Glaubenssache
Dax ohne Aktien: Unternehmensanleihen statt Dividendenpapiere

Viele Wege führen zum Dax - zwei davon sind Aktien und Unternehmensanleihen. Doch interessanterweise gibt es auch im Lager der Anlageprofis kaum Studien darüber, welche Wertpapierform mittel- oder auch langfristig im direkten Vergleich zu bevorzugen ist.

Das ist insofern bemerkenswert, als doch gern die Diskussion Aktien contra Renten geführt wird. Aber es handelt sich offenbar mehr um eine Glaubenssache als einen Meinungsaustausch auf fundierter Datengrundlage.

"In bestimmten Marktphasen schneiden Unternehmensanleihen besser ab als Aktien", erklärt dazu Daniel Scharpenack, Fondsmanager des FT Euro Corporates. Ein gutes Beispiel wird voraussichtlich das laufende Jahr werden, in dem die Bonds klar besser abschneiden als die Dividendenpapiere.

Wenn man für einen Investor eine "Buy and Hold"-Strategie voraussetzt, also den Kauf einer Anleihe und das Halten bis zur Endfälligkeit, so bleibt auch die Rendite zum Zeitpunkt der Anschaffung über die Restlaufzeit gleich. Und im Moment sei das Renditeniveau beispielsweise bei Anleihen von Automobilherstellern attraktiv, meint Bernhard Jeggle, Credit Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Hohe "Zitterprämien"

Denn die "Zitterprämie", also der Renditeaufschlag gegenüber vergleichbaren Anleihen des Bundes, sei mit über 150 Basispunkten - entsprechend 1,5 Prozentpunkten - recht hoch. So bekomme der Investor für eine Daimler-Chrysler-Anleihe, die in Euro notiert und im März 2006 fällig wird, eine Rendite von aktuell rund 5,30 Prozent. Allerdings waren es vor ein paar Tagen noch fast 5,35 Prozent - die Bonds der Autohersteller sind gefragt. Die Aktie müsste zum Vergleich also durchschnittlich in jedem Jahr - gemessen an der Kombination aus Dividende und Kurssteigerung - mehr abwerfen, um die bessere Alternative zu sein.

Zwar wird man das der Aktie angesichts des immer noch niedrigen Ausgangsniveaus gern zutrauen, sicher ist dies aber nicht. Wenn der Aktienmarkt nämlich in eine mehrjährige Rezession läuft und die Aktie stagniert, dann wäre man mit Unternehmensanleihen besser aufgehoben. Und der Anleger kann das Auf und Ab an den Börsen mit Anleihen gelassener sehen, denn die Volatilität - die man mit Schwankungsanfälligkeit übersetzen kann - ist geringer als bei den Aktien.

Ein Portefeuille aus Unternehmensanleihen habe in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von etwa 13 Prozent abgeworfen, erklärt Fondsmanager Scharpenack, während die Aktien bekanntlich abtauchten.

Unternehmensanleihen haben auch Nachteile

Andererseits haben Unternehmensanleihen auch einige Nachteile. Während man bei den Aktien nur zwischen Stämmen und Vorzügen aussuchen muss, seien bei den festverzinslichen Papieren gleich mehrere Emissionen mit verschiedenen Laufzeiten in Umlauf, sagt Claus Huber, Rentenstratege bei der Deutschen Bank. Außerdem haben die Kuponpapiere der Unternehmen ein Ausfallrisiko, das vor allem in Rezessionszeiten wieder in Erinnerung gerufen wird. "Als Anleihekäufer sollte man grundsätzlich Sicherheit präferieren", mahnt Huber.

Analyst Jeggle von der LBBW empfiehlt, immer die jüngste Emission zu nehmen, weil die in der Regel am liquidesten ist. Je kürzer die Restlaufzeit, umso schlechter kann man die Papiere verkaufen. Dabei ist es für Privatanleger teuer, mit den Papieren zu handeln, denn neben einer Provision von in der Regel einem Prozent sind die Ankaufs- und Verkaufsspannen mit 0,1 bis 0,5 Prozentpunkten zu berücksichtigen. Wenn man bedenke, dass die durchschnittlichen Renditeaufschläge bei den Corporate Bonds mit Spitzenratings (Noten für die Sicherheit) von AAA bis A nur 0,24 bis 0,98 Prozentpunkte ausmachten, dann müsse der Anleger schon wegen der Gebühren die Papiere bis zum Laufzeitende halten, sagt Huber. Im Vordergrund stehe bei den Rentenpapieren der Unternehmen das regelmäßige periodische Einkommen, weniger das Kurspotenzial.

Dagegen ist es mit Aktien möglich, auch mal einen kurzen Kursanstieg mitzumachen - und dann wieder auszusteigen.

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