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Gladbach verschenkt gegen Rostock den Sieg

Jeff Strasser hämmerte mit der Faust wütend und enttäuscht gegen eine Tür und schimpfte wie ein Rohrspatz. „Wie blöd sind wir denn - gegen diese Blindentruppe“ - der Gladbacher Abwehrspieler konnte das 2:2 (2:0) gegen Hansa Rostock nicht fassen.

dpa MÖNCHENGLADBACH. Jeff Strasser hämmerte mit der Faust wütend und enttäuscht gegen eine Tür und schimpfte wie ein Rohrspatz. "Wie blöd sind wir denn - gegen diese Blindentruppe" - der Gladbacher Abwehrspieler konnte das 2:2 (2:0) gegen Hansa Rostock nicht fassen.

Vor 42 600 Zuschauern im neuen Stadion im Borussia-Park verschenkten die Mönchengladbacher Fußball-Profis leichtfertig zwei Zähler und brachten auch Trainer Holger Fach in Rage. "Wir haben zwei Böcke geschossen, die unbeschreiblich sind. Das ist nicht profihaft, das wird Konsequenzen haben, das lasse ich mir nicht bieten." Auch Fach war fassungslos, wie seine Spieler die drei Punkte, die nach der souveränen Führung durch Oliver Neuvilles Saisontreffer vier und fünf (18./30./Foulelfmeter) so sicher schienen, wegwarfen. "Meine Mannschaft hat 15 Minuten kopflos agiert. Ich bin enttäuscht, wie sie dieses Spiel aus der Hand gegeben hat", fasste Fach den kollektiven Aussetzer seiner Elf zusammen.

Christian Ziege musste die beiden Gegentreffer tatenlos verfolgen, weil er sich kurz zuvor verletzt hatte und durch Bradley Carnell ersetzt wurde. Der Mannschaftskapitän zog sich eine schwere Verletzung am Sprunggelenk zu und muss voraussichtlich operiert werden.

Speziell einer war Nutznießer der fußballerischen Schlampereien im Mönchengladbacher Spiel: Antonio Di Salvo. Der in Paderborn geborene Italiener war in der 52. und 59. Minute schon zum vierten Mal in dieser Saison im "Doppelpack" für Hansa erfolgreich. In den Pokalspielen in Hoffenheim und Köln traf er zwei Mal, und in der Bundesliga ist er nach dem sechsten Spieltag schon so erfolgreich wie in der gesamten vergangenen Saison.

Den beiden Treffern "auf Schalke" ließ Di Salvo auch in Mönchengladbach zwei folgen. "Natürlich geben diese Tore Selbstvertrauen. Aber jetzt ist es wichtig, auch mal zu Hause zu punkten", sagte Rostocks "Doppelpack-Toni" - eine Bezeichnung, die er noch nicht mag. "Nein, an den richtigen Doppelpack-Tonis möchte ich mich nicht messen", lehnte Di Salvo Vergleiche mit Toni Polster und "Toni" Ailton ab.

Auswärts ist Rostock noch ungeschlagen, zu Hause hat Hansa alle drei Saison-Spiele verloren. Und vor einer Niederlage stand das Team von Trainer Juri Schlünz auch am Niederrhein: "So, wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, kann keine Mannschaft in der Bundesliga jemals einen Punkt holen", kritisierte der Coach, der aber gleichwohl die große Moral hervor hob: "Es ist gut, wie die Mannschaft gekämpft hat. Wir haben uns den Punkt redlich verdient."

Während sich Mönchengladbachs zweifacher Torschütze Neuville nach Spielende über seine beiden Treffer überhaupt nicht freuen konnte, war Delano Hill glücklich, dass seine Mitspieler zwei seiner Fehler durch Kampf, bedingungslosen Einsatz und auch spielerische Mittel wett machten. Der Niederländer schlug vor dem 0:1 amateurhaft über den Ball und verursachte mit einem Foul an Thomas Broich auch den Elfmeter, den Neuville zum 2:0 verwertete.

"Das vor dem 0:1 ist mein Ding, und den Elfmeter kann der Schiedsrichter geben", bekannte Hill seine Schuld. Von Torhüter und Kapitän Mathias Schober bekamen alle Rostocker ihr Fett weg: "Das war eine katastrophale erste Halbzeit. Da war kein Leben drin." Für das Richtung weisende Heimspiel gegen Hannover hat er nur einen Wunsch: "Es wäre schön, wenn wir von Anfang an vernünftig spielen würden."

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