Globale Ambitionen des schwedischen Versicherers gescheitert
Skandia kehrt US-Markt den Rücken

Der schwedische Versicherungskonzern Skandia muss eine schwere Schlappe einstecken. Nordeuropas größter Versicherer gab nach hohen Verlusten seinen Rückzug aus dem amerikanischen Fondsversicherungsgeschäft bekannt. Die US-Tochter American Skandia geht für 1,12 Mrd. Dollar an den Konkurrenten Prudential Financial.

STOCKHOLM. Der Traum des schwedischen Versicherungskonzerns Skandia, ein internationaler Finanzriese zu werden, ist geplatzt. Skandia will seine US-Sparte American Skandia an den amerikanischen Konkurrenten Prudential Financial für 1,15 Mrd. $ (1,12 Mrd. Euro) verkaufen. Damit zieht sich Nordeuropas größter Versicherungskonzern vollständig vom amerikanischen Markt zurück. Prudential ist der zweitgrößte US-Versicherer mit einem Verwaltungskapital von 533 Mrd. $. Die Übernahme muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Skandia will mit der Einnahme aus dem Verkauf der US-Sparte seinen Schuldenberg abbauen. Doch da die US-Sparte unter Buchwert verkauft wird, macht Skandia zunächst einen Netto-Verlust von 4,4 Mrd Kronen, die das vierte Quartal belasten.

Skandia-Chef Lars-Eric Pettersson will seinen Konzern nun stärker auf das Europa-Geschäft ausrichten. Er betonte, dass eine weitere Kapitalspritze für Skandia nicht geplant sei, kündigte aber ein Kostensenkungsprogramm für 2003 mit einem Volumen von rund 1 Mrd. Kronen an.

Die Skandia-Aktie zog in Stockholm am Freitag nach Bekanntgabe des Verkaufs um rund 14 % an. Seit Beginn des Jahres ist der Titel in Stockholm um fast 76 % gefallen. Skandias Rückzug vom US-Markt wurde von den meisten Analysten positiv bewertet, da die Schweden in den USA seit langem mit starken Gegenwind gekämpft haben. Allerdings betonten einige Experten, dass der Verkaufspreis zu niedrig gewesen sei. "Man kann dem Käufer nur gratulieren. Skandia musste zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt verkaufen", sagte Rodney Alven von Alfred Berg Fondkommission in Stockholm. Andere Analysten betonten den enormen Prestigeverlust, den der Verkauf für Skandia darstellt.

Erst im September hatte der Mutterkonzern seiner US-Tochter eine Kapitalspritze von 255 Mill. $ verabreicht. Durch die anhaltende Flaute auf den Börsenmärkten war der schwedische Versicherer bereits 2001 mit einem Minus von 2,1 Mrd. Kronen tief in die roten Zahlen gerutscht. Nach dem Einstieg in das US-Geschäft mit Fondsversicherungen 1987 konnte Skandia Ende der 90er Jahre große Erfolge auf dem Markt feiern. 1999 stand das US-Geschäft für 66 % des gesamten Skandia-Umsatzes.

Das Konzept mit den Unit-linked-Policies wurde jedoch schnell von den amerikanischen Konkurrenten kopiert. Gleichzeitig begann die Flaute auf den Aktienmärkten. Experten hatten deshalb seit längerem mit dem Rückzug gerechnet. "Wir werden jetzt eine kleinere, aber auch flexiblere Firma werden", betonte Petersson. Rechnet man die US-Sparte aus dem Ergebnis für das dritte Quartal dieses Jahres heraus, hätte Skandia ein Verwaltungskapital von 536 Mrd. Kronen gehabt und einen Umsatz von 57 Mrd. Kronen sowie einen Betriebsgewinn abzüglich der einmaligen Kosten von 1,8 Mrd. Kronen erwirtschaftet.

In den vergangenen Jahren hatte der schwedische Versicherungskonzern durch Zukäufe sein Profil immer stärker Richtung eines globalen Allfinanzkonzerns verändert. Neben der US-Sparte baute man mit finnischen und norwegischen Partnern den Schadensversicherer If auf und erwarb Anteile an der schwedischen Coop Bank. Skandia ist nach dem Ausstieg aus dem US-Geschäft noch in fast allen westeuropäischen Ländern, in Südamerika, Asien und Australien vertreten.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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