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Gladbach ratlos in der Krise

Hoch gehandelt, tief gefallen - nach dem sportlichen Offenbarungseid beim 0:6 in Berlin geht beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach die Angst um.

dpa MÖNCHENGLADBACH. Hoch gehandelt, tief gefallen - nach dem sportlichen Offenbarungseid beim 0:6 in Berlin geht beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach die Angst um.

Trotz viel versprechender Neuverpflichtungen, trotz des neuen Stadions und des Trainerwechsels von Holger Fach zu Dick Advocaat kämpft der fünfmalige deutsche Meister um das sportliche Überleben. Die Bilanz des Fußball-Lehrers aus den Niederlanden ist niederschmetternd. Seitdem die Mannschaft unter dem "Ein-Spiele-Coach" Horst Köppel am 11. Spieltag gegen Bayern München 2:0 gewann, gab es in den fünf Folgepartien nur vier Punkte, von den Abstiegsrängen ist die Borussia nur zwei Zähler entfernt. Nach dem 0:6 in Berlin gingen die Anhänger auf die Barrikaden.

Reumütig trat Kapitän Christian Ziege vor die Fans. "Ich kann mich nur für unseren Untergang entschuldigen. Das darf einfach nicht passieren, dass man sich so zerlegen lässt. Und ich kann jeden verstehen, der jetzt maßlos enttäuscht ist. Ich bin es selbst", ließ er nach "der schlimmsten Klatsche meiner Karriere" wissen.

Advocaat reagierte trotzig. Er habe keine Zweifel, dass sein Team die Klasse habe, die Liga zu halten, teilte er mit. Doch mit seiner Forderung nach neuen Spielern führt er seine Aussage selbst ad absurdum. Vier sollen es sein, im Gespräch sind unter anderem Jörg Böhme (Schalke 04), Giovane Elber (Olympique Lyon) oder Wesley Sonck von Ajax Amsterdam. "Natürlich sind uns Grenzen gesetzt, wir sind nicht Bayern München oder Real Madrid", sagte Mönchengladbachs Sportdirektor Christian Hochstätter der dpa. Und zu Elber ("Er wird seit Sommer in den unglaublichsten Facetten bei uns gehandelt") habe es "keinerlei Kontakt" gegeben.

Namen potenzieller neuer Spieler wollte Hochstätter nicht nennen, auch Sonck "ist bei uns überhaupt nicht im Kopf". Man werde Leute ansprechen, die für den Verein in Frage kämen. Mehr sagt der Sportdirektor nicht, ist aber, wie Advocaat, überzeugt von Besserung: "Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die Mannschaft ist in der Lage, sich aus der momentan sicherlich nicht angenehmen Situation zu befreien."

Sofortmaßnahmen wie Straftraining hält der ehemalige Mönchengladbacher Profi für verfehlt. "Es hilft doch keinem, jetzt alles in Frage zu stellen. Und mit einem Straftraining würden wir ja eingestehen, Fehler gemacht zu haben. Vielleicht wird Dick Advocaat jetzt mehr trainieren lassen", sagte Hochstätter. Die Mannschaft könne Fußball spielen, das habe sie bei den Siegen gegen Meister Bremen (3:1) und Rekord-Titelträger Bayern München (2:0) bewiesen. Doch die Rückschläge kamen stets und prompt, die Heimniederlagen gegen Hannover (0:2) und Hamburg (1:3) sprachen Bände: "Da haben wir zwei wichtige Spiele nicht gewonnen."

Aber Hochstätter wirkt, wie der neue Coach, derzeit ratlos. "Wenn ich wüsste, was bei uns falsch läuft, hätten wir die Diskussion nicht." Was hilft, ist simpel: "Ein Sieg gegen Bayer Leverkusen." Doch das kann nicht der einzige Weg aus der Krise sein. Spielführer Ziege sagte dem "kicker": "Wir müssen die Karre nun selbst aus dem Dreck ziehen und uns den Arsch aufreißen."

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