Glasklares Bild auf Riesen-Fernseher
Loewe bringt neue TV-Generation auf den Markt

Nach jahrelanger Stagnation gibt es jetzt einen Innovationsschub in der Produktion von Fernsehgeräten. Gleich mehrere Ansätze machen die traditionelle Bildröhre überflüssig. Besonders gute Absatzchancen verspricht eine spezielle Spiegeltechnik, auf die zum Beispiel der deutsche Hersteller Loewe setzt.

MÜNCHEN. Bei der Technologie in TV-Geräten tut sich einiges: Statt der herkömmlichen Bildröhren werden in den kleinen Kategorien die LCD-Bildschirme immer wichtiger, bei den großen Formaten sind die Plasma-Monitore auf dem Vormarsch. Und als Alternative zu den teuren Flachmonitoren bieten sich Rückprojektion an - wahlweise mit drei Bildröhren, mit Flüssigkristallelementen (LCD) oder mit spiegelnden Mini-Chips.

Führend in der letzten Technik ist der US-Konzern Texas Instruments, der seine "Digital Light Processing"-Technologie (DLP) mit zunehmendem Erfolg als Ersatz für die Bildröhre im Fernseher positioniert. Als erster europäischer Hersteller hat Loewe eine Entwicklung auf DLP-Basis vorgestellt. Das Know-how in Sachen Lichtverarbeitung holte sich die Firma von Carl Zeiss Jena. Bei der DLP-Technik muss das Licht einer Lampe auf die Spiegelfläche gelenkt werden, auf der bis zu einer Million Bildpunkte durch Kippen hell oder dunkel geschaltet werden. Um so ein klares TV-Bild zu erzeugen, gilt es die Strahlen exakt zu bündeln und später das erwünschte Licht sauber vom unerwünschten zu trennen. Das gelingt den Jenaern mittlerweile so gut, dass Texas Instruments ihre Entwicklung zum Referenzdesign erhoben hat.

Fernseher mit geringer Tiefe

Bisher fertigten die Thüringer allerdings nur für Frontprojektoren, so genannte Beamer, wie sie bei Liesegang in Düsseldorf oder beim amerikanischen Weltmarktführer InFocus montiert werden. Für den TV-Rückprojektor von Loewe war jedoch ein spezielles Optikdesign notwendig. Hier kommt es auf die sehr kurze Entfernung von der Lichtquelle zum Bildschirm an. Diese geringe Entfernung ermöglicht eine geringe Bautiefe und damit ein niedriges Gewicht. So soll das Loewe-Gerät rund 40 Zentimeter tief sein, was einem Röhrenfernseher von 52 Zentimetern Bildgröße entspricht. Der Loewe wird mit seiner Scheibe von stattlichen 1,40 Metern jedoch eine Größenordnung erreichen, die mit der klassischen Röhre gar nicht realisierbar wäre.

Beim DLP-Spiegelchip selbst haben sich die Loewe-Strategen für die anspruchsvollste Version entschieden. Sie arbeitet mit 720 Bildzeilen von jeweils 1 280 Punkten, liefert also eine wesentlich höhere Auflösung als der gängige PAL-Fernsehstandard. Die Kronacher haben damit vor allem den US-Markt im Visier, wo großformatige Fernseher sehr gefragt sind. Dort liefert das digitale hoch auflösende Fernsehen entsprechend exzellente Bilder.

Investiert wird auch in die Frontscheibe des Gerätes, die von der Firma Berliner Glas geliefert wird. Die Spezialanfertigung verbessert den Bildeindruck, indem sie das Fremdlicht dämpft. Außerdem lässt sie das Gerät hochwertiger erscheinen, denn die Rückprojektionsfolien hinter der Scheibe machen sonst einen matten, billigen Eindruck.

Rückprojektion kontra Flüssigkristall-Displays

Den Abschied von der Bildröhre streben auch andere Firmen an. So setzen die beiden großen europäischen Hersteller Philips und Thomson in Zukunft eher auf spiegelnde Flüssigkristallschirme für die Rückprojektion. Sony arbeitet dagegen in seinem "Grand Wega"-Modell mit selbst entwickelten konventionellen Flüssigkristallschirmen.

Verschiedene andere japanische Hersteller haben sich schon an DLP versucht, diese Modelle aber erst einmal zaghaft auf dem US-Markt verbreitet. Aggressiv auf diese Technologie setzen dagegen nun die Koreaner: Samsung und LG Electronics wollen noch im Laufe dieses Jahres DLP-Rückprojektoren zu niedrigen Preisen in deutsche Geschäfte bringen - in der Ausstattung allerdings deutlich unter Loewe angesiedelt.

An Plasma-Fernsehern arbeiten ebenfalls alle großen Hersteller, doch "hier haben sich die Prognosen nicht erfüllt, was den raschen Fall der Herstellungskosten angeht", sagt Loewe-Technikvorstand Gerhard Schaas. Mit einem angepeilten Preis von 5 000 Euro für ihren DLP-Fernseher liegen die Kronacher denn auch bei einem Bruchteil dessen, was Plasma-Schirme vergleichbarer Größe kosten (1 5000 bis 30 000 Euro). Die Produktion des Gerätes soll Mitte 2003 beginnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%