Gläubigerbanken erhoffen sich aus Einzelverkauf von Joop, Cinque und Miles einen höheren Erlös
Insolvenz soll Zerlegung von Wünsche erleichtern

Die hoch verschuldete Modegruppe Wünsche wird voraussichtlich spätestens Anfang nächster Woche für die AG die Insolvenz anmelden. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der BHF-Bank, an die die Anteile der Wünsche-Tochter Joop verpfändet sind.

HB HAMBURG. Damit wollen vor allem die Gläubigerbanken - unter Führung der Hamburgischen Landesbank - einen schnellen Einzelverkauf der vier Beteiligungen der Wünsche AG erleichtern, hieß es in den BHF-Kreisen. Die Wünsche AG verfügt über die Joop GmbH, das Modehaus Cinque und die Handelsgesellschaft Miles sowie Jansen Textil.

Die Banken sehen in dem Weg zum Amtsgericht die einzige Chance, einen akzeptablen Verkaufspreis zu erreichen und so den Ausfall ihrer Kredite einzugrenzen. Ein einzelner Investor werde nicht bereit sein, den von den Banken geforderten Betrag für die Wünsche-Gruppe zu zahlen. Grund: Die Käufer scheuen die in der AG noch schlummernden Altlasten. Dazu gehören Risiken aus der Abwicklung der ehemaligen Immobilientochter Bau Verein zu Hamburg. -

"Die Entscheidung über einen Insolvenzantrag wird erst Ende dieser oder Anfang nächster Woche fallen", sagte der Wünsche-Vorstandschef Gerhard Janetzky dem Handelsblatt. Er hatte den Aktionären bereits Anfang Dezember offenbart, dass der Textilholding die Zahlungsunfähigkeit droht. Der Kurs der Wünsche-Aktie sank gestern um weitere 8 % auf 0,25 Euro.

Im Falle einer Insolvenz gibt es für die Joop GmbH offenbar bereits Kaufinteressenten: Es handelt sich hierbei nach Informationen aus Wünsche- Kreisen um den Luxusgüterkonzern LVMH (Moët Hennessy Louis Vuitton) sowie die Lancaster Group. Die Pariser Modeholding LVMH, die erst vor kurzem durch den Verkauf von Gucci-Anteilen ihre Konzernkasse um 1,15 Mrd. Euro aufgefüllt hat, wolle die angeschlagene Marke ohne den bereits vor Monaten ausgeschiedenen Designer Wolfgang Joop weiterführen. Die Pariser Lancaster Group plane hingegen die Übernahme von Teilen der Joop GmbH, hieß es. Der Kosmetikhersteller wolle so verhindern, dass ihm ein jährlicher Lizenzerlös von rund 180 Mill. DM aus dem Verkauf von Joop- Parfüm wegbreche. Beide Unternehmen wollten sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

An einem Kauf der rentabel arbeitenden Miles ist hingegen die Wünsche Handelsgesellschaft interessiert, die dem ehemaligen Wünsche-Vorstand Wolf-Jürgen Wünsche gehört. "Wir sind bereit, Miles aus der Insolvenz zu übernehmen", sagte der Geschäftsführer. Er strebe dann die Verschmelzung mit der Tochter Promtex an, die Mode für Handelskonzerne wie Aldi und Tengelmann produziert. Wolf-Jürgen Wünsche war 1992 nach jahrelangem Streit mit seinem Bruder Kai Wünsche aus der AG ausgeschieden.

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