Gläubigerbanken streben offenbar eine Fortführung der rentablen Geschäfte an
Kirch-Gruppe hat Insolvenzantrag gestellt

Die Kirch-Gruppe hat am Montag Insolvenz für ihre Kerngesellschaft beantragt. Der Insolvenzantrag für die Filmproduktions- und Rechtehandelsgesellschaft Kirch-Media sei eingegangen, teilte das Amtsgericht München am Vormittag mit.

Reuters MÜNCHEN. Damit wurden den monatelangen Spekulationen über die Finanzkrise des Münchener Medienkonzerns, der in ganz Deutschland mehr als 9 000 Mitarbeiter beschäftigt, ein Ende gesetzt. Die Kirch-Media-Gläubigerbanken streben nach Angaben aus Finanzkreisen aber eine Fortführung der rentablen Geschäfte an und wollten erste Grundzüge einer Auffanglösung auf noch am Nachmittag in München präsentieren. Nach der Insolvenz des Kerngeschäfts gilt es als wahrscheinlich, dass auch der defizitäre Kirch-PayTV-Sender Premiere und die Kirch-Dachgesellschaft TaurusHolding Insolvenz anmelden werden.

Die wochenlangen Verhandlungen der Gläubigerbanken Bayerische Landesbank, HypoVereinsbank, Commerzbank und DZ Bank mit den Kirch-Minderheitsgesellschaftern um den australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch und den Mediaset-Konzern des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi waren in der vergangenen Woche gescheitert. Kirch-Media verfügt über die größte Filmbibliothek Deutschlands und hält die Mehrheit an der Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media AG, die nach Angaben von Vorstandschef Urs Rohner aber nicht unmittelbar von der Kirch-Media-Insolvenz betroffen ist.

Gläubigerbanken wollen Auffanglösung präsentieren

Gegen 15.00 Uhr sei in München eine Pressekonferenz mit dem vor rund einem Monat eingesetzten Kirch-Sanierer Wolfgang van Betteray und mehreren Vorständen der Gläubigerbanken geplant, hieß es in Bankenkreisen. Von Seiten der Kreditinstitute sollen auf jeden Fall die Vorstände Wolfgang Hartmann (Commerzbank), Bedo Panner (DZ Bank) sowie Dietrich Wolf von der BayernLB anwesend sein.

Die Gläubigerbanken wollen nach Angaben aus Branchenkreisen nun möglichst schnell die Weichen für die Fortführung der rentablen Geschäfte stellen. Dazu sollten strategische Investoren mit ins Boot geholt werden, mit dem Axel Springer Verlag als einem Wunschpartner. Erste Gespräche seien schon geführt worden und der Verlag habe sein grundsätzliches Interesse signalisiert. Auch ein Einstieg von ausländischen Investoren sei nicht ausgeschlossen. Nach der langwierigen Pokerpartie mit den Gesellschaftern um Murdoch und Berlusconi wolle man einen erneuten Verhandlungsmarathon aber auf jeden Fall verhindern.

Insolvenz in Selbstverwaltung denkbar

Unklar blieb allerdings, ob das Amtsgericht einen unabhängigen Insolvenzverwalter einsetzen wird, oder eine so genannte "Insolvenz in Selbstverwaltung" mit dem vor rund einem Monat eingesetzten Sanierungsberater van Betteray als neuem Geschäftsführer zulasse. Eine solche Lösung streben nach Angaben aus Finanzkreisen die Gläubigerbanken an, weil Betteray mit den komplexen Strukturen des Kirch-Konzerns bereits vertraut sei.

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