzenreiter wegen zu hoher Hämatokritwerte oder Dopingvergehen disqualifiziert.

Nach Angaben des italienischen Fernsehens soll Garzelli auf der Etappe von Köln nach Lüttich das verbotene Präparat "Probenecid" eingenommen haben. Dies sei ein Mittel gegen Gicht, das auf Grund seiner Harn treibenden Wirkung den Nachweis anderer Dopingmittel bei Kontrollen erschwere und in Italien nicht im Handel erhältlich sei.

Wie Garzelli wies auch das Team Mapei jegliches Doping weit von sich. Das bisher nicht mit nachgewiesenem Doping in Berührung gekommene Team wittert ein Komplott gegen sich. Das Mittel sei den Fahrern untergeschoben worden, mutmaßte Teamchef Aldo Sassi. Denn nicht nur Garzelli, sondern die gesamte Mannschaft habe an besagtem Montag permanent auf die Toilette gemusst. "Wir behalten uns eine Anzeige gegen Unbekannt vor", erklärte Sassi, der den "seltsamen Fall" aufgeklärt wissen will.

Garzelli hatte die Etappe von Köln nach Lüttich gewonnen und damit das rosa farbene Trikot des Spitzenreiters übernommen. Auch die erste Etappe in Italien hatte Garzelli am Freitag in Limone Piemonte für sich entschieden. Nachdem Garzelli, der Russe Faat Zakirow (ESP-Blutdoping) und Roberto Sgambelluri vom Pantani-Team Mercatone Uno positiv getestet wurden, rechnet man in Italien nun mit weiteren Aktionen der Staatsanwaltschaft.

Bereits Anfang der Woche hatte die Staatsanwaltschaft Brescia unabhängig vom Fall Garzelli mit Antonio Varriale zum ersten Mal einen Profi-Sportler wegen Dopings in Haft genommen. Varriale ist geständig. "Ich habe gedopt, weil ich mir sonst vorkam, als würde ich gegen Motorradfahrer antreten", wurde Varriale vom italienischen Fernsehen zitiert. Auf Grund von Varriales Aussagen verhafteten Polizisten bei der Ankunft des Giro in Limone Piemonte am Freitagabend dessen Teamkollegen aus dem Panaria-Fiordo-Team, Nicola Chesini.

Nach Angaben von Panaria-Teamchef Roberto Reverberi ermittelt die Staatsanwaltschaft Neapel seit Samstag auch gegen Radprofi Filippo Perfetto, der deshalb am Wochenende aus dem Giro ausstieg. Ausgangspunkt für die Ermittlungen in Neapel war wohl der ehemalige Polizist Armando Marzano, der sich am Freitag der Polizei in Neapel stellte. Marzano steht in dem Verdacht, die verdächtigten Radprofis im großen Stil mit Dopingmitteln beliefert zu haben.

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