Globales Konzept mit Modell-Charakter – Schwierigkeiten in Deutschland
Citigroup übertrifft hohe Erwartungen

Sie ist der Liebling der Bankenanalysten an der Wall Street und gilt als Modell für den Finanzkonzern der Zukunft. Mit ihren vorgelegten Zahlen hat die Citigroup die hochgesteckten Erwartungen der Analysten sogar noch übertroffen.

NEW YORK. Die Citigroup Inc. hat mitten in einer volkswirtschaftlichen Flaute und trotz des Einbruchs der Aktienmärkte ihr Ergebnis gegenüber dem Vorjahresquartal noch einmal kräftig gesteigert. Damit liefert sie den Beweis, dass ihr Konzept eines breit diversifizierten, global vertretenen Finanzkonzerns aufgeht.

Der Konzern legte ein operatives Quartals-Ergebnis von 3,79 Mrd. $ oder 74 Cents pro Aktie vor. Das ist gegenüber dem zweiten Quartal 2000 eine Steigerung von 14 %. Analysten hatten mit 73 Cents pro Aktie gerechnet. Einmalausgaben eingeschlossen, ist das Ergebnis immer noch ausgesprochen vorzeigbar: Der Quartals-Gewinn verbesserte sich danach von 65 Cents im Vorjahreszeitraum auf 69 Cents oder 3,54 Mrd. $. Die Einnahmen erhöhten sich um 8 % auf 20,3 Mrd. $. Dabei vergrößerte sich das Privatkunden-Geschäft, zu dem auch Hypotheken-Darlehen und Kreditkarten gehören, überproportional.

Zweifel, ob größer tatsächlich besser ist, hat die Citigroup damit vorerst ausgeräumt. "Die Stärke und breite Streuung unseres globalen Geschäfts hat glänzende Ergebnisse gebracht. Damit haben wir bewiesen, dass wir sogar in einem schwierigen Umfeld unseren Gewinn und unser Geschäftsvolumen steigern können", freute sich Citigroup-Chef Sanford Weill. Wall-Street - Analysten geben ihm recht. "Die Citigroup ist unsere Top-Aktie. Sie ist Spitze in Global-Präsenz, Verschmelzung der Geschäftsbereiche und Wachstum durch Zukauf", sagt Wertpapier-Analyst Chip Dickson, Lehman Brothers. Kein anderer Finanz-Konzern der Welt sei in allen Bereichen so global vertreten - ob Privatkundengeschäft, Investmentbanking oder Versicherungen.

Diversifikationkation zahlt sich aus

Jetzt zahlt sich aus, dass die Citigroup breit diversifiziert ist. Knapp die Hälfte ihrer Erlöse erzielt sie im Privatkunden-Geschäft, wobei das lukrative Kreditkartengeschäft sowie Privatkundendarlehen den Haupt-Anteil beisteuern. Der Vorteil: Das Konsumenten-Kredit-Geschäft blieb während des volkswirtschaftlichen Einbruchs relativ stabil. Auf Grund der Zinssenkungen durch die Zentralbank kann sich der Konzern jetzt kostengünstiger refinanzieren. Außerdem hat der Boom bei US-Eigenheim-Käufen die Nachfrage nach Hypothekendarlehen erhöht. Ihre breite internationale Basis im Firmenkundengeschäft hat sich zudem als Plus im Investmentbanking erwiesen. Sie kann ihren Kunden Firmenkredite, die Betreuung von Börsengängen und die Emission von Anleihen aus einer Hand verkaufen. Aufsehen hatte erregt, dass Citigroup mit ihrer Investmentbank Salomon Smith Barney den Börsengang der Philip-Morris-Tochter Kraft Foods betreute und einen Mammut-Kredit von 8 Mrd. $ lieferte.

"Die Citigroup spart bei solchen Kombinationen auch teuren Personaleinsatz", erläutert Banken-Experte Prof. Charles Calomiris von der Columbia-Universität in New York, "ob Börsengang oder Unternehmenskredit, in jedem Fall muss ein Stab von Leuten Details der Kunden-Bilanz kennen." Citigroup liegt laut Securities Data im globalen IPO-Geschäft auf Platz 4 und ist weltweit Nummer 1 bei der Emission von Industrieanleihen.

Doch wie schafft es die Citigroup, sich trotz ihrer internationalen Präsenz von Länderrisiken und der weltweiten Konjunkturschwäche abzuschotten? Das Geheimnis sei, dass die Citigroup wie keine andere lokal und in örtlicher Währung operiere, erläutert Calomiris. Sie leihe nicht in Dollar und kassiere dann Zinsen und Tilgung in der Fremdwährung. Vielmehr laufe das gesamte Geschäft in Pesos oder Yen. Außerdem stelle sich die Citigroup besser als jede andere Bank auf die örtlichen Banken-Praktiken ein und setze, wo immer sie präsent ist, heimische Banker ein. "Die meisten Banken mieten sich in den Ländern, in die sie expandieren wollen, bloß ein Hotelzimmer und rufen dann die Finanzchefs der Firmen an. Die Citigroup sucht sich dagegen Partner im Land und studiert die örtlichen Gegebenheiten", erläutert Calomiris. So hätte die Citigroup beispielsweise in Vietnam extra einen MBA-Absolventen aus den USA eingeflogen, bevor sie Kreditentscheidungen für eine örtliche Kohlenmine traf. Der US-Betriebswirt befasste sich wochenlang mit den Zahlen des Unternehmens und stellte erstmals in der Geschichte des Unternehmens eine Bilanz nach westlichen Standards auf.

Nicht alles läuft glatt

Jüngster Coup der Citigroup: In Mexiko kauft sie für 12,5 Mrd. $ die Banacci Bank, die 20 % sämtlicher Finanzdienstleistungen des Landes auf sich vereint. Weil Schwellenländer höhere Wachstumsraten haben, dürfte sich ihr Beitrag zum Gesamt-Gewinn in den nächsten fünf Jahren von 25 % auf 30 % erhöhen.

Auch in Japan ist die Citigroup einer der wichtigsten und am stärksten diversifizierten internationalen Finanz-Dienstleister. Besonders lukrativ ist hierbei das durch die Übernahme der Associate First Capital Corp. (AFCC) erschlossene Engagement im Konsumentenkreditgeschäft, wo sie jetzt nach den Marktführern Takfuji, Acom und Promise mit Aiful den vierten Platz besetzt. Die Citigroup hat in Japan 25 Niederlassungen mit mehr als 9 000 Geldautomaten. Weltweit ist sie in mehr als 100 Ländern vertreten.

Dabei scheint allerdings nicht immer alles glatt zu laufen. In Deutschland kämpft die Privatkunden-Sparte mit erheblichen Schwierigkeiten. Kritisiert wird der harte Führungsstil von Vorstandschef Willy Socquet. Mehrere Vorstände haben in rascher Folge das Unternehmen verlassen. Ein falsches Personal-Management habe dazu geführt, dass die IT-Kosten davonlaufen, heißt es in Unternehmenskreisen. Eine Serie von ehrgeizigen Plänen ist längst wieder in der Schublade gelandet. Das Konzept, etwa, wonach selbständige Finanzberater unter dem Logo der Citibank die Finanzprodukte verkaufen, wurde wieder aufgegeben.

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