Gläubiger hoffen noch auf Wandelanleihe
Banken bangen um Mobilcom-Milliarden

Den Mobilcom-Banken steht Ärger ins Haus. Falls France Télécom der ungeliebten Beteiligung wirklich den Geldhahn zudrehen sollte, drohen nach den Krisenfällen Holzmann und Kirch auch bei der maroden Mobilcom Kreditausfälle in Milliardenhöhe. So weit wähnen sich die Gläubiger allerdings noch nicht. Sie zeigen sich noch zuversichtlich, dass die Verhandlungen mit den Franzosen zum Erfolg führen.

FRANKFURT/M. Ein Konsortium aus insgesamt 19 Instituten, darunter auch Deutsche Bank, Dresdner Bank und WestLB, hat Mobilcom rund 4,7 Milliarden Euro zur Finanzierung des Einstiegs ins UMTS-Geschäft geliehen. Diese Darlehen laufen Ende Juli aus, und ohne die Hilfe der France Télécom wird das deutsche Unternehmen aus Büdelsdorf keine Anschlussfinanzierung auf die Beine stellen können.

Die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit Mobilcom am Montagabend traf die Gläubigerbanken völlig unvorbereitet, nachdem sich die Institute am vergangenen Freitag in einer Telefonkonferenz bereits auf die Grundzüge einer Lösung verständigt hatten. Danach sollte France Télécom die Mobilcom-Kredite in eine Anleihe umwandeln, die die Banken später wieder in France- Télécom-Aktien tauschen können.

Wandelanleihe hätte Vorteile

Die Wandelanleihe hätte für France Télécom den Vorteil, dass sich der Schuldenberg von mehr als 60 Milliarden Euro durch die Übernahme der Mobilcom-Verbindlichkeiten nicht noch weiter erhöht. Das könnten sich die Franzosen kaum leisten, da die großen Ratingagenturen bereits mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit drohen. Dadurch würde nicht nur der künftige Finanzierungsspielraum enger, der Konzern müsste auch auf bereits platzierte Anleihen höhere Zinsen zahlen. Gestern hieß es aus dem Kreis der Gläubiger, die Verhandlungen mit den Franzosen über die Wandelanleihe liefen trotz des Eklats weiter. Auch France-Télécom-Finanzchef Jean Louis Vinciguerra betonte, sein Konzern sei weiter zu Gesprächen mit den Gläubigern bereit.

Die Analysten der Investmentbanken JP Morgan und Goldman Sachs gehen davon aus, dass France Télécom das Bankenkonsortium nicht vor den Kopf stoßen wird. Diese Meinung vertreten auch die Experten von Bear Stearns, die gleichzeitig aber warnen, dass die Konditionen der Wandelanleihe für die Gläubiger nicht sonderlich attraktiv ausfallen dürften.

Negative Signale aus Paris

Aus der France-Télécom-Zentrale dagegen kommen negative Signale. In Paris verdichten sich Hinweise darauf, dass die Franzosen von der Auffanglösung abrücken. Denn der Konzern hat offenbar nicht genug eigene Aktien zur Verfügung, um die Wandelanleihe zu decken. Von den 100 Millionen FranceTélécom-Anteilen, die von Vodafone zurückgekauft worden waren, stünden 50 Millionen schon gegen eine andere Wandelanleihe, hat ein Vertreter des Konzerns bei einer Präsentation in London eingeräumt. Die restlichen 50 Millionen Stück brauche man für andere Zwecke. So müsse eine Wandelanleihe früher oder später durch eine Kapitalerhöhung gedeckt werden. Eine Rekapitalisierung aber hatten France-Télécom-Boss Michel Bon und Wirtschaftsminister Francis Mer als Vertreter des Mehrheitsaktionärs Staat kategorisch ausgeschlossen.

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