Globalisierungsgegner planen Demonstration
Davos rüstet sich gegen Weltwirtschaftsgipfel-Krawalle

Reuters ZÜRICH. Im beschaulichen Schweizer Wintersportort Davos wird es am kommenden Wochenende wohl mit der Ruhe vorbei sein. Tausende Globalisierungsgegner wollen am Samstag trotz eines Demonstrationsverbots prominenten Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums einen heißen Empfang bereiten. Da Krawalle befürchtet werden, herrscht in Davos in den Tagen vor dem Treffen Unsicherheit und bange Nervosität. Ladenbesitzer überlegen, ob sie ihre Geschäfte verbarrikadieren sollen. Die US-Regierung rief ihre Bürger bereits auf, den Ort während des Forums zu meiden.

Zum Forum reisen alljährlich Ende Januar die Reichen und die Mächtigen der Industriegesellschaft in die kleine Stadt im Kanton Graubünden, um informelle Kontakte zu pflegen. In diesem Jahr steht das Treffen unter dem Motto "Nachhaltiges Wachstum und Überwindung von (sozialen) Gegensätzen". Die Entwicklungshilfe-Organisation "Erklärung von Bern" und andere Gegner des Forums sehen in dem Treffen indes ein Symbol für eine "intransparente und undemokratische Globalisierungspolitik".

Demonstrationen gegen die Veranstaltung gab es in der kleinen Stadt mit 13 000 Einwohnern und 24 000 Gästebetten auch schon in den vergangenen Jahren. Aber nun haben die Verantwortlichen die Fernsehbilder der großen internationalen Wirtschaftskonferenzen in Seattle und Prag vor Augen, wo sich die Gegner einer Liberalisierung der Weltwirtschaft mit der Polizei erbitterte Straßenschlachten lieferten. Zwar haben die Behörden ein Demonstrationsverbot erlassen, aber die Globalisierungsgegner werden sich wohl kaum daran halten.

Schweiz schickt Hubschrauber und Soldaten

Die Schweizer Bundesregierung schickt vorsorglich einige hundert Soldaten sowie Hubschrauber nach Davos. Weitere 600 Soldaten halten sich für Bewachungsaufgaben und zur Unterstützung der Polizei bereit. Bereits eine Woche vor der am Donnerstag beginnenden sechstägigen Veranstaltung sicherten bewaffnete Soldaten Strommasten und wichtige Gebäude. Die Regierung des Kantons Graubünden hat polizeiliche Hilfe aus anderen Kantonen angefordert. Davos soll zum Wochenende weiträumig abgeriegelt werden. Für 300 militante Globalisierungsgegner wurden Einreiseverbote erlassen. Einen so großen und komplizierten Einsatz habe es für die Polizei seit Jahrzehnten nicht gegeben, so der zuständige Bündner Polizeiminister Peter Aliesch.
Die Polizisten und Soldaten sollen die Sicherheit von rund 3000 Wirtschaftsführern und Politikern garantieren, die sich den Eintritt - soweit nicht geladene Gäste - etwa 16 000 Franken (rund 20 000 Mark) kosten lassen. Unter anderem stehen der japanische Ministerpräsident Yoshiro Mori und UNO-Generalsekretär Kofi Annan auf der Gästeliste. Aus Deutschland werden Außenminister Joschka Fischer und Finanzminister Hans Eichel erwartet.

Nicht alle Gegner des Forums haben Gewalt und Randale im Sinn. Unter dem Motto "The Public Eye on Davos" wollen Umwelt- und Entwicklungshilfeorganisationen wie etwa die "Erklärung von Bern" in Davos einen alternativen Kongress zu Fragen der Globalisierung abhalten. Und auch die Veranstalter des Forums um den aus Deutschland stammenden Professor Klaus Schwab suchen Verständigung. Insgesamt nehmen nach Angaben der Veranstalter 36 so genannte Nicht-Regierungsorganisationen, die meist umwelt- und entwicklungspolitische Anliegen vertreten, am Forum teil.

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