Globaler Wachstumstrend eröffnet Chancen für Versorger
Aktien von Wasserversorgern sind zukunftsträchtig

Weltweit bauen Energiekonzerne derzeit ihr Wassergeschäft aus. Nach der Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte gilt Wasser als Kandidat für die nächste Deregulierungswelle. Mit Aktien von Wasser-Versorgern können Investoren auf die Zukunftsbranche setzen.

tmo DÜSSELDORF. Eine Branche mit Wachstumsphantasie, absolut zuverlässiger Nachfrage und obendrein staatlichem Wettbewerbsschutz - das klingt wie der Wunschtraum eines jeden Investors.

Aktien von Wasserversorgern kommen diesem Idealbild schon recht nahe. Das Geschäft mit dem feuchten Element rückt zunehmend ins Blickfeld der Börse. Bei näherem Hinsehen birgt der Sektor aber auch so manches Risiko.

Weltweit bauen derzeit große Energiekonzerne ihre Wassersparten aus. Sie wittern einen neuen Boom, denn in immer mehr Staaten beauftragen Politiker private Unternehmen mit der Versorgung und Reinigung von Wasser.

Konzerne setzen auf Liberalisierung

Nach der Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte in Europa gilt die Wasserversorgung als Kandidat für die nächste Deregulierungswelle. "Wasser wird zu Recht als Rohstoff des nächsten Jahrhunderts bezeichnet", sagt Catrina Vaterlaus, Finanzexpertin der Schweizer Privatbank Sarasin. Auch bei den gescheiterten Fusionsgesprächen zwischen Eon (Wertpapierkennnummer 761 440) und Suez Lyonnaise des Eaux (WKN 852 491) spielte das feuchte Element eine Rolle. Erst kürzlich erklärte Eon-Chef Ulrich Hartmann die Wassersparte zum Kerngeschäft des Unternehmens, das aus Veba und Viag hervorging.

Zusammen mit Suez wäre der deutsche Energiekonzern auf einen Schlag vom Nischenspieler zum Weltmarktführer in der Wasserversorgung aufgestiegen. Suez dominiert zusammen mit dem französischen Lokalrivalen Vivendi (WKN 853 950) die Branche. Wo immer große Städte ihre Trinkwasser- und Kanalsysteme privatisieren, zählen die Franzosen zu den aussichtsreichsten Bewerbern. Beide Unternehmen können auf Milliarden- Umsätze im Wassergeschäft und auf eine mehr als hundertjährige Tradition aufbauen.

Der Mischkonzern Vivendi gilt an der Börse allerdings eher als Medienwert, insbesondere wegen der geplanten Fusion mit der Seagram-Gruppe, zu der unter anderem die Universal-Studios aus Hollywood gehören. Seit Mitte Juli können Anleger aber gezielt in die Umwelt-Aktivitäten von Vivendi investieren: Chef Jean-Marie Messier brachte die Sparten Wasser, Energie, Transport und Abfall als Vivendi Environment (WKN 501 451) an die Börse. Seit dem Start konnten die Titel deutlich zulegen. Die deutschen Wasserversorger wirken gegen die Franzosen wie Zwerge. Hier zu Lande beherrschen kommunale Kleinbetriebe den Markt. Nur wenige haben sich bislang zu schlagkräftigen Firmen vereinigt.

Steuerprivileg begünstigt Staatsbetriebe

So zählt die Eon-Beteiligung Gelsenwasser (WKN 776 000) mit 219 Mill. Mark Umsatz im ersten Halbjahr 2000 bereits zu den nationalen Marktführern. 95 % der Gelsenwasser-Aktien liegen allerdings in festen Händen. Die Titel sind deshalb für Privatanleger nicht attraktiv.

Ein Steuerprivileg behindert in Deutschland die Konsolidierung: Staatsbetriebe zahlen keine Mehrwertsteuer auf ihre Abwasserdienste, private Betriebe schon. Dennoch will auch die RWE (WKN 703 700) die Sparte kräftig ausbauen. RWE-Chef Dietmar Kuhnt bestätigte Verhandlungen über einen Kauf von Vivendi Environment.

Doch die Wasserbranche hat ihre Tücken. Das bekamen im Herbst 1999 die Aktionäre britischer Wasserversorger zu spüren. Dort belastete ein Gebühren-Streit die Kurse von Unternehmen wie Thames Water (WKN 878 231) und Severn Trent (WKN 878 228). Inzwischen bewerten Experten die Titel nun optimistischer. Zuvor waren die britischen Versorger wegen angeblich überhöhter Kosten und mangelnder Investitionen in die Kritik geraten.

Auch anderswo löst das politisch sensible Thema Wasser Kontroversen aus. So warfen Kunden in Südamerika dem US-Unternehmen Azurix (WKN 923 061) vor, das gelieferte Trinkwasser sei verunreinigt. Die Abspaltung des Energiegiganten Enron stürzte - auch wegen Problemen auf dem US-Heimatmarkt - an der Börse ab.

Langfristig bringt der Privatisierungtrend neue Chancen für Wasser-Aktien, ist Analystin Vaterlaus sicher. Eine Dynamik wie bei Internet-Titeln dürften Investoren aber nicht erwarten. "Aus Anlagesicht ist die Branche vor allem wegen stabiler Erträge und der oft hohen Dividendenrenditen interessant", sagt die Analystin.



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