Gläubigerausschuss diskutiert Zuschlag für Management und Ex-Adidas-Chef Louis-Dreyfus
Schneller Verkauf von Kirch Sport in Sicht

Der Verkauf der insolventen Kirch Media gestaltet sich weit schwieriger als gedacht. Die Sanierer werden auf der heutigen Gläubigerversammlung über die Probleme berichten. Fortschritte gibt es offenbar nur für die Schweizer Sportrechte-Tochter. Ein Verkauf an das Management steht angeblich kurz bevor.

HB DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Die Verhandlungen zum Verkauf der Kirch-Sportrechtetochter mit Sitz im schweizerischen Zug laufen auf Hochtouren. Beobachter rechnen mit einem baldigen Abschluss. "Es wird eine schnelle Lösung geben", hieß es gestern in Verhandlungskreisen. Auf der heutigen Gläubigerversammlung der Kirch Media, der Muttergesellschaft von Kirch Sport, könnte bereits ein separater Verkauf diskutiert werden. Ursprünglich sollte der Bereich zusammen mit dem Kerngeschäft veräußert werden. "Die Wahrscheinlichkeit, dass der Sport-Bereich getrennt verkauft wird, ist sehr hoch", sagte ein Insider.

Favorisiert ist für Kirch Sport derzeit ein Management-Buy-Out (MBO), also der Erwerb durch das derzeitige Management. Unterstützt wird die Kirch-Sport-Geschäftsführung dabei durch den finanzkräftigen französischen Investor Robert Louis-Dreyfus. Kirch Sport wird derzeit vom Ex-Fußballer Günther Netzer, dem US-Amerikaner John Kristick sowie Dominik Schmid und Chairman Oscar Frei geführt. Eine Stellungnahme war gestern nicht erhältlich. Als zweiter Bieter gelten Leo Kirch und seine rechte Hand Dieter Hahn. Der Weltfußballverband Fifa, der über ein Vetorecht verfügt, unterstützt aber offenbar den MBO.

Branchenkreise berichten, die Finanzierung solle über die Züricher Bank Credit Suisse First Boston (CSFB) laufen. Kirch Sport hält unter anderem die Rechte für die lukrative Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, die noch von Leo Kirch für etwa 1,6 Mrd. Schweizer Franken erworben worden waren.

Das Unternehmen, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der insolventen Kirch Media, gilt als einer der wenigen werthaltigen Teile des Medienkonzerns. Die Preise von Sportrechten sind zuletzt aber deutlich gefallen. Als Kaufpreis für Kirch Sport kursiert derzeit ein Betrag zwischen 300 und 500 Mill. Euro.

Fußball-Fan Louis-Dreyfus hatte in den neunziger Jahren den angeschlagenen Sportartikelkonzern Adidas gerettet. Dem umtriebigen Franzosen werden gute Beziehungen zur Fifa nachgesagt. Einen Erfolg können die beiden Kirch-Sanierer Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems sowie Insolvenzverwalter Michael Jaffé gut gebrauchen. Denn der Verkauf des Kerngeschäftes von Kirch Media - also der Lizenzhandel und die Mehrheitsbeteiligung am Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG - läuft schleppend. Ein Sprecher teilte zuletzt mit, der Verkaufsprozess, der von der Investmentbank UBS Warburg gelenkt wird, solle jetzt bis Mitte Oktober abgeschlossen sein. Aus Firmenkreisen gibt es aber Zweifel, ob das zu schaffen ist. Eine Verzögerung bis Ende Oktober sei wahrscheinlich, heißt es.

Zuletzt waren drei Bietergruppen für Kirch Media im Rennen. Neben einem Verbund aus Commerzbank und dem US-Filmstudio Sony Pictures sowie einer Gruppe aus dem französischen TV-Konzern TF 1 und dem US-Milliardär Haim Saban wollen auch die bisherigen Kirch-Media-Gesellschafter wie der Finanzkonzern Lehman Brothers, der Ölprinz Al Waleed sowie die Handelsgruppe Rewe den insolventen Medienkonzern übernehmen.

Auch ein Konsortium um die Verlage Springer und Bauer sowie die Hypo-Vereinsbank ist noch im Rennen. "Wir haben nach wie vor höchstes Interesse", sagte gestern Bauer-Sprecher Andreas Fritzenkötter. Eine Aufbesserung der Offerte dieser Bieter-Gruppe ist Brancheninformationen zufolge im Gespräch. Das Konsortium hatte zuletzt 1,4 Mrd. Euro für den Konzern ohne den Sportrechtehandel geboten.

Auch Veränderungen in der Zusammensetzung der Konsortien sind offenbar nach wie vor möglich. Kirch-Kreise berichteten gestern, dass Bauer möglicherweise mit der Commerzbank und Sony ein gemeinsames Angebot machen werde.

Quelle: Handelsblatt

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