Gläubiger stimmen Insolvenzplan zu
Herlitz ist gerettet

Die Gläubiger des Berliner Büroartikelherstellers Herlitz haben dem Insolvenzplan für den Konzern zugestimmt und damit den Weg für die Rettung des Traditionsunternehmens weitgehend geebnet.

Reuters BERLIN. Die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft teilte am Montag mit, alle Gläubiger hätten auf einer Gläubigerversammlung zu Wochenbeginn dem Plan von Insolvenzverwalter Peter Leonhardt ihre Zustimmung gegeben. Durch Forderungsverzichte in Millionenhöhe von Seiten der Gläubiger werde es möglich, die Bilanz des Unternehmens von Zins- und Schuldenlasten zu befreien und über das erfolgreich weiterlaufende operative Geschäft aus der Krise zu führen. Der Insolvenzplan müsse nun noch vom Amtsgericht Charlottenburg gerichtlich bestätigt werden und könne dann in Kraft treten. Herlitz selbst kündigte an, mit der Entscheidung der Gläubiger seien die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fortführung des Unternehmens geschaffen.

Die Herlitz-Aktie reagierte mit einem kräftigen Kursaufschlag auf die Nachricht. Auf dem Frankfurter Parket legte das Papier um 36 Prozent auf 5,10 Euro zu.

"Damit ist das erste Insolvenzverfahren bei einer börsennotierten AG in der Rekordzeit von zweieinhalb Monaten so gut wie abgeschlossen", erklärte Wirtschaftsstaatssekretär Volkmar Strauch (SPD) weiter. Fast alle Arbeitsplätze könnten damit erhalten werden. "Die Krise ist noch nicht vorüber, aber wir haben einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Rettung von Herlitz getan."

Herlitz hatte Anfang April wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Leonhardt will das Unternehmen im Kern fortführen und hatte angekündigt, dass nur rund 60 der etwa 2700 Stellen abgebaut würden.

Die Gläubigerbanken halten rund 70 Prozent an dem Unternehmen. Der Insolvenzplan sah nach früheren Angaben Leonhardts einen direkten Forderungsverzicht der Banken von knapp 40 Millionen Euro vor. Insgesamt sollte die Bankenverschuldung des Unternehmens von derzeit 265 Millionen Euro auf 80 Millionen Euro abgesenkt werden. Zudem sollten die Geldinstitute die Verfügungsgewalt über Herlitz-Grundstücke und-Immobilien im Buchwert von rund 170 Millionen erhalten, die einen der Bankenkredite abgesichert hatten. Der genaue Forderungsverzicht hängt damit von der Wertentwicklung der Grundstücke und Immobilien ab.

In Unternehmenskreisen hatte es am Freitag geheißen, bei einer Zustimmung zum Insolvenzplan würde Leonhardt in die Funktion eines so genannten Sachwalters rutschen und die Umsetzung des Insolvenzplanes bis Ende März 2004 quasi überwachen. Der Vorstand übernehme nun wieder endgültig das operative Geschäft.

Leonhardt hatte auch Gespräche mit Investoren zu einem Einstieg bei Herlitz geführt. Belastbare Angebote lagen nach Angaben eines Sprechers von Leonhardt bis Freitag nicht vor.

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