Globale Plattform für Wertpapierleihe greift den Telefonhandel an
Neue Handelsplattform deklassiert Konkurrenz

Equilend, eine neue Handelsplattform für den Verleih von Wertpapieren, feiert gute Erfolge. Doch von dem Ziel, den Telefonhandel zu ersetzen, ist die Plattform noch weit entfernt.

LONDON. Es überrascht, dass Equilend seinen Erfolg nicht stärker herausposaunt. Da eröffnet eine globale Kommunikations- und Handelsplattform für Wertpapierleihe ihr Geschäft im Juni, und schon in den ersten zwei Wochen verbucht sie 3600 Transaktionen mit Wertpapieren im Gesamtwert von 2,2 Mrd. $. Das von zehn führenden Finanzdienstleitstern ausgebrütete Handelssystem für Aktien lässt damit Konkurrenten wie SecFinex hinter sich, deren letzte veröffentliche Zahlen aus dem Jahr 2001 nur 300 Transaktionen notieren. Nur mitbekommen hat es bislang kaum einer.

Doch für Andreas Kollegger, Chairman des internationalen Komitees von Equilend, war die Zeit für Werbung bislang nicht gekommen. "Es funktionierte eher in die andere Richtung." Anfragen seien da, auch wenn sie sich noch nicht ausgezahlt haben: Vorerst bleiben die Gründungsmitglieder von Goldman Sachs über UBS Warburg und JP Morgan Chase unter sich.

Zehn Institute hatten im Mai 2001 die Equilend Holdings Llc gegründet. Entwickeln wollten sie eine Plattform, auf der potenzielle Wertpapierleiher und-verleiher standardisiert über Produkte verhandeln und sie austauschen können. Nach mehr als einem Jahr Entwicklungszeit war es so weit. Die Zeit habe man voll gebraucht, schließlich gehe es um "das Renommee wichtiger Mitspieler."

Markt - Handel mit Billionen Pfund

Der Markt für Wertpapierleihe ist unübersichtlich. Schätzungen zufolge werden täglich Wertpapiere im Wert von Billionen von Pfund verliehen. Zahlen gibt es nicht einmal von der International Organisation of Securities Commissions, als Anhaltspunkt dienen nur die Abwickler. Das britische Clearinghaus Crestco als Abwickler vor allem für die Briten, verzeichnete im Juli 2002 pro Tag Ausleihen von Aktienprodukten im Wert von 93 Mrd. Pfund (rd. 148 Mrd. ).

Der größte Teil des Handels wird über das Telefon oder per Mail abgewickelt. Ein Institut mit Bedarf nach Wertpapieren kontaktiert dabei mögliche Verleiher, um Bestand und Kosten auszuloten. Hat es Partner gefunden, verhandeln beide über die Transaktion im Detail. Wertpapierleihen sind gang und gäbe für Arbitragegeschäfte oder Risikoabsicherungen im Kassa- und Terminmarkt. Verstärkt treten auch Hedgefunds auf, etwa wenn sie leer verkaufte Aktien bedienen müssen.

Die Initiatoren der Anbieter wie SecFinex, eSecLending, StockLineOnline.com oder I-Bid oder eben Equilend wollen Transparenz erhöhen, Liquidität schaffen und damit Kosten senken. Doch auch nach diversen Angeboten im Markt greifen die Händler noch immer lieber zum Hörer. Nicht einmal fünf Prozent des Marktes verläuft nach standardisierten Online-Prozeduren, glaubt Larry Shearer, Marketing-Chef von SecFinex. "Einige Händler mögen vielleicht gar nicht so viel Transparenz", vermutet er, etwa um die eigenen Margen nicht zu gefährden. Andreas Kollegger von Equilend glaubt, dass das langfristig die falsche Strategie ist: "Wer online nicht mitmacht, wird in einem Umfeld sinkender Margen und steigender Kosten Probleme haben", sagt er.

Mittlerweile hat sich die Zahl der Transaktionen bei Equilend auf 3500 pro Tag stabilisiert. Und die Vorwürfe der Konkurrenz lassen Kollegger kalt. Die mäkelt, dass ein Bündnis von 10 wichtigen Investment-Banken natürlich mehr Handel anzieht als andere Startup-Plattformen. Oder dass die Mehrzahl des Equilend-Volumens nur wegen guter Verbindungen nach Amerika anfällt, dem viel größeren Markt. Die Konkurrenz ist mangels Hilfe renommierter Häuser auf den europäischen Bereich beschränkt. Kollegger will zwar über das Volumen von Europa im Verhältnis zu Amerika nichts sagen. Er sieht jedoch gerade für Europäer einen Vorteil: "Der größte Gewinn ergibt sich im internationalen Markt, weil hier die Automatisierung am stärksten fehlt."

Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass für Equilend der schwere Teil erst beginnt. Im ähnlich angelegten Repo-Markt für Staatsanleihen ist die technische Entwicklung bereits zwei Jahre weiter, hier eroberten Online-Angebote aber trotz der Vorteile nach Branchenschätzungen gerade 15 % des Marktes. Um mehr Zulauf zu haben, muss Kollegger also bald stärker werben.

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