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Global erfolgreich

Die schlechten Arbeitsmarktzahlen vom März heizen die Debatte um Outsourcing, die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, an. Schon besteht der Eindruck, Deutschland verliere auf Nimmerwiedersehen beträchtliche Teile seiner Industrie und Dienstleistungen.

Tatsächlich vollzieht sich etwas anderes: Deutsche Unternehmen nutzen neue Märkte im Ausland, indem sie dort investieren. Zugleich kommen aber auch neue Investoren nach Deutschland. Dieser Unterschied ist wichtig: Deutschland läuft nicht leer, das Kapital flieht nicht - vielmehr setzt sich die Internationalisierung fort.

Deutschland profitiert davon in erstaunlich großem Umfang: Den neuesten Zahlen der Unctad zufolge haben zwischen 1999 und 2002 Ausländer im Schnitt jährlich 25,8 Milliarden Euro mehr in Deutschland investiert als Deutsche im Ausland. Und die deutschen Unternehmen, die eine Produktion im Ausland aufnehmen, sind zugleich diejenigen, die Jobs im Inland schaffen. Das hat sogar der DGB verstanden und verzichtet auf protektionistische Forderungen - deshalb ist es unsinnig, mit Abwanderung zu "drohen".

Trotzdem hinterlässt diese Veränderung ihre Spuren. Eine Studie des DIW zeigt, dass durch die Globalisierung die Entlohnung einfacher Arbeiten in Deutschland gesunken ist. Gleichzeitig erzielen hoch Qualifizierte höhere Einkommen. Das zeigt, dass eine Wirtschaftspolitik der Abschottung des Arbeitsmarkts ins Leere läuft. Die Verlierer müssen aufgefangen werden. Die Wirtschaftspolitik aber muss sich intensiver darum bemühen, dass wir mehr Gewinner der Globalisierung haben.

Marktöffnung hilft da. In den USA steigt die Beschäftigung im Saldo, aber es gibt regional wahre Springfluten: Kalifornien hat in einem Jahr 44.000 Computer-Jobs verloren, aber gleichzeitig 32.000 Dienstleistungsstellen in Büros und Verwaltungen dazu gewonnen. In Deutschland sind so gravierende Verschiebungen viel eher mit grenzüberschreitenden Verlagerungen verbunden. Anders als die USA schaffen wir erst noch den großen Markt: den EU-Binnenmarkt. Er wird vielen eine neue Mobilität abverlangen - regional und sektoral. Die Wirtschaft insgesamt macht er aber robuster und erfolgreicher.

Quelle: Handelsblatt online 07.04.2004

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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