Glaubwürdigkeit Bushs in Zweifel gezogen
US-Kongress schaltet sich in Streit um irakische Waffen ein

Der amerikanische Kongress will klären, ob die Regierung Bush die Gefahr durch irakische Massenvernichtungswaffen übertrieben hat. Zwei Ausschüsse des Senats wollen wahrscheinlich noch in diesem Monat gemeinsame Anhörungen durchführen, teilte der republikanische Senator John Warner nach Medienberichten vom Montag mit.

HB/dpa WASHINGTON. Warner sagte zur Begründung, dass die Glaubwürdigkeit besonders von Präsident George W. Bush, Außenminister Colin Powell, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und CIA-Direktor George Tenet in Zweifel gezogen werde.

Die USA und Großbritannien stehen fast zwei Monate nach dem Irak- Krieg im Kreuzfeuer internationaler Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten die Gefährdung durch diese Waffen dramatisiert, um einen Grund für den Irak-Krieg zu haben. In einem ins Internet gestellten Memorandum beschuldigten auch frühere US-Geheimdienstexperten die Regierung, noch nie seien Geheimdienstinformationen auf solch systematische Art verdreht worden, um die Zustimmung des Kongresses für einen Krieg zu gewinnen. CIA-Direktor Tenet hat dies bestritten und die "Integrität" der Informationssammlung verteidigt.

Der russische Vizeaußenminister Juri Fedotow forderte die USA am Montag in Moskau auf, den Vereinten Nationen bereits am Donnerstag einen Bericht über die Waffenprogramme des Iraks vorzulegen. "Diese Frage kann sich nicht ewig hinziehen", sagte er nach Angaben der Agentur Interfax. Am Donnerstag steht laut Fedotow auch der Quartalsbericht der UN-Waffeninspekteure zur Beratung im Rat an.

Washington und London erklären sich davon überzeugt, die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen nachweisen zu können. Nach Angaben eines irakischen Wissenschaftlers hätten in für zivile wie militärische Zwecke gleichermaßen nutzbaren Industrieanlagen im Irak jederzeit chemische und biologische Waffen produziert werden können. Die Aussagen des Irakers vom 7. Mai wurden der "Washington Post" von der US-Regierung zur Verfügung gestellt, wie das Blatt am Montag berichtete. Zwei im Nordirak gefundenen Lastwagen, die nach Angaben Washingtons als mobile Labors zur Herstellung von biologischen Kampfstoffen ausgestattet waren, seien Beweis für diese Strategie.

Die "Washington Post" berichtet weiter, die Alliierten im Irak wollten eine Interimsregierung ernennen statt sie von einer Versammlung wählen zu lassen. Dazu sollten 25 bis 30 Personen für ein Gremium bestimmt werden, das die amerikanischen und britischen Besatzer beraten solle, berichtete das Blatt unter Berufung auf einen hochgestellten US-Beamten. Ursprünglich sollte eine nationale Konferenz als ersten Schritt zur Rückgabe der Verantwortung an die Iraker im kommenden Monat eine Übergangsregierung wählen.

In Bagdad demonstrierten am Montag rund 1500 Offiziere der irakischen Armee gegen die Auflösung ihrer Einheiten durch die amerikanische Zivilverwaltung. Die Demonstranten, die meisten von ihnen im fortgeschrittenen Alter, forderten außerdem die Auszahlung ihrer Gehälter für die Monate April und Mai.

Die US-Armee fasste unterdessen in der nordirakischen Stadt Kirkuk nach Angaben des amerikanischen Zentralkommandos in Katar einen ehemaligen Leibwächter von Saddam Husseins Sohn Udai. Bei der gleichen Razzia seien am Sonntag außerdem sechs andere mutmaßliche Angehörige des alten Regimes festgenommen worden.

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