Gläubiger fordern 4,3 Mrd DM
Flowtex-Gläubiger wollen Milliarden-Schadenersatz von KPMG

Im mutmaßlichen Betrugsskandal um die Ettlinger Flowtex-Gruppe kommen auf die Prüfgesellschaft KPMG möglicherweise Schadenersatzforderungen in Milliarden-Höhe zu.

Reuters FRANKFURT. Der Anwalt einer Gruppe von Flowtex-Gläubigern, Christian Wolf, bestätigte am Montag auf Reuters-Anfrage, dass seine Mandanten Forderungen in Höhe von insgesamt rund zwei Mrd. DM an die KPMG stellten. Er sei sehr zuversichtlich, dass seine Mandanten Schadenersatz von KPMG erhalten würden, denn die Prüfungsgesellschaft habe "gravierende Fehler" bei Flowtex gemacht, sagte Wolf. Die KPMG wies indes jegliche Schuld von sich. "Bei Flowtex sind durch kriminelle Machenschaften der Flowtex-Gesellschafter alle Beteiligten - Banken, Leasinggesellschaften, Prüfer - über viele Jahre massiv getäuscht worden", sagte eine KPMG-Sprecherin.

Flowtex steht im Verdacht, nicht existierende Bohrgeräte an Leasinggesellschaften verkauft und anschließend wieder zurück gemietet zu haben. Die Gläubiger der inzwischen in die Insolvenz gegangenen Firma haben Forderungen von insgesamt 4,3 Mrd. DM geltend gemacht. Die Insolvenzverwalter und das Oberlandesgericht Karlsruhe schätzen den durch Flowtex entstandenen Maximalschaden nach eigenen Angaben auf etwa 3,4 Mrd. DM. Die beiden Firmenchefs der Flowtex-Gruppe, Manfred Schmider und Klaus Kleiser, sitzen seit rund einem Jahr in Untersuchungshaft. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Montag berichtet, eine von Wolf vertretene Gruppe von 78 Gläubigern - zu denen auch Dresdner Bank und Commerzbank gehörten - fordere von der KPMG rund zwei Mrd. DM Schadenersatz.

Gläubiger-Anwalt Wolf schloss eine außergerichtliche Einigung der Flowtex-Gläubiger mit der KPMG nicht aus. Die Anwälte beider Seiten würden am Mittwoch in Frankfurt zusammentreffen, sagte er auf Reuters-Anfrage. Er habe allerdings noch keine Signale, ob KPMG eine außergerichtliche Einigung anstrebe oder es auf einen Streit vor Gericht ankommen lassen wolle. Dresdner und Commerzbank bestätigten auf Anfrage, dass sie zu der Gläubiger-Gruppe gehören. "Die Gruppe der Gläubiger ist zu dem Schluss gekommen, dass eine Schadensersatzforderung gerechtfertigt ist. Jetzt müssen erst einmal die Juristen sprechen", sagte ein Commerzbank-Sprecher. Zur Höhe ihres Kreditengagement bei Flowtex machten beide Banken keine Angaben.

Die KPMG hatte früher bereits angekündigt, sich gegen jegliche Schadenersatzforderungen zur Wehr setzen zu wollen. "KPMG trifft keine Schuld", sagte die Sprecherin der Prüfungsgesellschaft auch am Montag. Bei dem am Mittwoch anberaumten Treffen der Anwälte beider Seiten gehe es um die Erörterung der Sach- und Rechtslage, "nicht mehr und nicht weniger". Das ganze Ausmaß des "kriminellen Handelns" werde erst dann auf dem Tisch liegen, wenn die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgeschlossen seien, sagte die KPMG-Sprecherin. Sie verwies auch darauf, dass ihre Gesellschaft das Mandat bei Flowtex erst 1998 für die Erstellung des Jahresabschlusses 1997 übernommen habe. Die KPMG war bereits als Prüfer des beinahe in die Firmen-Pleite gegangenen Baukonzerns Philipp Holzmann sowie im Zusammenhang mit umstrittenen Immobilien-Bewertungen bei der Fusion der Bayerischen Vereinsbank und der Münchner Hypotheken- und Wechselbank zur HypoVereinsbank in die Schlagzeilen geraten.

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