Glaubensbrüder unter einem Dach vereinen
"Kalif von Köln" wollte mit Bin Laden "Kalifatsstaat" gründen

Der als "Kalif von Köln" bekannt gewordene islamische Fundamentalistenführer Metin Kaplan hat nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft versucht, mit dem Moslemextremisten Osama bin Laden einen gemeinsamen "Kalifatsstaat" zu gründen.

afp KARLSRUHE/HAMBURG. Mitarbeiter Kaplans seien wahrscheinlich in den Jahren 1996 und 1997 zu Verhandlungen über eine enge Zusammenarbeit mit Bin Laden in Afghanistan gewesen, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft am Montag in Karlsruhe. Ziel der Gespräche sei gewesen, die Glaubensbrüder unter einem Dach zu vereinen. Allerdings seien die Verhandlungen damals gescheitert. Weitere Erkenntnisse hätten die Ermittler nicht. Der "Stern" berichtete unterdessen am Montag vorab, dass deutsche Beamte bei ihren Ermittlungen zu den Hintergründen der US-Anschläge auch einen seit sechs Jahren in Hamburg lebenden Marrokaner ins Visier genommen hätten.

Eine zumindest indirekte Nähe Kaplans mit dem als möglichem Drahtzieher der US-Anschläge geltenden Bin Laden war bereits im vergangenen November in einem Urteil des Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG). Das OLG warf Mitgliedern des «Kalifatsstaat» damals vor, das islamische Recht, die Scharia, über die deutsche Verfassung zu stellen. Die von Kaplans Vater Cemettin gegründete Gruppe wolle die ganze Welt der Herrschaft des Islam unterwerfen und Glaubensabtrünnige töten. Metin Kaplan war in dem Prozess zu vier Jahren Haft wegen Aufrufs zum Mord verurteilt worden. Er hatte im September 1996 zur Tötung eines Gegenkalifen in Berlin aufgerufen. Sein Rivale Halil Ibrahim Sofu war im Mai 1997 von drei Unbekannten in Berlin erschossen worden.

Wie der "Stern" berichtete, soll der 27 Jahre alte Monnir El M. in engem Kontakt zu den mutmaßlichen Terroristen vom 11. September gestanden haben. Monnir El M. gehörte demnach zu einer Islam-AG, deren Vorsitzender Mohammed Atta war. Nach FBI-Informationen, die dem "Stern" nach eigenen Angaben vorliegen, unterschrieb der an der Technischen Universität Hamburg-Harburg als Elektrotechnik-Student eingeschriebene M. 1996 als Zeuge das Testament Attas, das die Polizei in dessen Mietwagen am Bostoner Flughafen fand.

Geld an Atta überwiesen

Im Mai 2000 habe M. zudem 2 100 DM an Atta überwiesen und am 6. September 2000 5 000 DM auf das Konto von von Ramzi Mohamed Adullah Binalshibh eingezahlt, der als einer der Logistiker des Attentats per Haftbefehl gesucht wird. Zudem habe M. auch eine Vollmacht für das Konto von Marwan al-Schehhi besessen, dem zweiten Todespiloten von New York. Monnir El M. bestätigte dem "Stern", Atta und al-Schehhi gekannt zu haben. "Aber ich habe die beiden seit zwei Jahren nicht mehr gesehen. Und ich habe auch nicht Attas Testament beglaubigt." Gegenseitige Kontovollmachten seien unter Ausländern üblich. Einem Sprecher der Bundesanwaltschaft zufolge befindet sich Monnir El M. nicht in Haft. Weitere Angaben wollte die Behörde zu dem "Stern"-Bericht nicht machen.

Laut Bundesanwaltschaft gibt es noch keine Neuigkeiten zu den Ermittlungen gegen die drei am Donnerstag in Wiesbaden verhafteten mutmaßlichen islamischen Terroristen. Der "Wiesbadener Kurier" berichtete, dass die Familie des festgenommenen Talip T. wenige Tage nach den Anschlägen in den USA verschwunden sei. "Von heute auf morgen waren Frau und Kinder weg", zitierte das Blatt einen Nachbarn. Generalbundesanwalt Kay Nehm wirft den Festgenommenen - einen Türken und zwei Jemeniten - "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung mit fundamentalistisch-islamistischem Hintergrund" vor.

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