Gläubiger halten Übernahme noch im Frühjahr für möglich
GM und Daewoo nähern sich an

Die Hinweise auf eine Annäherung verdichten sich: Der US-Autokonzern General Motors wird möglicherweise den koreanische Konkurrenten Daewoo Motor noch vor dem Sommer übernehmen. Mit Hilfe von Daewoo könnten die Amerikaner ihre Wettbewerbsposition in Asien verbessern.

HB/zel SEOUL/DÜSSELDORF. Der US-Autobauer General Motors (GM) und Daewoo Motor sind sich bei den Gesprächen über eine mögliche Übernahme des koreanischen Automobilherstellers näher gekommen. Beide Seiten bestätigten, dass wichtige Konfliktpunkte während der laufenden Verhandlungen ausgeräumt worden seien. Gläubigerkreise in Seoul schließen eine Einigung mit dem US-Autokonzern in diesem Frühjahr nicht mehr aus. Die GM-Seite reagiert dennoch mit Vorsicht - zu oft habe es während der nun bald drei Jahre laufenden Gespräche Rückschläge gegeben.

Lee Young-Kook, Präsident von Daewoo, sagte, es seien nur noch "kleinere Punkte" zu klären. Ein GM-Sprecher sprach hingegen davon, dass weitere harte Verhandlungen zu erwarten seien.

Heftigster Streitpunkt bei einer bevorstehenden Übernahme von Daewoo durch GM ist die Beteiligung der Gewerkschaften, die nach koreanischem Recht ein starkes Mitspracherecht besitzen. Beobachter in Seoul werteten es als positives Zeichen, dass es zu Wochenbeginn erstmals zu einem direkten Zusammentreffen von GM-Managern und Gewerkschaftsvertretern gekommen ist. Die Arbeitnehmerseite wehrt sich gegen einen massiven Stellenabbau; Der US-Autokonzern will nur einen Teil von Daewoo Motor übernehmen.

Auch unter den Gläubigerbanken wächst die Zahl der optimistischen Stimmen. Die staatliche Korean Development Bank (KDB), das wichtigste Geldinstitut aus dem Kreis der Gläubiger, sieht die Gespräche mit General Motors im "letzten Stadium". Ein KDB-Sprecher sagte, dass derzeit ein Vertrag über den Verkauf der Daewoo-Vermögenswerte an GM entworfen werde. Anwälte beider Seiten verhandelten über Kernpunkte des Kontraktes. Ungeklärt sei noch, wie viele Daewoo-Auslandstöchter GM übernehmen wolle und wie Daewoo-Altschulden behandelt werden.

Im vergangenen September hatte General Motors in einem "Memorandum of Understanding" sein grundsätzliches Interesse zur Übernahme von Daewoo bekundet. GM wollte 400 Mill. $ für den Erwerb des zahlungsunfähigen koreanischen Konkurrenten zahlen. Beobachter in Seoul erwarten jedoch, dass GM mehr als 1 Mrd. $ bei Daewoo investieren muss. Der asiatische Autohersteller meldete vor gut drei Jahren Konkurs an und wird seitdem vom koreanischen Staat zwangsverwaltet. Ford - nach GM zweitgrößter US-Autokonzern - hatte vor zwei Jahren die Übernahme von Daewoo abgelehnt. Ford sah damals keine Möglichkeit, den koreanischen Wettbewerber wieder in die Gewinnzone zurückzuführen. Zudem war die Angst vor unentdeckten Altschulden groß.

"General Motors will die Marke Daewoo überhaupt nicht haben", sagte Ferdinand Dudenhöffer, Automobilprofessor an der Fachhochschule Gelsenkirchen, zur Strategie des US-Autokonzerns. GM sei vielmehr an den Produktionsanlagen und einem breiten Einstieg auf dem asiatischen Markt interessiert. Der koreanische Automarkt ist durch hohe Schutzzölle fast zu 100 % vor Importen geschützt. Aus Sicht Dudenhöffers könne GM mit Hilfe von Daewoo zusätzlich eine Offensive auf dem chinesischen Markt versuchen. Der amerikanische Automobilkonzern ist dort bislang noch wenig vertreten.

Innerhalb Asiens besitzt General Motors bislang lediglich in Japan eine starke Position. Dabei helfen die Beteiligungen an Isuzu (49 %), Suzuki (20 %) und Fuji Heavy (ebenfalls 20 %).

Dudenhöffer rechnet nicht damit, dass GM die Marke Daewoo im osteuropäischen Markt verwenden wird, wo die Koreaner mit eigenen Werken in Polen vertreten sind. Der flächendeckende Aufbau der Marke Daewoo werde zu teuer. GM werde sich statt dessen auf die Konzernmarke Opel und den russischen Partner Lada konzentrieren.

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