Gläubiger erwägen Einstieg bei dem Medienkonzern: Banken arbeiten an Lösung für Kirch-Gruppe

Gläubiger erwägen Einstieg bei dem Medienkonzern
Banken arbeiten an Lösung für Kirch-Gruppe

Die Gläubiger-Banken der Kirch-Gruppe arbeiten hinter den Kulissen offenbar an einer Auffanglösung für das hoch verschuldete Medien-Imperium. Nach Informationen des Handelsblatts erwägen die Banken, einen Teil ihrer Darlehen in Eigenkapital umzuwandeln.

ink/jojo/rob MÜNCHEN. Dadurch wären die Gläubiger beteiligt und könnten auf die Unternehmenspolitik direkten Einfluss nehmen, heißt es in Frankfurter Bankenkreisen. Im Gespräch ist allerdings auch der Verkauf von Unternehmensteilen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, etwa der Beteiligung an der Formel eins oder am Springer-Verlag.

Banken planen ohne Kirch

Bei ihrem Rettungsversuch planen die Banken offenbar ohne Leo Kirch. Der Filmrechte-Händler soll von der Spitze seines eigenen Unternehmens vertrieben werden, heißt es in Frankfurt. Damit Kirch das Gesicht wahren könne, dürfte der Abgang unter Hinweis auf seine angeschlagene Gesundheit erfolgen.

Auslöser der aktuellen Krise bei Kirch ist eine Forderung des Axel-Springer-Verlags über 770 Mill. Euro. Darüber hinaus wird ein Kredit der Dresdner Bank von 460 Mill. Euro Ende April fällig. Im Herbst kann zudem Rupert Murdochs Pay-TV-Kanal BSkyB 1,3 Mrd. Euro fordern. Angesichts von mehr als 5 Mrd. Euro Schulden ist es unwahrscheinlich, dass Kirch die Forderungen alle begleichen kann.

Noch sind sich die Banken allerdings nicht einig. Die Verhandlungen könnten noch sechs bis acht Wochen andauern. Bis zur Fälligkeit des Dresdner-Kredits soll eine Lösung auf dem Tisch liegen. Größter Gläubiger ist die halbstaatliche Bayerische Landesbank. Ferner sind Deutsche Bank, Dresdner Bank, Hypo-Vereinsbank und J.P. Morgan mit großen Beträgen engagiert.

"Wir gehen auch weiterhin auf Sendung"

In der Kirch-Zentrale im Münchener Vorort Ismaning demonstriert man Gelassenheit. "Die Schlagzeilen rund um Kirch stoppen ja nicht unser Tagesgeschäft, den Rechtehandel und die Produktion. Wir kaufen auch weiterhin ein und gehen auf Sendung", sagte der für den Rechtehandel zuständige Vorstand Fred Kogel im Gespräch mit dem Handelsblatt. Kirch-Vize Dieter Hahn betonte in einem Interview, dass die Gespräche mit den Banken gut verlaufen würden.

Auf Hilfe der Bundesregierung kann Kirch wahrscheinlich nicht zählen. Zwar hat sich Kanzler Gerhard Schröder in kleiner Runde mit Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer, Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und WAZ-Miteigentümer Erich Schumann getroffen und über die Entwicklung bei Kirch beraten. Dies sei aber nur auf Wunsch der Firmen geschehen, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Es sei völliger Unsinn, Schröder die Absicht zu unterstellen, er wolle eine nationale Allianz schmieden, um den australischen Medienzaren Rupert Murdoch aus Deutschland fern zu halten.

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