Gläubigerbanken mit Zerschlagungsplänen
Babcock-Krisengipfel noch immer ohne Ergebnis

Das Krisengespräch zur Rettung des angeschlagenen Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig hat auch bis zum frühen Mittwochabend in der Düsseldorfer Staatskanzlei noch kein Ergebnis gebracht.

dpa DÜSSELDORF. Am Ende der Runde, die auf Drängen von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD), zu Stande kam, werde entweder die Rettung oder der Insolvenzantrag des Konzerns stehen, sagte ein Babcock-Sprecher. An dem Gespräch nahmen Politiker, Gläubigerbanken, Anteilseigner und der US-Investor One Equity Partners (OEP) teil, der die Mehrheit der HDW-Aktien erworben hat.

Zum Inhalt der Beratung hatte Babcock-Aufsichtsratschef Friedel Neuber vor dem Beginn gesagt, es werde über ein Finanzierungskonzept für Babcock gesprochen. Dem Konzern fehlen nach Angaben von Clement für die Umsetzung des Sanierungskonzeptes der Unternehmensberatung Roland Berger 700 Millionen Euro. "Die Gespräche stehen unter äußerstem Zeitdruck", hatte der Ministerpräsident betont. Als hoffnungsvoller Ansatz wurde von dem Unternehmen die Verringerung einer Sicherungsleistung im Kölner Müllskandal von 143 auf 25 Millionen Euro angesehen.

Zeitungsberichten zufolge sollen führenden Gläubigerbanken mit einem Zerschlagungsplan in die Gespräche gegangen sein. Dazu zähle auch der Verkauf des US-Energiegeschäfts an OEP, das eine Milliarde Euro einbringen könne. OEP hat bereits die Mehrheit an der profitablen Kieler U-Boot- und Schiffswerft HDW erworben, die zuletzt bei Babcock lag. Die Beteiligten an dem Krisengespräch wollten vor dem Beginn des Gesprächs nichts zu einem Verkauf des US-Geschäfts sagen. Ein Babcock-Sprecher sagte, OEP könnte sich auch am Sanierungskonzept beteiligen.

Neben dem US-Energiegeschäft könnten den Berichten nach auch der Anlagenbau für Müllverbrennung und die Tochter Babcock Borsig Power verkauft werden. Sie könnten an den Schweizer Konzern Von Roll und die französische Alstom gehen. So könnten die meisten Arbeitsplätze gerettet werden und auch die Banken ihre Kredite absichern.

Die Gläubigerbanken hätten so die WestLB als Anteilseigner unter Handlungsdruck gesetzt, hieß es. Falls die WestLB nicht die Hauptlast von 250 bis 300 Millionen Euro in Form von Überbrückungskrediten und Kapitalerhöhungen trage, wollten Gläubigerbanken das Zerschlagungskonzept umsetzen.

An dem Treffen in Düsseldorf beteiligten sich neben Clement und zwei Fachministern 13 Vertreter des Unternehmens, von Banken und Anteilseignern. Dazu zählen die Babcock-Vorstände, der Aufsichtsratschef von Babcock und TUI (vormals Preussag), Neuber, sowie Beauftragte von Commerzbank, Dresdner Bank, HypoVereinsbank, BHF, WestLB, Deutsche Bank. An den Beratungen nahmen auch die Roland Berger Unternehmensberatung sowie Oberhausens Oberbürgermeister Burkhard Drescher teil.

An diesem Mittwoch (3.7.) werden gestundete Lohn- und Gehaltszahlungen für die weltweit rund 22 000 Beschäftigten fällig. Der Betrag wird auf 50 Millionen Euro beziffert.

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