Gläubiger-Treffen in München – BskyB hat kein Interesse mehr an Premiere
Schlussverkauf bei Kirch Media

Der Ausverkauf der insolventen Kirch Media geht in die entscheidende Phase: Donnerstag treffen sich in München rund 300 Gläubiger. Erste Angebote liegen auf dem Tisch. Das Feilschen um den Preis geht los.

and/lip/mm/cbu MÜNCHEN. Ausgerechnet in einem Münchener Kino wollen sich heute die Gläubiger der insolventen Filmfirma Kirch Media treffen, um über die Zukunft zu beraten. Neben den wichtigsten Kirch-Banken Commerzbank, Hypo-Vereinsbank, DZ-Bank und Bayern LB sind alle übrigen Gläubiger geladen. Insolvenzverwalter Michael Jaffé will einen Überblick geben.

Die Interessenten für die attraktiven Teil des zusammen gebrochenen Medienkonzerns hatten bis gestern Zeit, vorläufige Angebote einzureichen. Aus Verhandlungskreisen heißt es, es seien bereits erste Kaufpreise genannt worden. Allerdings seien auch nach der Unternehmens-Prüfung (Due Diligence) von Kirch-Media durch die potenziellen Käufer noch wichtige Fragen offen geblieben. Bisher haben bis zu 150 Experten die Bücher in der Firmenzentrale in Ismaning gesichtet. Als voraussichtlicher Verkaufspreis gilt nach wie vor die Spanne von 1,8 bis 2,5 Mrd. Euro. Mit dem Verkauf ist die Schweizer Investmentbank UBS Warburg beauftragt.

Insider rechnen mit insgesamt fünf bis sechs Geboten. Ein Ziel der Gläubigerversammlung sei es, zu einer ersten Vorauswahl unter den Investoren zu kommen. Die Zahl der Bieter solle auf drei Konsortien eingeschränkt werden, die dann in die vertiefte Prüfung von Kirch Media einsteigen können. Möglichst noch im August soll dann der Zuschlag erteilt werden.

Bislang zwei Konsortien interessiert

Bislang haben zwei Konsortien offiziell ihr Interesse angemeldet. Zum einen die Verlage Bauer, Springer und Spiegel gemeinsam mit der Hypo-Vereinsbank. Zum anderen die Commerzbank gemeinsam mit dem japanischen Elektrokonzern Sony. Verhandelt wird noch über den Einstieg des französischen Fernsehsenders TF 1. Als drittes Konsortium kommt eine Verbindung aus Alteigentümern von Kirch Media in Frage, etwa News Corp des Medienzaren Rupert Murdoch, die von der Familie des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrollierte Mediaset und die Investmentbank Lehman Brothers.

Als Einzelinvestoren könnten darüber hinaus der amerikanische Medienkonzern Viacom und der US-Milliardär Haim Saban Gebote abgeben. Die attraktivsten Teile von Kirch Media sind die Mehrheitsbeteiligung am TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 sowie der Film- und Sportrechtehandel.

Der von Murdoch kontrollierte britische Pay-TV-Sender BSkyB hat dagegen kein Interesse mehr am deutschen Markt. "Da sollen andere ihr Geld verbrennen", sagte Firmenchef Tony Ball dem Handelsblatt in London. BSkyB war zuletzt als heißester Interessent für das ebenfalls insolvente Kirch-Bezahlfernsehen Premiere gehandelt worden.

BSkyB verfolge keine Pläne mehr in Deutschland, heißt es jetzt. Ball erwartet auch nicht, etwas von der bei Premiere investierten eine Mrd. Pfund (1,6 Mrd. Euro) wiederzusehen. "Es ist unwahrscheinlich einen erheblichen Betrag zu bekommen", so BSkyB gestern. Das Unternehmen hat sein Kirch-Engagement in der Bilanz bereits völlig abgeschrieben.

BSkyB besitzt über die insolvente Kirch Pay TV rund 22 Prozent an dem Bezahlfernseh-Kanal. Man beharre weiter auf der Forderung aus dem Anteil, so die Briten gestern. "Eine Lösung ist aber nicht in Sicht", sagte Ball. Auch Bertelsmann hatte zuletzt bei Premiere abgewunken. Premier-Chef Georg Kofler muss bis zum Herbst einen Investor finden, sonst droht auch hier die Insolvenz.

In eine neue Runde geht unterdessen der Streit zwischen Leo Kirch und dem Axel-Springer-Verlag. Kirch hat vor dem Amtsgericht Berlin eine einstweilige Verfügung beantragt, um doch noch eine außerordentliche Springer-Hauptversammlung zum 19. August einzuberufen. Über den Antrag will das Gericht Anfang nächster Woche entscheiden. Kirch und Springer lehnen eine Stellungnahme ab.

Aber auch wenn das Gericht zu Gunsten von Kirch entscheidet, gibt es kaum noch Chancen, das Aktionärstreffen rechtzeitig im August einzuberufen. Denn es gilt als sicher, dass das Verlagshaus gegen das Urteil Rechtsmittel einlegt. Damit will der Verlag ausreichend Zeit gewinnen, so dass das Aktionärstreffen erst im September statt finde. Dann allerdings ist der 40 %-Anteil am ASV schon von Kirch auf die Deutsch Bank übergegangen. So sieht es ein gerichtlicher Vergleich zwischen Kirch und der Deutschen Bank vor. Die Strategie Kirchs, die Position Springers zu schwächen, um die eigene Position als Verkäufer zu stärken, ginge damit nicht mehr auf. Bankkreise berichteten gestern, es sei zunehmend unwahrscheinlich, dass Kirch doch noch einen Käufer für die Beteiligung findet.

Quelle: Handelsblatt

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